Wirkte 23 Jahre in der Versöhnungskirche: Klaus Schultz.  kn

Diakon Klaus Schultz geht nach 23 Jahren bei der Versöhnungskirche Dachau in den Ruhestand

Er hat die Erinnerungsarbeit maßgeblich geprägt

Er hat die Erinnerungsarbeit der der Versöhnungskirche Dachau maßgeblich geprägt. nach 23 Jahren geht Diakon Klaus Schultz in den Ruhestand

VON PETRA SCHAFFLIK

Dachau – An die 50, 60 Termine standen für die vergangenen Wochen im Kalender. Bei Veranstaltungen und Treffen hätte sich Klaus Schultz nach 23 Jahren als Diakon an der Versöhnungskirche überall gerne persönlich in den Ruhestand verabschiedet. Eben weil Schultz, der die Erinnerungsarbeit an der KZ-Gedenkstätte in all den Jahren maßgeblich mitgeprägt hat, der persönliche Austausch immer wichtig war, bedauert er, dass alles nun abgesagt werden musste. „Aber Abschied hat immer mit Begegnung zu tun, und das ist mit Abstand nicht möglich.“

Als gebürtiger Münchner habe er Dachau als Stadt im Umland gekannt und mit Ludwig Thoma verbunden, erinnert sich Schultz. Einen Besuch in der Gedenkstätte organisierte er als Jugenddiakon erstmals in den 1980er- Jahren und sei dann als Jugendreferent für das Prodekanat München-Nord mit der Idee des Jugendbegegnungszeltlagers, dem Vorläufer der Internationalen Jugendbegegnung in Berührung gekommen. Eine schwierige Zeit, erinnert sich Schulz, „das war ein hochaufgeladenes Thema“. Doch sein Wechsel an die Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte fiel dann 1997 in eine Zeit, in der sich ein Wandel abzeichnete. „Aber man musste sich noch dafür rechtfertigen, dass man hier arbeitet.“ Die Familie zog nach Dachau, „eine gute Entscheidung, wir fühlen uns immer noch sehr wohl“. In dieser Zeit verminderten sich auch merklich die zuvor massiven Spannungen zwischen Stadtgesellschaft und Gedenkstätte. Inzwischen sei das Verhältnis der Stadt zur Zeitgeschichte geprägt von großem Respekt und Selbstverständlichkeit. Auch deshalb blieb Schultz länger als ursprünglich geplant an seiner Wirkungsstätte in der KZ-Gedenkstätte.

Dort gehörten neben Gottesdiensten und Gedenkfeiern an der Versöhnungskirche zu seinen Arbeitsschwerpunkten auch Führungen über das Gelände der KZ-Gedenkstätte. An die 1400 Gruppen hat er so über die Jahre bei Rundgängen begleitet. „30 000 Menschen, eine mittlere Stadt.“ Und nach vielen Begegnungen mit Überlebenden konnte er dabei auch mehr und mehr von individuellen Schicksalen berichten. Gerade diese persönlichen Lebensgeschichten gehörten wesentlich zur Erinnerungsarbeit. „Denn um die Menschen geht es, die hierher verschleppt wurden.“ Und immer auch darum, eine Verbindung herzustellen von der Vergangenheit ins Jetzt. Eine intensive Auseinandersetzung, die Schulz als Herausforderung erlebt hat, die professionelle Distanz nötig macht. Dabei ist die Gedenkstätte nach wie vor zwar ein Arbeitsplatz, aber immer auch ein „besonderer, verunsichernder Ort“.

Abschied hat immer mit Begegnung zu tun, und das ist mit Abstand nicht möglich.

Auch außerhalb von Versöhnungskirche und Gedenkstätte engagierte sich Schulz für die Erinnerungsarbeit. Auf seine Initiative gehen die Stolpersteine in Dachau zurück, die an deren ehemaligem Wohnort an Opfer der NS-Zeit erinnern. Neben Gedenkveranstaltungen „ist es wichtig, dass das Erinnern im Alltag der Stadt sichtbar wird“. Auf seine Initiative hin entstand auch das „Gedächtnisbuch für Häftlinge des KZ Dachau“, 250 Biografien sind bisher entstanden mit dem Ziel, „den Menschen wieder einen Namen zu geben.“

Von Beginn an ist Schultz auch Mitglied im Verein „Nie wieder“, der sich in der Versöhnungskirche gründete und für die Erinnerungsarbeit im deutschen Fußball einsetzt. Auch betreut er Fußballmannschaften, die zu speziellen Themenrundgängen in die Gedenkstätte kommen.

Die Begegnung mit den Menschen wird Schultz als Leitmotiv auch in den Ruhestand begleiten. So bleibt er Mitglied im Präsidium der Lagergemeinschaft und er engagiert sich als Notfallseelsorger im Kriseninterventionsteam.

Gerade weil er der Erinnerungsarbeit verbunden bleibt, hofft Klaus Schultz, dass das geplante Investitionsprogramm des Freistaats für Gedenkstätten nicht angesichts der finanziellen Belastungen wegen Corona in Frage gestellt wird. Für ihn ist die geplante Neugestaltung der Ausstellung mit vielfältigen, auch digitalen Medien, „genau der richtige Weg“.

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