Baum und Frau
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Ein Traum von einem Baum, Teil 1: Hedi Metz in ihrem Garten in Pellheim.

Bürger bezeichnen neue Baumschutzverordnung als „erschreckend naiv“ und „hirnrissig“

„Der Baum muss weg. Leider.“

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Per Satzung will die Stadt Dachau künftig Bäume schützen. Doch lässt sich dieses grundsätzlich ehrenwerte Ziel wirklich per Verordnung durchsetzen? Nein, sagen manche Bürger. Diese Art von bürokratisiertem Umweltschutz sei vielmehr „erschreckend naiv“, „hirnrissig“ und bewirke das Gegenteil.

Dachau – Eigentlich, sagt Georg Metz aus Pellheim, habe er „keine aktuellen Pläne, anstelle dieses Baums einen Betonbunker zu platzieren“. Überhaupt sei er ja davon ausgegangen, dass der wunderschöne Baum in seinem wunderschönen Garten, den er mit seiner Frau vor Jahrzehnten gepflanzt hatte, ihn „um Jahrzehnte überdauern“ werde. Zuletzt sei er aber ins Nachdenken gekommen, „die Baumschutzverordnung, Sie wissen schon...“

Auch Manfred P. (Name geändert) las von den Plänen des Stadtrats, künftig per Satzung das Fällen von schützenswerten Bäumen zu verbieten. Seine Reaktion ist eindeutig: „So eine Satzung ist total hirnrissig. Aber ich gehe kein Risiko ein, der Baum muss weg. Leider.“

Welche Bäume in die Kategorie schützenswert fallen, muss die Verwaltung zwar erst noch ausarbeiten. Das Bündnis für Dachau, die Grünen sowie die SPD, die die Satzung zuletzt im Umwelt- und Verkehrsausschuss mit knapper Mehrheit durchgesetzt hatten (wir berichteten), sind jedoch überzeugt, dass die Verordnung dazu beitragen könne, das Grün der Stadt zu erhalten und „Baulöwen“ daran zu hindern, einst wunderschön bepflanzte Anwesen bis an die Grundstücksgrenze zuzubetonieren. Für Bauträger seien Bäume nämlich nur ein Hindernis, das dem schnöden Mammon zuliebe eben geopfert werde.

Ein Traum von einem Baum, Teil 2: Manfred P.’s Garten in Dachau ziert ebenfalls ein beeindruckendes Gewächs.

Der Dachauer P. jedoch weiß aus beruflicher Erfahrung, dass die Satzung genau das Gegenteil bewirkt: In München etwa, wo es bereits eine derartige Satzung gebe, würden „Baulöwen“ Bäume, die ihren Plänen im Weg stehen, auch weiterhin fällen: „Das Bußgeld ist denen doch egal, das wird einfach eingepreist.“ Der Glauben der „Dunkelgrünen“ im Stadtrat, mithilfe einer Satzung Investoren in ihren Plänen zu bremsen, sei laut P. daher „erschreckend naiv“. Der Einzige, den die Verordnung treffe, sei „der kleine Mann, der Otto-Normal-Bürger“ – so wie er oder Georg Metz aus Pellheim.

Manfred P. hat daher beschlossen, die „fabelhafte“ Kastanie, die seit 30 Jahren auf seinem Grundstück in Dachau steht, gefällt wird. Er habe Kinder, und er wolle ihnen nicht eines Tages ein Grundstück mit einer derartigen „Belastung“ vermachen. „Mir bleibt nix anderes übrig“, sagt er seufzend. Aber im Grunde sei eine Baumschutzverordnung nichts anderes als eine Entwertung seines Besitzes.

Georg Metz und Manfred P. sind überzeugt, dass mit ihnen „hunderte andere Baumbesitzer in Dachau ähnliche Überlegungen“ anstellen wie sie. Wenn es künftig keine Möglichkeit gibt, für gefällte Bäume Ersatzpflanzungen vornehmen zu dürfen und „nur ein teures Gutachten“, das attestiert, dass ein Baum krank ist, die einzige Chance darstellt, in seinem Garten Veränderungen vornehmen zu können, dann, so P., werde er sich wehren, indem er bereits vor Erlass der Satzung Fakten schafft.

Die Gefahr, dass Besitzer schützenswerter Bäume im Vorfeld des Erlasses der Verordnung mit der Kreissäge durch ihre Anwesen gehen, hatte auch die Verwaltung gesehen. CSU-Stadträte wie August Haas und Norbert Winter oder ÜB-Vertreter Dr. Peter Gampenrieder warnten ebenfalls, keine „Neiddebatte“ nach dem Motto „Böser Baulöwe gegen beeindruckenden Baum“ anzuzetteln. Ohnehin dürfe man Bautätigkeit, so der Pellheimer Metz, nicht pauschal verteufeln. Der Großraum München brauche dringend bezahlbaren Wohnraum, ausdrücklich alle Stadtratsfraktionen würden regelmäßig darauf hinweisen. Da dürfte dann die Fällung „auch von sehr schönen Bäumen manchmal unumgänglich werden“.

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