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„Das Urteil kam ganz klar zu spät“

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Hereinspaziert: Manuela Häringer (links) und Beate Preitsameter vor dem „Pavillon“. © Simone Wester

Das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, dass es in Bekleidungsgeschäften keine 2G-Beschränkungen mehr geben darf, kommt ein paar Wochen zu spät. Da sind sich die Inhaber von Dachauer Modegeschäften einig. Denn das Weihnachtsgeschäft war miserabel.

Dachau – Bücher und Blumen kauft man ohne Corona-Beschränkungen, aber wer einen Pulli oder eine Hose brauchte, musste bis gestern noch die 2G-Regel beachten. Viele Verbraucher sahen darin keinen Sinn, und einige Geschäftsleute wollten sich das nicht gefallen lassen und zogen vor Gericht. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat am Mittwoch nun entschieden: In Bekleidungsgeschäften darf es keine 2G-Beschränkungen geben.

„Eine gute und richtige Entscheidung“, findet Marcus Vorwohlt, Geschäftsführer des Dachauer Modegeschäfts „Rübsamen“ in der Dachauer Altstadt. Warum „Schuhe, Spielwaren und Bücher täglicher Bedarf sind, aber Bekleidung nicht, war nie schlüssig oder begründbar“, so der Unternehmer.

Allerdings kommt für ihn die Entscheidung nach Weihnachten zu spät. Denn: „Das Weihnachtsgeschäft, der wichtigste Ertragsbaustein für einen Einzelhändler, war miserabel“, klagt Vorwohlt. Die wirtschaftliche Situation vieler Händler sei momentan sehr angespannt. „Die meisten Händler hatten drei Monate in diesem Jahr geschlossen, und dann ist Weihnachten in einem gefühlten Lockdown ausgefallen, das ist schwer zu verkraften“, gibt der Rübsamen-Geschäftsführer zu bedenken.

Auch für Maria Erlacher, seit 32 Jahren Inhaberin von „Flair Fashion“ in der Bahnhofstraße in Dachau, kam „das Urteil zu spät, ganz klar“. Auch wenn ihr ihre vielen Stammkunden die Treue gehalten und Verständnis für die Einlasskontrollen gezeigt hätten, von einem normalen Vorweihnachtsgeschäft könne auch bei ihr keine Rede sein, so Erlacher. Die Stammkunden, mit denen sie ein sehr inniges und persönliches Verhältnis pflegt, seien verhalten gewesen, Laufkundschaft habe es keine gegeben, so die 57-jährige Modeexpertin.

Dafür macht sie aber nicht nur die 2G-Regel verantwortlich, die eigentlich alle Kunden klaglos mitgetragen hätten. Vielmehr sei durch den Wegfall von Weihnachtsmärkten, Skiurlauben und Kulturveranstaltungen einfach den Menschen „der Boden der Freude entzogen worden“. Soll heißen, dass man natürlich kein neues Outfit kauft, wenn man es nirgendwo tragen kann. Dabei hatte sie im November bei sich, ihrem Team und ihren Kunden noch eine „Vorfreude“ auf die anstehende Weihnachtszeit gespürt.

„Wir waren so gut vorbereitet, dass wir keine Panik bekommen mussten“ – Beate Preitsameter und Manuela Häringer, die zusammen das „Pavillon“ nahe des Dachauer Bahnhofs zu einem beliebten Einkaufsziel für Modeliebhaber aufgebaut haben, haben die 2G-Zeit relativ gut überstanden, wenngleich auch bei ihnen das Weihnachtsgeschäft nicht so lief, wie vor der Pandemie. Dank der zahlreichen Stammkunden, die sowohl die Regelungen mitgetragen, als auch fleißig per Call & Collect und über die sozialen Medien bestellt haben, sowie der guten Vorbereitung auf alle Szenarien, sind die beiden bisher ganz gut durchgekommen. Trotzdem fehlte dem „Pavillon“ natürlich wie vielen anderen Geschäften in Dachau die Laufkundschaft, die oftmals keine Lust hatte, Impfnachweise und Personalausweise zu zeigen.

„Wir hätten auch einen Lockdown geschafft“, sind sich Häringer und Preitsamter sicher. Aber über das Urteil freuen sich die beiden natürlich umso mehr. Denn jetzt sei alles wieder „viel entspannter“ – für die Kunden und das Personal.

sim

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