Noch eine Baustelle, bald ein Supermarkt: Die Hausherren Franz (rechts) und Andreas Scherm (Mitte) mit Karsten Fischer, dessen Bonus gGmbH am 1. Juni im Untergeschoss des Anwesens Pfarrstraße 1 einen Vollsortimenter eröffnen wird. Neben dem Supermarkt wird auch ein Bäcker in die Räumlichkeiten einziehen.
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Noch eine Baustelle, bald ein Supermarkt: Die Hausherren Franz (rechts) und Andreas Scherm (Mitte) mit Karsten Fischer, dessen Bonus gGmbH am 1. Juni im Untergeschoss des Anwesens Pfarrstraße 1 einen Vollsortimenter eröffnen wird. Neben dem Supermarkt wird auch ein Bäcker in die Räumlichkeiten einziehen.

Damit die Altstadt wieder lebt

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Zur Abwechslung mal eine gute Nachricht für die Dachauer: Im Untergeschoss der Pfarrstraße 1 in der Altstadt eröffnen zum 1. Juni ein Nahkauf-Supermarkt sowie eine Filiale der Bäckerei Wörmann. Damit wird die seit Jahren klaffende Nahversorgungslücke in der Altstadt geschlossen.

Dachau – Auch wenn man es sich heute im Moment noch nicht so recht vorstellen kann, aber im 600 Quadratmeter großen Untergeschoss der Pfarrstraße 1 wird es in vier Monaten Brot, Gemüse, Fleisch, Käse, Nudeln, Kekse und was es für volle Küchenregale sonst noch alles braucht zu kaufen geben. Die Großbaustelle im ehemaligen Kaufhaus Hörhammer geht nämlich auf die Zielgerade: Die Wohnungen in der obersten Etage gehen in diesen Tagen in die Vermarktung, die Praxen für Zahnheilkunde und Psychologie räumen gerade ihre Büros ein, und das Kaufhaus Rübsamen – derzeit wegen Corona geschlossen – hatte bereits im vergangenen Jahr seine Rundum-Erneuerung abgeschlossen. Wenn nun in vier Wochen noch das Erdgeschoss und sein kleiner Vorplatz fertig wird, dann, so Eigentümer Franz Scherm, hat er sein Ziel einer „intensiven Altstadtbelebung“ mehr als erfüllt.

Gerade die Vermietung des Untergeschosses hatte sich zuletzt als schwierig erwiesen. Wegen des unattraktiven Vorplatzes und einem Tauziehen mit der Stadt, wie man die Kosten für den Umbau des Eingangsbereich aufteilen sollte, hatte sich Scherms Supermarkt-Projekt verzögert (wir berichteten). Am Ende aber konnten sämtliche offenen Fragen geklärt werden, am Vormittag des 23. Dezember sei die Vereinbarung mit der Stadt über die Finanzierung des als „Theatron“ bezeichneten Plätzchens vor dem Anwesen Pfarrstraße 1 unterzeichnet worden, so Scherm.

Karsten Fischer, Vertriebsleiter der Bonus gGmbh, ist darüber erleichtert. Das gemeinnützige Unternehmen aus Stuttgart – wobei Bonus die Abkürzung für „Berufliche Orientierung Nachbarschaftsmärkte und Service“ ist – betreibt in ganz Bayern und Baden-Württemberg bereits 22 Nahkauf-Lebensmittelläden. Die Filiale in der Dachauer Altstadt ist damit der 23. Nahkauf. Während das Sortiment zu 90 Prozent vom Lebensmittel-Riesen Rewe geliefert wird, stammen die restlichen zehn Prozent von lokalen beziehungsweise regionalen Anbietern. „Wir sind sehr Frische- und Bio-lastig“, betont Fischer, weshalb Waren wie Wurst, Käse, oder Eier von heimischen Produzenten geliefert werden.

Das Besondere an Nahkauf beziehungsweise Bonus ist seine Gemeinnützigkeit. Als Tochter der „SBR – gemeinnützige Gesellschaft für Schulung und berufliche Reintegration mbH“ haben die Märkte nach Fischers Angaben das Ziel, „die Fähigkeiten von Menschen zu verbessern, die nur geringe Chancen am Arbeitsmarkt haben“. Hierzu gehörten die Ausbildung, Beschäftigung und Qualifizierung beispielsweise von sozial benachteiligten Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen. Aufgabe der Bonus-Märkte sei es, die entsprechenden Fachkenntnisse des Lebensmitteleinzelhandels zu vermitteln. Dabei, so Fischer, würde sein Unternehmen, seit Jahren Erfolge erzielen: „Wir hatten schon Mitarbeiter, die bei Rewe am Ende Marktleiter wurden.“

Ein weiteres Anliegen der Unternehmensstrategie ist es Fischer zufolge aber auch, gezielt in Stadtteile zu gehen, in denen die Nahversorgung mit Lebensmitteln bislang nicht (oder nicht mehr) gegeben war. „Stichwort: Verödung der Ortszentren“, sagt Fischer, der gleichzeitig betont, anders als andere Märkte nicht von Gewinnabsicht getrieben zu sein: „Bei uns reicht die schwarze Null.“

Doch der Nahkauf-Supermarkt bleibt nicht der einzige Mieter im Untergeschoss. Auch die Niederrother Bäckerei Wörmann, die in der Großen Kreisstadt bereits drei Läden betreibt, zieht nun in die Pfarrstraße 1. Neben dem üblichen Wörmann-Sortiment soll – so Corona es zulässt – dabei auch ein kleiner Mittagstisch sowie eine Freischankfläche für zwölf Personen angeboten werden.

Franz Scherm sieht in seinem Großprojekt den Beweis, dass es „auch andere Tendenzen in unserer Altstadt als das Sterben“ gibt. Nahkauf-Chef Karsten Fischer hofft ebenfalls, mit seinem Markt für „Frequenz“ im Herzen Dachaus zu sorgen – damit die Altstädter künftig nicht mehr in irgendwelche Gewerbegebiete fahren müssen zum Einkaufen.

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