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Ein junger Mann aus Dachau hat sich zuletzt vor Gericht verantworten müssen. Grund: Er dealte mit Drogen und nahm einen Hund als „Geisel“.

Jugendschöffengericht München verhandelt „tierisches Delikt“

Dachauer Dealer nimmt Hund als „Geisel“

Das Jugendschöffengericht München hat einen Elektriker aus Dachau wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren zur Bewährung verurteilt. Der 24-Jährige hatte zudem einen Hund als „Geisel“ genommen, um Schulden aus Drogengeschäften einzutreiben.

Dachau – Die Taten des Dachauers liegen zum Teil bereits fünf Jahre zurück. So verkaufte er, wie die Ermittler herausfanden, 2015 und 2016 in Dachau und München mehrfach Marihuana auf Kommission an einen Schulfreund bzw. einen Bekannten, die das Rauschgift dann weiter veräußerten. Mal waren es 200 Gramm, mal sogar zwei Kilogramm an „Kommissionsware“. Bei den Weiterverkäufen, die der Schulfreund tätigte, leistete der Angeklagte jeweils Hilfe, indem er den Schulfreund und das Marihuana mit seinem Auto zu den Treffen mit dem Dritten in Karlsfeld fuhr.

Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt zwischen Oktober 2016 und August 2017 traf der Angeklagte dann in Begleitung seines Schulfreundes auf die ehemalige Freundin eines Kunden und nahm ihr deren Hund weg, den sie bei sich führte. Dann sagte der 24-Jährige, sie bekomme das Tier erst wieder, wenn ihr Ex-Freund seine Schulden bei ihm aus einem Drogengeschäft in Höhe von rund 10 000 Euro begleiche. In zwei Tagen, so der Angeklagte, wolle er das Geld haben. Ansonsten würde er den Hund nicht mehr zurückgeben.

Die Frau lieh sich daraufhin etwa 3400 Euro von Freunden und übergab den Betrag zwei Tage später auf einem Waldparkplatz an den Angeklagten, von dem sie daraufhin ihren Hund zurückbekam.

Die Hunde-Erpressung war im Rahmen eines Prozesses gegen den Ex-Freund ans Tageslicht gekommen, nachdem dieser ausgepackt und seine Hintermänner benannt hatte.

Die Vorsitzende Richterin verurteilte nun den 24-jährigen, geständigen und nicht vorbestraften Dachauer, der bei der Begehung der Taten noch nicht 21 Jahre alt war nach Jugendstrafrecht und sprach zwei Jahre Haft auf Bewährung aus, nicht zuletzt deswegen, weil der Angeklagte mittlerweile eine Arbeit hat. Dennoch meinte die Amtsrichterin: „Bei dem Angeklagten ist aufgrund der Vielzahl und der Nachhaltigkeit der Taten sowohl zu den Tatzeitpunkten wie auch zum Zeitpunkt der Hauptverhandlung von schädlichen Neigungen auszugehen. Der Angeklagte hat immer wieder größere Mengen an Betäubungsmitteln in Umlauf gebracht. Der Angeklagte setzte sich somit nachhaltig immer wieder über die Rechtsordnung hinweg, nur um dem eigenen Gewinnstreben nachkommen zu können. Diese charakterlichen Mängel begründen die Gefahr der Begehung weiterer Straftaten aus demselben Deliktsbereich, der nur durch eine längere Gesamterziehung begegnet werden kann.“

Neben der Freiheitsstrafe wurde der Dachauer noch dazu verdonnert, 23 300 Euro als Wertersatz für die verkauften Drogen zu leisten sowie für das Geld aus der Hunde-Erpressung. dn

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