Mann sitzt, Frau dahinter. Er legt Arm um sie
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58 Jahre lang ein Ehepaar: Ursula und Rudi Richter. Rudi Richter starb nun im Alter von 82 Jahren.

Firmengründer stirbt mit 82 Jahren einsamen Corona-Tod

Das erfüllte Leben von Rudi Richter

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Familie, Arbeit, Sport: Auf diesen drei Säulen war das erfüllte Leben von Rudi Richter aufgebaut. Nun starb er im Alter von 82 Jahren, einen traurigen Corona-Tod. Doch seine Frau Ursula, mit der er sein Leben lang vertrauensvoll zusammenarbeitete und die Firma „Rudi Richter – Fachhandel für Türen und Fenster“ aufbaute, sagte: „Er hat so ein schönes Lebens gehabt.“

Dachau – Als Rudi Richter am vergangenen Sonntag für immer die Augen schloss, war er alleine. Er war mit dem Corona-Virus infiziert. Zwei Wochen lag wurde er im Pasinger Krankenhaus behandelt. „Keiner weiß, wo er sich angesteckt hat“, berichtet seine Frau Ursula Richter. Sie, ihre beiden Töchter, die fünf Enkelkinder seien alle getestet worden – negativ. Sie alle waren in Quarantäne, zwei Wochen lang, während Rudi Richter im Krankenhaus lag. Am Sonntag verlor er den Kampf. Sein letzter Wunsch blieb ihm verwehrt: wieder nach Hause zu dürfen.

Ursula Richter, 76 Jahre alt, kann aber Trost finden: weil ihr Mann glücklich war. Geboren wurde er in Guben in der Niederlausitz in Brandenburg. Im Jahr 1958, im Alter von 21 Jahren, zog er mit seinen Eltern nach Falkenstein im Vogtland um, wo Ursula ihn das erste Mal sah. „Ich war 15, und er kam in die Gastwirtschaft meiner Eltern: blond, groß, ein blauer Pulli. Da dachte ich mir: Das wär er mal!“ Einmal sagte er zu ihr: „Irgendwann kommen wir zusammen.“

Vier Jahre später sollte es soweit sein. Doch zunächst trennten sich ihre Wege: Ursula ging als 17-Jährige nach dem Tod ihrer Mutter nach Nürnberg zu ihrer Schwester, absolvierte ihren Wirtschaftsschul-Abschluss und arbeitete bei dem Tankstellenbetreiber Avia. Dann kam ein Brief von Rudi Richter, inzwischen Zimmermann in Frankfurt am Main. Er lud sie ein, mit nach Österreich zu Verwandten zu fahren. „Auf dem Heimweg hielt er um meine Hand an“, erzählt Ursula Richter. Um ein ausreichendes Auskommen für eine Familie zu haben, beschloss das junge Paar, sich selbstständig zu machen. Rudi, als Autonarr, und Ursula, mit Tankstellen-Wissen: „So bewarben wir uns um eine Tankstelle.“

Sie starteten kurz nach ihrer Hochzeit im April 1963 in Frankfurt, „er hat Autos gewaschen und Reifen gewechselt, ich kümmerte mich um das kaufmännische“, berichtet Ursula Richter. Dann wollte Rudi Richter lieber nach Bayern: 1966 übernahmen die Richters, dann schon zu dritt mit Tochter Kerstin, die Tankstelle in der Münchner Straße gegenüber von Foto Sessner. 1967 kam ihre zweite Tochter Christiane auf die Welt. 1972 bauten sich die Richters ein Haus in Dachau. In der Früh um 6 Uhr sperrten sie die Tankstelle auf, abends um 21 Uhr wieder zu, „kein familienfreundlicher Beruf“, wie Rudi Richter fand. So überlegte er, wieder zurück in seinen gelernten Beruf als Zimmerer zu wechseln, „und du hilfst mir“, sagte er zu seiner Frau. Er fertigte Holzdecken und Wandverkleidungen, sie arbeitete nebenbei als Handelsvertreterin für Türen und Fenster – und eignete sich Wissen an für ihre künftige Firma.

Von 1973 an führten sie gemeinsam ihr kleines Unternehmen „Rudi Richter – Fachhandel für Türen und Fenster“. „Er hat montiert, ich habe die Auftragsbearbeitungen und Buchhaltung gemacht.“ Ein „lieber Geschäftsmann“ sei ihr Mann gewesen, ein Kumpel von seinen Monteuren, der immer um sechs Uhr mit ihnen losgefahren ist.. Inzwischen arbeiten zehn Festangestellte in der Montage und vier im Büro.

Die Freizeit verbrachte die Familie Richter mit den beiden Töchtern bei den Tennisfreunden: Sie betreuten die Jugend, Ursula spielte aktiv Tennis und engagierte sich im Vorstand. Rudi lernte sportfreudige Freunde kennen, mit denen er im Laufe der späteren Jahre segelte, surfte, tauchte, in die Berge ging, Mountainbike und Ski fuhr, wanderte.

Im Jahr 2003 ging Rudi Richter, damals 65, in Ruhestand. Von da an widmete er sich voller Hingabe seinen fünf Enkelkindern, die schon von klein auf einen festen Platz im Leben der Großeltern hatten. „Er war ein Familienmensch durch und durch“, sagt seine Frau. Er kochte ihnen das Mittagessen, holte sie vom Kindergarten ab, fuhr sie zum Tennis.

Ursula Richter fand Schreinermeister Stephan Absenger als Teilhaber und ist weiterhin im Hintergrund als Geschäftsführerin tätig. Sie seufzt. „Es ist ein Glücksfall, wenn ein Ehepaar so lange miteinander arbeitet und zusammenhält.“ Dabei sei es immer selbstverständlich gewesen und wichtig, dass jeder Freiraum für sich selbst hat.“ 2018 feierten alle gemeinsam das 45-jährige Firmenjubiläum.

Dann wurde Rudi Richter pflegebedürftig, Ursula kümmerte sich um ihn – bis er Ende Oktober ins Krankenhaus kam. Ursula Richter und ihre Töchter Kerstin und Christiane sowie die Enkelkinder Francesca (30), Valentina (27), Josef (18), Sophie (18) und Johanna (14) vermissen ihn.

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