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Hüpfen gegen die Kälte: Schüler aus der Verbandsgrundschule Karlsfeld bei einer Bewegungspause während des Lüftens. Foto: verena möckl
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Hüpfen gegen die Kälte: Schüler aus der Verbandsgrundschule Karlsfeld bei einer Bewegungspause während des Lüftens. Foto: verena möckl

Schulleiter und Lehrer berichten

Lüften zum Schutz vor Coronaviren - So ist die Situation in den Schulen im Landkreis Dachau

Es soll vor einer Corona-Ansteckung schützen: das Lüften im Klassenzimmer. In der kalten Jahreszeit kann das aber ganz schön ungemütlich werden. An manchen Schulen lassen sich die Fenster gar nicht ganz öffnen. Sind Belüftungsanlagen die Lösung?

VON VERENA MÖCKL

Landkreis – Während des Unterrichts sollen alle 20 Minuten die Fenster weit geöffnet werden, in den Pausen zusätzlich auch die Klassenzimmertüren: Zu dieser Empfehlung kommen Experten. Doch wenn die Außentemperaturen sinken, kann das Stoß- und Querlüften im Unterricht unangenehm werden.

Viele Schulen stehen aber auch vor einem ganz anderen Problem: Manche Fenster lassen sich gar nicht öffnen, manche nur kippen. Für Fälle wie diese stellt das bayerische Kultusministerium nun 37 Millionen Euro für Luftfilter und CO2-Ampeln zur Verfügung. Angelika Wültsch, Förderlehrerin und Mitglied beim Zweckverband der Grund- und Mittelschule Mark Indersdorf, macht sich Sorgen. Da sich allein an ihrer Schule in Indersdorf eine Vielzahl von Fenstern nur kippen lasse, beurteilt sie die vom Freistaat bereitgestellte Summe für viel zu wenig. „Das Kultusministerium soll der Situation gerecht werden“, fordert Wültsch. Sie wünscht sich, dass die Regierung das Problem ernst nimmt und weitere Lösungen vorstellt, die umsetzbar sind. Auch fragt sich die externe Lehrerin, wie das Schulleben während der kalten Jahreszeit und mit den neuen Auflagen funktionieren soll. Die Schüler müssten sich wohl an die kalten Temperaturen im Schulgebäude gewöhnen. Zudem sei das auch eine Frage des Energieverbrauchs. Man müsse sich auch auf höhere Heizkosten einstellen. „Wir heizen sozusagen aus dem Fenster.“

Wie das bayerische Kultusministerium in einer Pressemitteilung Anfang Oktober mitteilte, stellt der Frischluftaustausch eine „wichtige, flankierende Maßnahme für den Infektionsschutz“ dar. Dem Frischluftaustausch käme laut Kultusminister Michael Piazolo „gerade in den bevorstehenden Herbst- und Wintermonaten enorme Bedeutung zu“.

Auch Tanja Huber, Leiterin der Josef-Schwalber-Realschule Dachau, sieht im Frischluftaustausch einen „wesentlichen Baustein“ bei der Eindämmung der Infektionszahlen. Das Durchlüften der Klassenzimmer in ihrer Schule funktioniere ihr zufolge problemlos, da sich die Fenster überall öffnen ließen. „Solange die Witterung es zulässt, lüften wir dauerhaft“, sagt Huber. Ihr zufolge bestünde dabei kein erhöhtes Risiko, sich zu unterkühlen. „Wir lüften so, dass die Kinder nicht im Zug sitzen“, versichert sie. Da es sich bei der Josef-Schwalber-Realschule um einen Neubau handelt, gibt es ein Belüftungssystem. „Die Anlage sorgt für einen guten Luftaustausch“, so Huber. Die Schulleiterin sieht ihre Schule somit auch in der kalten Jahreszeit gut gegen Corona gewappnet.

Auch Cordula Weber, Rektorin der Grund- und Mittelschule Odelzhausen, sieht der Umsetzbarkeit der Corona-Maßnahme optimistisch entgegen: „Wir sind gut aufgestellt.“ Da die Schule über bodentiefe Fenster verfügt, nutzen die Lehrer die Fluchttüren zum Stoßlüften. Damit ein Durchzug entsteht, wird am Ende des Unterrichts zusätzlich die Klassenzimmertür geöffnet. „Die beiden Türen eignen sich perfekt für einen Luftaustausch“, so Weber. Kritisch würde es erst, so Weber, wenn die Fenster durchgehend offen wären. Dies sei ihr zufolge aber gar nicht nötig, da die Schule auch über eine Lüftungsanlage verfügt. „Wenn der CO2-Wert im Raum zu hoch ist, wird automatisch Frischluft zugeführt.“ Dies sei nicht nur für den Schutz vor Infektionen relevant. Auch für die Konzentration beim Lernen sei Frischluft wichtig. In Bezug auf das Lüften in den kalten Wintermonaten hat Weber eine klare Meinung: „Lieber erfriere ich, als dass ich ersticke.“ Und: Ansteckungen und Quarantäne wolle keiner haben.

In der Verbandsgrundschule Karlsfeld wird ebenfalls regelmäßig gelüftet. Und wie Schulleiterin Ursula Weber verrät, würden, damit den Kindern nicht so schnell kalt wird, die Lüftungsphasen mit kurzen Bewegungspausen am Platz kombiniert.

Doch welche Rolle spielen Luftfilter im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus? Könnten sie die Lösung sein, damit Schüler und Lehrer in der kalten Jahreszeit nicht frieren? „Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts können die Geräte, wenn sie gut gewartet sind, die Keimbelastung in der Luft nachhaltig reduzieren“, sagt Landrat Stefan Löwl. Er sieht in den Lüftungsanlagen deswegen eine sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Hygiene-Maßnahmen gerade in der kalten Jahreszeit. Die Geräte könnten die Maske und das Lüften allerdings nicht ersetzen. „Die Lüftungsanlagen sind eine zusätzliche Hilfe“, betont Löwl.

Doch neben dem Gerät selbst sei vor allem auch die Wartung der Anlage äußerst wichtig. Da sich hierzu allerdings momentan noch zu viele Fragen auftäten, prüfe das Landratsamt gerade, welche Geräte sich eignen und auf dem Markt überhaupt verfügbar sind. Aber was bedeutet das konkret für die Schulen im Landkreis? Das Landratsamt wartet gerade noch auf die Rückmeldungen, wo überall Bedarf ist. Eins ist klar, je kälter es wird, desto schneller brauchen die Schüler und Lehrer eine Lösung.

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