Er war immer da, wenn man ihn brauchte: Albert Wenning. Er starb im Alter von 69 Jahren.
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Er war immer da, wenn man ihn brauchte: Albert Wenning. Er starb im Alter von 69 Jahren.

Weggefährten erinnern sich an ihre Begegnungen mit dem Dachauer Diakon und Seelsorger

Der Landkreis trauert um Albert Wenning

Dachau – Der Tod von Albert Wenning hat große Trauer ausgelöst. Einige seiner Wegbegleiter schildern, was Albert Wenning für sie bedeutet hat.

Der langjährige Seelsorger, der Diakon, Notfall- und Feuerwehrseelsorger starb am vergangenen Dienstag im Alter von nur 69 Jahren. Hier erinnern sich einige langjährige Weggefährten an ihre Begegnungen mit Albert Wenning:

Pfarrer Josef Mayer

Pfarrer Josef Mayer, Geistlicher Direktor, Haus Petersberg:

„Es geht heute – so würde es Diakon Albert Wenning sagen, wenn er, wie jedes Jahr im Mai beim Feuerwehr-Gottesdienst hier am Petersberg predigen würde – nicht um mich. Es geht um den anderen, den Christus in unseren Menschengeschwistern, die sich von diesem Herrn und in den unterschiedlichsten menschlichen Geschichten von einem Seelsorger wie Albert Wenning tragen ließen. Ganz viele, besonders auch Menschen in den größten Nöten haben es erfahren, wie dieser Christus durch den Seelsorger mit Leib und Seele sie getragen hat. Denn Albert Wenning hat diesem christlichen Gott, den GANZ ANDEREN zu allen Menschen mit einer tiefen inneren Freude getragen: zu den Einsatzkräften der Feuerwehr, des BRK, der Malteser, der Johanniter, des THW, aber auch der Polizei. Er hat es verstanden, die biblische Botschaft durch seine Person und durch seine Authentizität erlebbar zu machen. Er hat sich eingebracht wie eine lodernde Fackel. Er hat gebrannt und ist schließlich – nunmehr – im Geheimnis des Lebens aufgegangen. Er hat sich für andere verzehrt und so wurde ihm durch diesen, seinen fast übermenschlichen Einsatz auch der Himmel geöffnet.“

Rudolf Reimoser

Rudolf Reimoser, Ehrenkreisbrandrat:

„Wir sind ungefähr derselbe Jahrgang und haben gleichzeitig unsere aktive Feuerwehrlaufbahn in Dachau begonnen und viele Jahre auch auf Kreisebene zusammengearbeitet. Ich kann an das Unglück in einer Sandgrube in Pellheim im Jahr 2010 erinnern, bei dem drei Jungen verschüttet worden sind und einer von ihnen später starb. Albert hat nach dem Einsatz die Feuerwehrkameraden beim Liegsalz zusammengerufen und ihnen geholfen, den Einsatz zu verarbeiten. Er hat mit ihnen gesprochen und dabei eine große Ruhe ausgestrahlt. Albert war ein ruhiger und besonnener Mensch, man konnte mit allen Problemen zu ihm kommen. Er hat auch die Trauung von meinem Sohn Maximilian vorgenommen. Sein Tod hat mir im Herzen wehgetan.“

Dr. med. Björn Johnson

Dr. med. Björn Johnson, Leitender Notarzt Dachau:

„Wie geht‘s denn eigentlich DIR? So stand Albert Wenning oft vor einem auf dem Flur. Die Frage nach dem eigenen Wohlbefinden bekommt man als Arzt in der Regel nicht so dezidiert gestellt. Das entgegengebrachte Interesse tat wohl.

Über die Jahre entwickelte sich eine große Vertrauensbasis. Auf dieser Grundlage konnte im Einsatzgeschehen bei schwerwiegenden Notfällen klinikintern aber insbesondere auch klinikextern rasch Notfallseelsorge in die medizinischen Abläufe integriert werden. Albert besaß sogar eine eigene Funkschleife, wenn man ihn über die Leitstelle tags wie nachts zu Einsätzen hinzuziehen musste.

Er war da, wenn man ihn brauchte. Er blieb, wenn die Medizin getan war. Er konnte mit Betroffenen die Situationen aushalten, wenn es keine Worte mehr gab. In scheinbar ausweglosen Situationen half er, einen gangbaren Weg zu finden. Es war einfach ein gutes Gefühl, ihn vor Ort zu wissen, wenn für einen als Notarzt der Einsatz beendet war.

Ein Einsatz mit ihm ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Als wir gemeinsam nach einem schweren Verkehrsunfall mit Augenzeugen sprachen, die nach erster Hilfeleistung sichtlich schockiert waren und verzweifelt am Straßenrand standen, sagte er zu ihnen: ,Sie haben heute Enormes geleistet. Sie dürfen sich jetzt belohnen für das, was sie getan haben.‘ Initial war ich verwundert über seine Empfehlung, doch er hatte ja Recht. Dieser Blickwechsel auf das Ereignis half den Betroffenen, das Geschehene zu verarbeiten und wieder Mut zu fassen.

Dieses Aushaltenkönnen, mit Glaube, Würde und Menschlichkeit, das zeichnete Albert aus. Diese Erfahrung durch ihn wird uns auch sicher beim nächsten Einsatz wieder begleiten.“

Benjamin Gnan

Benjamin Gnan, Dachaus Stadtpfarrer:

„Albert Wenning war unglaublich demütig und bescheiden, es war herzerfreuend, wie er für Andere da war. Auf ihn war immer Verlass als Seelsorger, ich habe sehr gerne mit ihm gearbeitet, hätte ihn gerne noch viele Jahre an meiner Seite gehabt. Es ist ein ganz großer Verlust, ich bin sehr traurig.“

Georg Leitenstorfer

Georg Leitenstorfer, ehemaliger Ortsbeauftragter des THW Dachau:

„Ich kenne Albert Wenning schon seit der Kindheit, wie haben zusammen ministriert. Ich war Ministrant in Mariä Himmelfahrt, und mein Onkel war Mesner in St. Jakob. Ab und zu habe ich in St. Jakob ausgeholfen, und dort war Albert Ministrant. Albert hat meinen Sohn verheiratet und meine beiden Enkelkinder Max und Magdalena getauft. So ist eine innige Verbindung entstanden. Er hat uns, den THW-Einsatzkräften, in vielen Gesprächen beigestanden nach schwierigen Einsätzen, beispielsweise der Autounfall auf der B 471, bei dem ein dreijähriges Kind im Gröbenbach schließlich tot gefunden wurde. Albert war ein ruhiger, sympathischer, umgänglicher Mensch, der auch einen Spaß verstanden hat. Wenn er Fahrzeuge bei uns geweiht hat, hat er seinen Pinsel immer extra noch mal eingetaucht, mir eine Dusche verpasst und gesagt: John, du kannst es schon brauchen!“

Frederic William

Frederic William, Arzt im MVZ Dachau und aktiver Feuerwehrmann, hatte von Albert Wenning vor einigen Jahren die psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) der Einsatzhelfer im Kreisfeuerwehrverband übernommen:

„So einem Menschen wie Albert bin ich noch nie begegnet. Das wichtigste war: Albert war immer da. Egal für wen, wann und warum.“

Bernhard Seidenath

Bernhard Seidenath, Landtagsabgeordneter und BRK-Kreisvorsitzender:

„Er war der Motor der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) im Landkreis Dachau – sowohl für die Einsatzkräfte als auch für die Betroffenen. Er hat das Kriseninterventions-Team (KIT) im Landkreis gegründet und war dessen Motor. Er war deshalb ein „Seelsorger“ im wahrsten Sinn des Wortes: für die Einsatzkräfte des Roten Kreuzes, der Feuerwehren oder des THW, aber auch für alle Menschen, die gerade Schreckliches erlebt hatten. Er war da, zu jeder Tages- und Nachtstunde, wenn Menschen von Schicksalsschlägen heimgesucht wurden und ihn gebraucht haben. Es war Albert Wennings Berufung, Trost zu spenden.“

PD. Dr. Michael A. Weber

PD. Dr. Michael A. Weber, früherer Ärztlicher Direktor des Klinikums Dachau:

„Sein Tod kam für uns überraschend und hat uns um so mehr betroffen gemacht. Viele Jahre haben wir am Klinikum eng zusammengearbeitet. In schwierigen, aussichtslosen und verzweifelten Fällen hat er nicht nur Patienten und Angehörige getröstet, sondern auch uns, den Pflegekräften und Ärzten beigestanden, die in diesen Situationen auch betroffen und sprachlos waren. Er war im wahrsten Sinne des Wortes ein begnadeter Seelsorger. So wie man ihn sich wünscht, bescheiden, einfühlsam, empathisch. Oft habe ich mich gefragt, woher er all die Kraft dazu nimmt. Über die Jahre ist daraus eine Freundschaft geworden. Erst in 2019 hat er unsere Tochter in einer sehr einfühlsamen, persönlichen Feier getraut. Alle Gäste waren begeistert von dem tollen Pfarrer. Danach haben wir noch länger zusammen gestanden und über Gott und die Welt geredet.“

Thomas Rauscher

Thomas Rauscher, Leiter der Polizeiinspektion Dachau:

„Er war jahrzehntelang ein Wegbegleiter für uns, vor allem bei der Angehörigenverständigung nach tödlichen Unfällen. Albert Wenning war einer von uns, nicht nur weil er ein superkompetenter Unterstützer für unsere Arbeit war, sondern auch aufgrund seiner menschlichen und herzlichen Art. Wir sind voller Dank, Anerkennung und Respekt, denn die Aufgabe, die er ausgefüllt hat, war nicht leicht. Er war ein Glücksfall für unseren Landkreis, er hat hier Spuren hinterlassen.“

Wolfgang Borm

Wolfgang Borm, ehemaliger Pfarrer von St. Jakob:

„Albert Wenning was als Seelsorger immer präsent, er hatte die Gabe, den Menschen zu sehen und ihn wahrzunehmen. Er konnte vielen Menschen nahe sein und Freund. In vielen Familien war er generationenübergreifend Hausseelsorger und stand bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen wie selbstverständlich an ihrer Seite.“

Kreisbrandinspektion und Kreisfeuerwehrverband:

„Lange Zeit war Albert Wenning die gute Seele der Landkreisfeuerwehren. Albert trat im Alter von 20 Jahren am 1. Juni 1971 als Aktiver der Dachauer Feuerwehr bei und leistete hier Jahrzehnte aktiven Feuerwehrdienst. Mit Gründung des Kreisfeuerwehrverbandes Dachau im Jahr 1995 übernahm er die Seelsorge für Kameraden sowie an Unglücken beteiligte Zivilpersonen. Bei unzähligen Schadensereignissen auf Kreis- und Bezirksebene leistete Diakon Albert Wenning zu jeder Tages- und Nachtzeit unschätzbare Hilfe und spendete Opfern, Angehörigen und Einsatzkräften Trost und Zuversicht. Durch seine unaufdringliche und freundliche Art war er stets ein gefragter Gesprächspartner – in schwierigen wie auch den schönen Momenten des Lebens. So war er in Feuerwehrkreisen – aber auch bei allen anderen Hilfsorganisationen im Landkreis – ein beliebter Geistlicher für Taufen, Hochzeitsfeiern, Gottesdienste und Fahrzeugsegnungen.“

Bernhard Hirsch/
Nikola Obermeier

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