Die Videoinstallation mit den vier Bildschirmen ist die Besonderheit der Ausstellung von Paul Havermann (rechts). Der bekannte Dachauer Künstler hat sie gemeinsam mit Karl-Heinz Wenisch (auf der Leiter) realisiert.
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Die Videoinstallation mit den vier Bildschirmen ist die Besonderheit der Ausstellung von Paul Havermann (rechts). Der bekannte Dachauer Künstler hat sie gemeinsam mit Karl-Heinz Wenisch (auf der Leiter) realisiert.

Paul Havermann stellt in der KVD-Galerie in der Dachauer Altstadt aus

Der Garten ist seine Inspiration

  • Miriam Kohr
    VonMiriam Kohr
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Dachau – Zum Glück hat Paul Havermann seinen Garten. Denn in seiner grünen Oase findet der Dachauer stets Inspiration für seine Kunst – auch im Lockdown. Bilder, die in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind, zeigt er vom heutigen Donnerstag an in der KVD-Galerie. Die Ausstellung trägt den Titel „Herbstflimmern“.

Die Assoziation zum Kammer- oder Herzflimmern ist Absicht. Das Ende naht, könnte man sagen. Der Herbst leitet das Ende des Jahres ein, die Natur zieht sich langsam zurück. Was zunächst düster anmutet, ist aber in Wirklichkeit eine farbenfrohe und leuchtende Ausstellung – so bunt wie Havermanns Garten eben.

Wie seine Bilder mitunter entstehen, zeigt eine Videoinstallation mit vier hochformatigen Bildschirmen, die der Künstler gemeinsam mit Karl-Heinz Wenisch verwirklicht hat. Das Video zeigt Fotos von Havermanns Garten, in die immer weiter hineingezoomt wird, bis nur noch Farben und verschwommene Formen erkennbar sind. Diese Fotos gehen dann mithilfe von Überblendtechnik in die Gemälde über – eine ständige Bewegung. Die Musik zum Video hat Havermann selbst komponiert – auf einem Klavier im Atelier und mit Florian Malecki eingespielt.

So werden aus realen Farbkombinationen Gemälde mit harmonisierenden Farben. Sie erinnern an einen Baum mit Herbstlaub, wo das Blau des Himmels durchscheint, oder an eine Hecke mit roten und rosafarbenen Rosen, auf denen das Sonnenlicht tanzt.

Einige seiner Werke zeigen auch konkrete Motive. „Letzte Ernte“ beispielsweise – der Früchte tragende Apfelbaum aus dem Nachbargarten. „Der Baum existiert nun nicht mehr, er wurde für eine Bebauung gefällt“, erzählt Havermann. Die Baumstämme, im Schnee liegend, hielt der Künstler in einem anderen Gemälde fest. „Doch das ist eigentlich nicht wichtig, der Betrachter muss das nicht wissen. Es hat für mich eine Geschichte, aber ein anderer kann darin einfach nur einen Apfelbaum sehen“, sagt er.

Sein größtes Werk „12. August 2020 im Corona-Sommer“ zeigt einen langen weißen Tisch mit vielen Stühlen im Garten zwischen viel Grün und unter Bäumen sowie eine Person im Schatten. „Dieser Moment war nach einer kleinen Familien-Feier im letzten Jahr. Wir waren so froh um die kleine Unterbrechung im Corona-Jahr“, sagt Havermann. Die Figur sei erst später dazu gekommen, der Tisch stünde im Bild einmal anders, und in der unteren linken Ecke war mal ein Hund.

„Ich habe zwar eine Vorstellung, eine Skizze, aber das Bild entsteht erst im Malprozess. Ich arbeite mit vielen Farbschichten“, erklärt er seine Arbeitsweise. Um zu wissen, wann ein Bild wirklich fertig ist und keine weitere Schicht benötigt wird, nimmt er es vom Atelier mit nach Hause und hängt es an eine ganz bestimmte Wand. Havermann: „Wenn es mir dann am nächsten Morgen das Gefühl gibt, fertig zu sein, also mit mir spricht, ist es gut.“

Die Ausstellung

„Herbstflimmern“ von Paul Havermann in der KVD-Galerie, Pfarrstraße 13, eröffnet am heutigen Donnerstag um 19.30 Uhr mit einer Vernissage. Danach ist sie bis 3. Oktober immer Donnerstag bis Samstag von 16 bis 19 Uhr sowie sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. An der Langen Nacht, 17. September, ist die Galerie bis 24 Uhr geöffnet.

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