Ein Selbstporträt: Doch Ignaz Taschner machte sich vor allem als Schöpfer von imposanten Skulpturen einen Namen – nicht nur in Deutschland.
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Ein Selbstporträt: Doch Ignaz Taschner machte sich vor allem als Schöpfer von imposanten Skulpturen einen Namen – nicht nur in Deutschland.

Der begnadete Künstler wurde am heutigen 9. April vor 150 Jahren geboren

Ignaz Taschner: Dachaus ruheloses Multitalent

Ignatius Taschner war ein bedeutender Künstler seiner Zeit. Am heutigen 9. April vor 150 Jahren wurde er in Kissingen geboren. Taschner lebte zuletzt in Mitterndorf. Dachau und das Dachauer Land haben ihn und sein Werk geprägt.

Dachau ‒ Taschners Vater war Steinmetz und Bildschnitzer. So war dem Sohn der Weg schon vorgegeben, zumal er mit einer außerordentlichen künstlerischen Begabung gesegnet war, wie sich schon bald herausstellte.

Ignatius Taschner wuchs in Lohr am Main auf, in Schweinfurt begann er eine Lehre als Steinmetz. Schon mit 14 musste er wegen Krankheit und des frühen Todes des Vaters die Arbeiten im elterlichen Betrieb übernehmen. Aber Taschner wollte mehr: Er ging nach München, studierte dort von 1889 bis 1895 an der Kunstakademie. Unter den Fittichen von Professor Syrius Eberle erschuf der junge Taschner erste Skulpturen und Kriegerdenkmäler. Erste Aufträge kamen herein.

Doch die folgenden Jahre waren hart. Taschner arbeitete zwar eifrig, schuf Skulpturen, zeichnete, malte. Doch verkaufen ließen sich seine Werke zunächst nicht. Zudem litt er schon als junger Mensch unter chronischen Kopfschmerzen.

Die Zeit der Selbstzweifel und Entbehrungen endete, als der Jugendstil die Welt zu erobern begann. Bald hatte Taschner einen klangvollen Namen in den Kunstszenen in München, Wien und Berlin. 1903 wurde er als Dozent an die Königliche Akademie in Breslau berufen.

In diese Zeit fielen die Illustrationen für Grimms Märchen, und die Herstellung eines Silberkruzifixus, eine Figur am Münchner Rathaus. Weitere große Aufgaben waren die Beteiligung an der Bauplastik für das Stadthaus in Berlin Mitte, der Gustav-Freytag-Brunnen in Breslau, das Schiller-Denkmal in St. Paul/Minnesota und die Figurengruppen für den Märchenbrunnen in Berlin-Friedrichshain.

Die Jahre nach der Jahrhundertwende waren die Zeit, als er mit Ludwig Thoma Freundschaft schloss. Und das Dachauer Land wurde zum verbindenden Faktor zwischen den beiden Charakteren. Vieles, was Taschner hier entdeckte, fand Einzug in seine Werke und in die Illustrationen für Thomas Texte. Taschner trug sich mit dem Gedanken, sich in Altomünster niederzulassen. Doch im Jahr 1906 bot sich ihm die Gelegenheit, in Mitterndorf nahe Dachau ein Grundstück in besonderer Lage zu erwerben.

Taschner war sehr vielseitig. Neben seinen beeindruckenden Bildhauerarbeiten –Figurengruppen, Brunnen, Reliefs an Häusern und Brücken – entwarf er Uhren, Schmuckstücke, Puppen, Glasfenster und sogar das Tafelsilber des Kronprinzen Wilhelm und industrielle Gebrauchsgegenstände.

Mit der ihm eigenen Akribie plante und realisierte er gemeinsam mit seiner Frau Helene das Haus in Mitterndorf mit Atelier und Garten. 1907 wurde der Grundstein gelegt. Dachauer Handwerker sprachen noch lange von den Herausforderungen, denen sie sich beim Bau des imposanten Künstlerhauses stellen mussten.

Dabei lief das Private nebenbei; denn große Aufträge wollten umgesetzt sein. Taschner musste sogar seinen Wohnsitz für zwei Jahre nach Berlin verlegen, um mit der Arbeit hinterherzukommen. Der Künstler rieb sich geradewegs auf zwischen seinen Auftragsarbeiten und dem künstlerischen Anspruch an sich selbst, war viel auf Reisen.

Das unermüdliche, ruhelose Schaffen forderte seinen Preis: 1912 erkrankte Ignaz Taschner, er ignorierte jedoch die Grippe, die ihn zusätzlich zu seinen bisherigen Beschwerden heimgesucht hatte. Er arbeitete weiter – eine Steinskulptur musste dringend fertig werden. Am 25. November 1913 erlag Ignatius Taschner einem Herzversagen. Er starb mit nur 42 Jahren in Mitterndorf und hinterließ seine Frau Helene mit den Töchtern Maja (12) und Antonie (7). Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof in Mitterndorf. Taschners Grab ziert ein ausdrucksstarkes Kruzifix, das er selbst geschaffen hatte.

Sein Tod erschütterte seinen Freund Ludwig Thoma zutiefst: „Wer ihn kannte, verehrte ihn; wer ihm näherstand, liebte ihn!“

In Mitterndorf, heute ein Ortsteil von Dachau, erinnert eine Straße an den einst so erfolgreichen Künstler. Und Dachaus erstes Gymnasium ist nach ihm benannt. don/tol

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