Auf der Augustenfelder Straße soll sich künftig der Radler-Pendlerverkehr von und nach München bündeln.  Foto: hab
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Auf der Augustenfelder Straße soll sich künftig der Radler-Pendlerverkehr von und nach München bündeln. Foto: hab

Die Autobahn für „Alltagsradler“

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Seit langem wird über einen sogenannten Radschnellweg von Dachau über Karlsfeld nach München diskutiert. Die Stadt Dachau hat für dieses interkommunale Großprojekt nun ihre Hausaufgaben gemacht und eine realisierbare Streckenführung durch die Große Kreisstadt erarbeitet.

Dachau – Die Straßen sind chronisch verstopft, gerade Corona-Zeiten mag vielleicht auch die S-Bahn nicht unbedingt als attraktives Verkehrsmittel gelten. Viele Pendler sind daher zuletzt auf das Fahrrad umgestiegen. Damit diese klimafreundliche Art des Pendelns auch für längere Strecken attraktiv wird, möchten Dachau, Karlsfeld und München nun im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit einen sogenannten Radschnellweg bauen. Der soll, einfach formuliert, nichts anderes sein als eine Autobahn für Radler.

Per definitionem darf man dort erstens schnell fahren, kommt zweitens keinen Fußgängern in die Quere und hat – drittens – durch großzügige Ampelschaltungen und Vorfahrtsregelungen auch noch wenig Zeitverluste auf dem Weg ins Büro in Kauf zu nehmen. Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) fand zuletzt im Umwelt- und Verkehrsausschuss, dass das Angebot „Sinn macht. Im Zuge der ganzen E-Bikes vielleicht sogar noch mehr“.

Einen realisier- und bezahlbaren Trassenverlauf zwischen Dachau und Karlsfeld, die sogenannte „Bestvari- ante“, haben nun zwei Planungsbüros den Dachauer Stadträten vorgestellt. Nach deren – abgesehen von der AfD – einhelligem Einverständnis wird diese Trasse nun dem Landratsamt gemeldet, das im Rahmen des Landkreis-Radverkehrskonzepts an der weiteren Umsetzung des Projekts inklusive eines Bürgerdialogs arbeitet.

Demzufolge soll der Schnellweg auf Dachauer Stadtgebiet ab der Bahnhofstraße beginnen und über die gesamte Augustenfelder Straße bis zur Rothschwaige verlaufen. Die Augustenfelder Straße würde dabei bis zur Stadtgrenze als sogenannte Fahrradstraße deklariert und mit Vorfahrt gegenüber den einmündenden Straßen beschildert werden.

Der Clou der Trasse Augustenfelder Straße: Anders als die ebenfalls diskutierte Variante über die Münchner Straße müssten in der Augustenfelder Straße keine teuren Umbaumaßnahmen durchgeführt werden, während auf der innerörtlichen Münchner Straße Bäume sowie Längsparkplätze hätten entfernt werden müssten. Die für Fahrradstraße vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h gilt ohnehin schon in weiten Teilen der Augustenfelder Straße.

Obwohl die Stadträte das Projekt begrüßten – dessen Finanzierung übrigens noch völlig ungeklärt ist – wurde doch einige Zweifel laut. So fand Peter Gampenrieder (ÜB), dass das Angebot ein „Qualitätsgewinn“ für Radfahrer sei. Allerdings gehe die Stadt damit „den Weg des geringsten Widerstands: Echte Verkehrsprobleme werden damit nämlich nicht gelöst.“ Norbert Winter (CSU) fragte zudem, ob „das Konzept der Busbeschleunigung aufgeht, wenn der Radverkehr Vorrang hat“?

Fragen wie diese kann heute jedoch noch niemand beantworten. Zu vieles ist noch ungeklärt – neben den Kosten auch die Frage, welche „Bestvariante“ sich die Karlsfelder für ihren Teil des Schnellwegs vorstellen könnten. Immerhin gibt es eine Kosten-Hausnummer, die angesichts der Dachauer Haushaltslage eher wenig Hoffnung auf baldige Umsetzung macht: Geschätzte 490 000 Euro soll die 1,7 Kilometer lange „Bestvariante“ entlang der Augustenfelder Straße nach der Berechnung der Planungsbüros kosten.

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