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Damit der Breitensport nicht untergeht

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Von: Petra Schafflik

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Die Georg-Scherer-Halle des ASV ist undicht und marode. Bis der Verein eine neue Sportstätte bekommt, dürfte – zum Leidwesen des Vorsitzenden Andreas Wilhelm – noch sehr viel Zeit vergehen.
Die Georg-Scherer-Halle des ASV ist undicht und marode. Bis der Verein eine neue Sportstätte bekommt, dürfte – zum Leidwesen des Vorsitzenden Andreas Wilhelm – noch sehr viel Zeit vergehen. © Archiv MM

Dachau – Breitensport ja, Spitzensport nein: So könnte man die Beschlüsse zusammenfassen, die der Haupt- und Finanzausschuss kürzlich zu zusätzlichen Mitteln für den Sport gefasst hat. Dabei ging es nicht um die übliche Sportförderung, an die bei den Haushaltsvorberatungen auch in Zeiten knapper Kassen der Rotstift nicht angesetzt wurde.

So sind auch im kommenden Jahr 1,4 Millionen Euro im Etat eingeplant, die zum überwiegenden Teil an die beiden großen Sportvereine ASV und TSV 1865 gehen. Doch die zusätzliche Förderung des Spitzensports sollte heuer eigentlich ausfallen. So hat es der Haupt- und Finanzausschuss schon im November 2020 entschieden.

Dennoch sind bei der Stadt wieder Anträge eingegangen. Wie schon in den Vorjahren ersuchte der Billardsportverein um 4000 Euro für sein Bundesligateam, der ASV hätte gerne dieselbe Summe für seine erfolgreichen Volleyballer, die in der dritten Bundesliga spielen. Sogar mehr Geld als bisher, nämlich 13 500 statt der 9000 Euro aus den vergangenen Jahren, erbat der TSV 1865 für die Abteilungen Turnen und Taekwondo. Was tun?

Sportreferent Günter Dietz (CSU) plädierte für eine Unterstützung, man sollte die bisher üblichen Beträge nehmen. Dem pflichtete Jürgen Seidl (FDP) bei, „denn was geleistet wird, verdient höchste Anerkennung“! Doch Anke Drexler (SPD) mochte „nicht mitgehen“. Der Spitzensport sei ein tolles „Aushängeschild für die Stadt“. Dennoch gelte es in Zeiten knapper Kassen lieber den Breitensport weiter zu fördern. Es habe Priorität, „die Vereine allgemein zu fördern“, findet genauso Richard Seidl (Grüne). Auch in der Kultur gebe es „Aushängeschilder“, die kein Geld mehr bekämen, erinnerte Michael Eisenmann (Bündnis).

Markus Erhorn (FW) schlug vor, allen Antragstellern je 4000 Euro auszuzahlen. Die CSU könne beide Vorschläge mittragen, sagte Sprecher Florian Schiller. „Das ist eine Anerkennung und damit das Geld gut angelegt.“ Doch am Ende fand sich für keine Option eine Mehrheit. Eine Spitzensportförderung wird es 2021 nicht geben.

Anders lief es bei der Frage, ob ASV und TSV erneut Sondermittel aus der Sportförderung bekommen sollen. Dabei handelt es sich um einen speziellen Zuschuss, der seit 2004 befristet bis 2020 in Höhe von je 35 000 Euro geflossen ist, damit ASV und TSV schneller ihre Altschulden tilgen können. Ein Antrag auf Verlängerung dieser Unterstützung bis 2025 war vom Haupt- und Finanzausschuss bereits im November 2020 abgelehnt worden. Nun lag ein neues Ersuchen auf dem Tisch. Die Vereine bräuchten das Geld, „um den Betrieb aufrecht zu erhalten“, betonte der Sportreferent. Denn beide Vereine müssten ihre alten Hallen noch einige Zeit betriebsbereit halten, nachdem sich TSV-Aussiedlung und ASV-Hallenneubau noch hinziehen.

„Unterstützen ja, aber nicht doppelt“, sagte Richard Seidl (Grüne). Die Stadt gebe bereits Zuschüsse zu Reparaturen. Dass Dachau überhaupt schon lange viel tue für den Sport im Vergleich zu anderen Kommunen, betonte Drexler. Doch mit Blick auf die Schuldensituation unterstütze sie eine Zahlung, „aber einmalig rückwirkend für 2021“. Diesem Vorschlag folgten die Stadträte einstimmig.

Unabhängig vom laufenden Betrieb benötigen beide Dachauer Sportvereine bekanntlich eine neue Halle. Wie es aktuell um die Projekte steht, stellte die Verwaltung auf Antrag von FDP und ÜB ausführlich dar. Für einen Neubau am ASV-Gelände läuft das Bebauungsplanverfahren. Sobald Baurecht besteht, stellt sich die Frage, wer baut. Weder Verein noch Stadt werden eine Sporthalle finanzieren können, die nach den Vorstellungen des ASV deutlich mehr bieten müsste als eine reine Schulturnhalle.

Die Verwaltung, so Oberbürgermeister Florian Hartmann, will deshalb per Machbarkeitsstudie prüfen, ob eine „modulare Lösung“ geht. 250 000 Euro sind für die Studie im Etat vorgesehen. Ziel ist, dass der Bedarf von Schule und Verein strikt getrennt und damit auch separat gefördert werden könnte.

Beim TSV gibt es bereits Baurecht für die Teilaussiedlung an die Theodor-Heuss-Straße. Doch damit der Verein den Neubau dort finanzieren kann, braucht es noch Baurecht auf dem Stammgelände; das Bebauungsplanverfahren läuft. Die Stadt würde für eine Zwischenfinanzierung einspringen, bis Banken Baukredite geben; 2,3 Millionen Euro sind bis 2024 eingeplant.

Fazit von Florian Schiller (CSU): „Ob die Hallen in diesem Jahrzehnt noch fertig sein werden, ist fraglich.“ Eine „bittere Erkenntnis für die Vereine“. Gerade ein Grund, als „Zeichen aus der Mitte des Stadtrats“ Geld bereit zu stellen, betonte Jürgen Seidl (FDP). „Als Signal: Wir stehen zu 100 Prozent dahinter!“ Eine Idee, die durchaus kontrovers diskutiert wurde, aber am Ende eine knappe Mehrheit fand. Je 1 Million Euro werden 2024 für ASV und TSV eingeplant.

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