Familie Dimitriou vor Zorbas Schild Dachau
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Familie Dimitriou nimmt schweren Herzens Abschied: Chrissoula mit ihren Kindern Dimitri (8), Pavlos (17), Felitsa (18), Mutter und Großmutter Eleni, Eleni (16), Tochter von Grigorios, Vater und Großvater Dimitri, Wirt Grigorios mit Christos (6), Dimitri (13) und Ehefrau Kiki (v.l.).

Lebenswerk der Familie Dimitriou endet

Aus für Traditionslokal: Beliebter Grieche schließt für immer

  • Nikola Obermeier
    VonNikola Obermeier
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Seit 38 Jahren gibt es den beliebten „Griechen“ Zorbas in Dachau. Jetzt ist Schluss . Das Restaurant schließt in Kürze für immer.

Dachau – Es ist das Lebenswerk der Familie Dimitriou. 38 Jahre lang hat sich die Familie in ihrem Lokal Zorbas um ihre Gäste gekümmert. Am 9. August wird sie das zum letzten Mal tun. Das Lokal schließt für immer. Die Gründe: Personalmangel und Bürokratismus.

Dachau: Zorbas schließt - „Können Arbeit nicht mehr bewältigen“

Bei der Familie Dimitriou im Restaurant Zorbas am Zwingereck in Dachau herrscht traurige Stimmung in diesen Tagen. „Wir haben uns entschlossen, unseren Restaurantbetrieb einzustellen, schweren Herzens“, sagt Gregory Dimitriou. „Wir können die Arbeit nicht mehr bewältigen.“ Die ganze Familie – der Wirt, seine Frau, seine Schwester, seine Eltern, die Kinder – arbeitet im Lokal mit, mit Leidenschaft, aber sie stoßen an ihre Grenzen. „Das Problem, Personal zu finden, begleitet uns seit Jahren“, dazu kommt immer mehr Bürokratie. Grigorios Dimitrious selbst wird sich seiner Aufgabe als Hotelier im Hotel Zorbas und im neuen Hotel „Modi“ in Dachau-Ost widmen.

Überraschend komme der Beschluss nicht, den Restaurantbetrieb einzustellen. Immer wieder hat der 46-Jährige zusammen mit seiner Familie darüber nachgedacht. Die Coronakrise habe nichts damit zu tun. Der Personalmangel sei ein Dauerthema, „seit Jahren“, sowohl im Bereich Küche als auch im Service fehle Fachpersonal. Den Personalmangel „versuchen wir seit Jahren zu kompensieren, sieben Tage die Woche“, erklärt Grigorios Dimitriou. „Wir machen das Maximum, aber wir schaffen das nicht mehr.“ Und bevor etwas passiert, „hören wir auf“.

Zorbas in Dachau macht dicht: „Der Aufwand wird immer mehr“

Die Bürokratie und die Auflagen tun ihr Übriges: „Der Aufwand wird immer mehr“, klagt Grigorios Dimitriou, der Hotelmanagement studiert hat. „Ich verwalte nur, mache Buchhaltung, habe mir Steuerfachwissen angeeignet – aber das ist nicht mein Job. Ich bin Gastronom mit Leib und Seele, möchte mich um meine Gäste kümmern und sie bewirten!“ Genau das wird er tun bis zum Montag, 9. August, dem letzten Tag, an dem das Zorbas seine Gäste mit griechischen Speisen versorgen wird.

Die Eltern von Grigorios, Eleni und Dimitri Dimitrious, sind seit der 60er Jahre in Dachau selbstständig. Seine Mutter hatte in der Altstadt einen Feinkostladen, sein Vater in Karlsfeld ein Café, nebenbei hat er mit seinem Kleinbus Kinder in die Schule gefahren und Getränke und Brote ausgeliefert. „Dann wollten sich meine Eltern verändern und haben nach einem Restaurant gesucht. 1983 eröffneten sie das Zorbas, das vorher eine bayerische Wirtschaft war. Zunächst hatten sie es gepachtet, 1992 kaufte die Familie die Räume, renovierte nach und nach, eröffnete 1993 das Hotel. Die Kinder Grigorios und Chrissoula waren von klein auf immer dabei und mittendrin.

Dachau: Griechisches Restaurant Zorbas - „Aus vielen Gästen sind Freunde geworden“

Grigorios beendete 1996 sein Hotelmanagement-Studium in der Schweiz und übernahm den elterlichen Betrieb. Der Biergarten kam dazu, der Zuspruch und das Lob der Gäste wurden immer größer. „Aus vielen Gästen sind Freunde geworden“, sagt der Gastronom. „Einige haben hier alles gefeiert, ihre Taufe, ihre Kommunion, ihre Firmung, ihre Geburtstage und ihre Hochzeit.“

Nun will Grigorios Dimitriou im Namen seiner Familie seinen Gästen Danke sagen, „für ihre Treue, für ihr Vertrauen, für eine unvergessliche Zeit“. Unvergesslich ist für ihn das Public Viewing im Sommer 2010, als Deutschland gegen Spanien im Halbfinale stand und 420 Gäste einen tollen Abend im Zorbas erlebten. „Alle gingen hier raus und schwärmten.“

Traditionslokal in Dachau schließt: „Auf dem höchsten Niveau hören wir auf“

Jetzt, wo das Lokal seine beste Zeit erlebt, „auf dem höchsten Niveau, hören wir auf“, so der 46-jährige Dachauer. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es die richtige Entscheidung ist.“ Was mit den Räumen passiert, steht noch nicht endgültig fest.

In den nächsten Wochen kommen die Abschiede von den Gästen – eine traurige Zeit. Die Familie Dimitriou verliert ihr Wohnzimmer: den Gastraum, in dem sich ein Großteil des Lebens abspielt. Grigorios Dimitriou „Und ich sterbe jeden Tag einen langsamen Tod.“

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