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Das Palsweiser und das Fußbergmoos sind eine rund 700 Hektar große Fläche im Dreieck zwischen A 8, B 471 und Überacker. Heinz Gibowsky (l.) und Roderich Zauscher vom Bund Naturschutz setzen sich seit sieben Jahren für dessen Renaturierung ein.

Bund Naturschutz zieht nach sieben Jahren Bilanz

Dank Renaturierungsprojekt: Im Moos ist wieder was los

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Der Bund Naturschutz im Landkreis Dachau hat in den vergangenen sieben Jahren ein bayernweit einzigartiges Projekt auf den Weg gebracht: die Renaturierung der 700 Hektar großen Fläche des Palsweiser und des Fußbergmooses. Zum Jahresende aber werden die Fördergelder aus München versiegen. Die Naturschützer fürchten, dass ihre Arbeit vergebens gewesen sein könnte.

Das Erdinger Moos ist weitum bekannt – aber nicht für seine Flora und Fauna, sondern weil dort einer der größten Flughäfen Europas steht. Auch das Dachauer Moos kennt man – aus zahlreichen Werken der früheren Dachauer Künstlerkolonie; heutzutage aber schaffen es vermutlich nicht einmal die Fantasiebegabtesten Menschen, in dem Landstrich zwischen München und Dachau noch das vormalige grüne Idyll erkennen zu können.

Das Palsweiser Moos im Landkreis Dachau und direkt daran angrenzend das Fußbergmoos im Kreis Fürstenfeldbruck bildet laut Dr. Roderich Zauscher, Vorsitzender des Bund Naturschutz im Landkreis, daher ein einzigartiges „Juwel“ und das letzte aller sogenannten Niedermoore, die man im Bereich der Münchner Schotterebene noch renaturieren könnte. Bei allen anderen, wie etwa den besagten Erdinger oder Dachauer Moosen, sei „die Degenerierung zu weit fortgeschritten. Die sind mehr oder weniger verloren“.

Aus diesem Grund starteten Zauscher und seine Kollegen vom Bund Naturschutz vor sieben Jahren ein bayernweit einzigartiges Projekt: Mit finanzieller Förderung durch die Regierung von Oberbayern und unterstützt von der Gemeinde Bergkirchen versuchen die Naturschützer seither, die alte Moorlandschaft zu erhalten beziehungsweise wieder auszubauen und damit auch die einzigartige Pflanzen- und Tiervielfalt der Gegend zu schützen. In Summe, sagt Zauscher, sei die Maßnahme auch „aktiver Klima- und Hochwasserschutz“. Die Überschwemmung Gündings, wie im Juni 2013 geschehen, hätte durch eine intakte Mooslandschaft vermieden werden können.

Unter der Ägide Zauschers und seines Bund-Kollegen Heinz Gibowsky, sowie unterstützt von einem eigens engagierten Projektmanager, soll der 700 Hektar große „Flickenteppich“ aus Einzelgrundstücken sukzessive zu einem zusammenhängenden Landschaftsschutzgebiet umgebaut werden. Manche Flächen wurden in den vergangenen Jahren gekauft, manche Flächen sind gepachtet, andere werden dem Bund Naturschutz von den Eigentümern gegen entsprechende Pflege überlassen. Kleinere Maßnahmen, so Zauscher, wurden dabei in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich umgesetzt. Für „ein richtiges Moos“ aber fehlten noch weitere Grundstücke.

Aus vorher dichtem Wald wurde durch die Überstauung mittels Biberdamm ein sehr lichter Wald mit viel Totholz mit Wasserflächen auch noch im Sommer. Dies ist wichtig für Frösche, Libellen und Ringel- und Kreuzottern sowie vielen Wasserpflanzen.

Dass der Dachauer Bund Naturschutz, mit 3000 Mitgliedern einer der größten in ganz Bayern, überhaupt das Startkapital für die Moos-Renaturierung aufbringen konnte, liegt an einer Erbschaft des Karlsfelders Josef Koller (†), der seinen Besitz dem Bund Naturschutz vermacht und damit erste Flächenankäufe im Palsweiser Moos ermöglicht hatte. 100 000 Euro Eigenmittel steckte der Kreisverband in das Langzeitprojekt, hinzu kamen weitere 900 000 Euro aus München. Sollten nun zum Jahresende diese Zuwendungen versiegen, wäre dem Projekt vermutlich ein jähes Ende gesetzt. „Wir haben keinen Plan B“, gibt Zauscher zu, sieht es aber als gutes Zeichen, dass sämtliche zuständigen Beamten sich bislang unisono beeindruckt von den ersten Erfolgen zeigen.

Denn die sind durchaus sichtbar! Heinz Gibowsky zufolge seien zahlreiche gefährdete Tierarten dort wieder anzutreffen beziehungsweise hätten ihre Populationen erhöhen können: der Raubwürger etwa – ein tatsächlich sehr possierliches Vögelchen – oder das Braunkehlchen. Weil durch eine sogenannte Überstauung mittels Biberdämmen auch lichte und feuchte Waldstellen mit viel Totholz entstanden, konnten sich dort auch wieder Frösche, Libellen oder Ringelnattern sowie Kreuzottern ansiedeln. Dazu wachsen in den vormals dürren Wäldern nun plötzlich Wasserpflanzen.

Um die vor allem für seltene Schmetterlingsarten wie den Dunklen oder den Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling wichtigen Flugschneisen zu schaffen, mussten auch Bäume weichen. Einen Widerspruch zum Naturschutz wollen Gibowsky und Zauscher darin aber explizit nicht sehen. Früher, betonen sie, hätte man „von Bergkirchen bis nach Übelacker schauen können. Das Moos war keine Sichtbarriere“! Erst durch die Trockenlegung der Mooslandschaft seien die Bäume in die Höhe gewachsen. Eine echte Sumpflandschaft aber habe „keine Bäume“. Sogenannte Offenlandflächen müsse es daher noch viel mehr geben in dem Gebiet.

Den „Scharfmachern“ gegen ihr Vorhaben versichern sie derweil, die Landwirtschaft „nicht verdrängen“ zu wollen. Worauf Zauscher und Co., ganz unabhängig vom Ausgang der Projektverlängerung, aber schon heute stolz sind: „Dass da immerhin kein Baumarkt mehr reingebaut wird. Das haben wir erreicht.“

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