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Herzstück in Dachau: das MD-Gelände.

Der Dachauer CSU-Stadtrat Tobias Stephan ruft zu mehr Kooperation auf

Den „geistigen Jägerzaun“ abbauen

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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CSU-Stadtrat Tobias Stephan wünscht sich mehr Kooperation im Gremium. Von einigen Kollegen verstehe er „die Haltung nicht“.

Dachau – Als CSU-Ortsvorsitzender habe er sich in den vergangenen Jahren gefühlt „wie ein König ohne Reich“, gibt Tobias Stephan zu. Denn wo „die Musik spielt“ in der Stadt ist klar: im Stadtrat. Deshalb sei er nun umso stolzer, diesem Gremium seit 14 Monaten anzugehören.

Allerdings habe sich bei ihm zuletzt etwas Ernüchterung breit gemacht: „Die Stimmung und die Art, wie man miteinander umgeht“, habe er sich anders und vor allem kooperativer vorgestellt. „Ich verstehe die Haltung nicht“, betont Stephan. „90 von 100 Kommunen würden mit uns tauschen!“ Doch anstatt die Chancen zu sehen, die ein Dasein im Speckgürtel von München mit sich bringt, werde immer „alles nur zerredet“.

Jüngstes Beispiel: das MD-Gelände und die dort geplante Surfwelle. Das Bündnis für Dachau hatte den Investor Isaria kritisiert, weil auf dessen Internetseite www.md-gelaende.de ein Zukunftsbild gemalt wird, das aus viel Grün, ausschließlich glücklichen Menschen und jeder Menge Freizeitangeboten besteht. „Ja klar“, sagt Stephan, „das ist halt Marketing.“ Doch anstatt nun „gartenzwergenhaft“ über die noch unklare Finanzierung der Surfwelle zu lästern, solle man doch einfach mal die Chancen sehen: „Die berühmte Eisbachwelle am Haus der Kunst wird auch von der Stadt München bezahlt. Aber dafür kommen die Menschen von überall her, für die Welle ist München weltbekannt!“

Stephan betont daher, dass das MD-Gelände nicht zur „ideologischen Spielwiese“ verkommen sollte. Neben der Umgestaltung des Bahnhofsgeländes sei das künftige Mühlbachviertel – wie es der Investor bereits getauft hat – „das wichtigste Entwicklungsareal der Stadt“. Umso wichtiger sei es doch, das Ding „gemeinsam zu wuppen“ und das „Quartier zukunftsfähig zu gestalten“.

Was den CSU-Mann dabei besonders stört: „der geistige Jägerzaun“, wenn es um das Thema Zuzug geht. Klar, der Landkreis boomt, aber vielleicht sollte man sich auch mal denken: „Junge Familien wollen scheinbar gern im Landkreis Dachau leben. Das ist doch toll!“ Insofern halte er es auch wenig sinnvoll, jeden „Autofahrer aus dem Hinterland“ oder jeden Bauträger grundsätzlich als „das Böse“ zu brandmarken.

Dass gerade die CSU in der vergangenen Legislaturperiode selbst nicht unbedingt immer kooperativ war, will Stephan heute nicht mehr thematisieren. Für ihn sei es nur wichtig, dass man im Stadtrat nun „alle Seiten im Blick behält“. Beim Thema Bauen sei es wie beim Verkehr, der zweiten wichtigen Herausforderung der aktuellen Stadtpolitik: „Es gibt so viele verschiedene Lebensentwürfe.“ So wie es auf der Straße eben nicht nur Radfahrer gebe, gebe es beim Thema Wohnen eben nicht nur Mieter. „Natürlich sind Mieter eine wichtige Gruppe, in Deutschland wird viel gemietet. Aber wenn jemand Eigentum schaffen will, dann muss das auch möglich sein.“

Sein Ortsverband habe daher die vergangenen, etwas ruhigeren Monate genutzt, um sich „mit inhaltlichen Dingen zu beschäftigen“. Denn jeder seiner Parteifreunde habe es „in seinem Umfeld mitbekommen, dass das Thema Wohnen ein Brennendes ist“. Das Ergebnis: „Sieben Thesen der Dachauer CSU zum Bauen und Wohnen“ (siehe Kasten). Der Ortsverband vereine bei diesem Themenkomplex „viel Sachverstand“, in den Reihen der Dachauer CSU fänden sich Handwerker, Architekten, Bauunternehmer sowie ein Ministerialrat im Bauministerium.

Die sieben Thesen der CSU

- Wir stehen zum privat genutzten Wohneigentum

- Wir wollen den Erwerb von privat genutztem Wohneigentum stärken

- Wir wollen Bodenspekulation verhindern

- Wir wollen Zersiedelung und Flächenfraß verhindern

- Wir wollen Einheimischen-Modelle breiter anlegen

- Wir wollen den Werkswohnungsbau wiederbeleben

- Wir wollen weniger Bürokratie beim Bauen

Stephan und Co. hoffen nun, dass sich angesichts der Dringlichkeit des Themas auch eine gewisse überparteiliche Zusammenarbeit einstellen könnte. Klar, Punkt 7 der Thesenliste dürfte strittig werden: Die von einer Mehrheit aus SPD, Grünen und Bündnis gewünschte Baumschutzverordnung lehnt die CSU laut Stephan unter allen Umständen ab; diese sei „kontraproduktiv“ und bedeute eine „Überregulierung“. Und auch künftig solle jeder, der will und kann, ein Einfamilienhaus besitzen dürfen.

Stephan rät seinen Kollegen – und zwar aller Parteien! – ohnehin zu mehr Vertrauen in die Bürger: „Es hat doch eh schon ein Umdenken stattgefunden.“ Dass eine Stadt Grün braucht, „müssen wir wirklich niemandem mehr erklären“.

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