Die erste Ortsgruppe

Seit 100 Jahren ruft der Berg - DAV-Jubiläum in Dachau

Vor 100 Jahren haben 43 Dachauer die Sektion Dachau im Deutschen Alpenverein (DAV) gegründet. Und eines hat sich seit damals nicht geändert.

Auch anspruchsvolle Touren gehören nach wie vor zum Programm der Dachauer DAV-Mitglieder, hier eine Gruppe beim Hütten-Aufstieg am Monte Rosa in den Walliser Alpen.

VON PETRA SCHAFFLIK

Dachau – Die Begeisterung für die Alpen war es, die vor 100 Jahren 43 Dachauer zusammengeführt hat. Genau am 8. Oktober 1920 trafen sich die begeisterten Berggeher im Bräustüberl der Ziegler-Brauerei und gründeten die Sektion Dachau im Deutschen Alpenverein (DAV), die 1921 die erste Ortsgruppe wurde in der Sektion Oberland. Die Dachauer sind damit die älteste noch bestehende Ortsgruppe in dieser DAV-Sektion. Vieles hat sich seitdem verändert im Alpinismus, doch die heute 700 Mitglieder in der Dachauer DAV-Gruppe bringt noch immer zusammen, was wohl auch die Gründer angetrieben hat, davon ist Vorsitzende Angela Fuhr überzeugt: „Uns verbindet die gemeinsame Bergleidenschaft!“

Schon in den Anfangsjahren waren die Dachauer Bergfreunde sehr engagiert. Die Mitglieder, so ist es in der zum Jubiläum aufgelegten Chronik zu lesen, halfen bei mehreren Arbeitseinsätzen 1923 beim Bau der Falkenhütte im Karwendel. Ein nachhaltiges Engagement, das inzwischen denkmalgeschützte Haus ist nach wie vor ein beliebter Stützpunkt und wurde gerade nach aufwändiger Sanierung wiedereröffnet.

Auch eine Skiabteilung hat die Dachauer Ortsgruppe in ihren Anfangsjahren gleich gegründet, eine Jugendgruppe initiiert und zur musikalischen Unterhaltung der Vereinsabende sogar eine eigene Jugend-Musikkapelle auf die Beine gestellt. Als das Vereinsleben nach dem Krieg wieder auflebte, machten sich junge Bergsteiger aus der Dachauer Ortsgruppe, die sogenannte „Jungmannschaft“ auf zu spektakulären Touren mit teils schwierigen Kletterpassagen und mit Routen, die sie als eine der ersten überhaupt begangen haben.

Erfahrene Alpinisten wissen einzuschätzen, wenn Anja Fuhr etwa im Rofan die Sagzahn-Ost-Verschneidung und die Klobenjoch-Süd-Verschneidung jeweils als Zweitbegehung nennt. Das Matterhorn wurde bestiegen, einige fuhren mit dem Radl nach Korsika für schwierige Klettertouren.

In den Bergen unterwegs sind die Mitglieder der Dachauer Ortsgruppe nach wie vor. Nur das Vereinsleben hat sich über die Zeit verändert, erzählt Vorsitzende Angela Fuhr. Früher beliebte Veranstaltungen wie Faschingsball oder Hoagarten fanden nicht mehr genügend Interesse, für eine Bergtour anmelden können sich die Mitglieder statt am Vereinsabend auch per E-Mail. Doch die Gemeinschaft behält ihren Stellenwert. „Jetzt findet das Vereinsleben auf den gemeinsamen Touren statt.“ Männer und Frauen mit unterschiedlichen Berufen und einer breiten Altersstruktur fänden sich zum Bergsteigen zusammen in einer netten Gemeinschaft. „In der Natur sein, draußen eine schöne Tour machen, das verbindet.“

Die Basis schafft der Verein: Wanderungen, Klettersteige, Berg- und Hochtouren, im Winter Schneeschuh- und Skitouren – alle stets geleitet von erfahrenen und fachlich qualifizierten Tourenleitern. Ein Angebot, das geschätzt wird. Weil es bei anspruchsvolleren Routen beruhigend ist, einen Guide dabei zu haben, der sich auskennt. Gerade auch im Winter, wenn es auch die Lawinengefahr im Auge zu behalten gilt. Aber auch, „weil es in der Gemeinschaft einfach viel netter ist“, wie Vorsitzende Angela Fuhr betont.

Damit sich auch in Zukunft weiter Menschen für die Berge begeistern, gibt es schon seit 2011 eine Familiengruppe. Ziel ist, „Freude am Bergsteigen kindgerecht zu vermitteln.“ Eine Jugendgruppe möchte der Verein gerne wieder initiieren, ein Jugendleiter wird dafür gesucht.

Gemeinschaft in den Bergen: Was den Verein prägt, sollte auch den 100. Geburtstag ausmachen. Ein dreitägiger Aufenthalt in den Kitzbühler Alpen war geplant, die Oberland-Hütte für die Dachauer Ortsgruppe reserviert, Wanderungen und ein großes Fest sollte es geben, doch dieses Event musste wegen Corona ausfallen. Aber die offizielle Jubiläums-Feier am kommenden Samstag, 10. Oktober, mit geladenen Gästen im Thomahaus findet statt, wenn auch mit reduziertem Programm. Das Fest zu verschieben, stand nicht zur Debatte, sagt Vorsitzende Angela Fuhr. „Wir werden jetzt 100 Jahre!“

Rubriklistenbild: © Petra Schafflik

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