Raus aus dem Schatten der Nürnberger Prozesse: Dr. Gabriele Hammermann, Regisseurin Tugyan Baris und Dr. Christoph Thonfeld (von links) beim gemeinsamen Termin in der Gedenkstätte.
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Raus aus dem Schatten der Nürnberger Prozesse: Dr. Gabriele Hammermann, Regisseurin Tugyan Baris und Dr. Christoph Thonfeld (von links) beim gemeinsamen Termin in der Gedenkstätte.

Besondere Form der Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen – Sonderausstellung ab Mai 2022

Die Dachauer Prozesse als Theaterstück

Dachau – Die Dachauer Prozesse gehören zu den bedeutendsten Kriegsverbrecherprozessen der Alliierten. 1912 Angeklagte mussten sich zwischen 1945 und 1948 in 461 Verfahren für ihre Taten während des Nationalsozialismus rechtfertigen. Das größte Aufsehen erregten dabei die Prozesse gegen SS-Angehörige und Funktionshäftlinge der KZ Dachau, Flossenbürg, Mauthausen, Buchenwald, Mittelbau-Dora und des Dachauer Außenlagerkomplexes Mühldorf.

Die Wissenschaftliche Abteilung der KZ-Gedenkstätte Dachau erarbeitet derzeit eine Sonderausstellung zu diesem Thema, die zum 77. Jahrestag der Befreiung am 29. April 2022 eröffnet werden wird.

Parallel dazu entsteht unter der Regie der Produzentin Tugyan Baris von Shining Bear Productions UG ein Theaterstück, das die Prozesse auf eine dramaturgische Art und Weise in Szene setzt. „Die Dachauer Prozesse stehen bis heute im Schatten der großen Nürnberger Prozesse und finden sich auf so gut wie keinem Lehrplan. Deshalb freut es mich sehr, diesen interessanten Stoff unter prominenter Beteiligung von Victor Perillo und Milka Mircic Martinovic in Kooperation mit der Gedenkstätte inszenieren zu können. Im Zusammenspiel mit der Sonderausstellung können wir damit einen wichtigen Beitrag leisten, die Geschehnisse von damals wieder in das Blickfeld von Besuchern zu rücken“, so Tugyan Baris.

Die KZ-Gedenkstätte Dachau betreut und unterstützt das Vorhaben inhaltlich wie organisatorisch. Dr. Christoph Thonfeld, Leiter der Wissenschaftlichen Abteilung, sieht in dem geplanten Theaterstück eine vertiefende Ergänzung zur Sonderausstellung: „Eine Inszenierung der Prozesse als Theaterstück ermöglicht den Zuschauenden eine Form der Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen, den klassische wissenschaftliche und pädagogische Formate nicht leisten können. Solche kulturellen Zugänge werden in der Gedenkstättenarbeit zunehmend wichtiger – insbesondere auch für die Beschäftigung mit Fragen von Schuld und Gerechtigkeit.“

„Im Fokus des geplanten Theaterstücks zu den Dachauer Prozessen stehen neben den Aussagen von Zeugen, Angeklagten und Verteidigern die persönlichen Aufzeichnungen von Lieutenant Colonel Warren Lambert, einem der Richter während der Dachauer Prozesse. Dass für Regie und Drehbuch auch der Autor und Produzent Victor Perillo gewonnen werden konnte, der mit ,The Lambert Chronicles‘ einen Film zu dem Thema erstellt, lässt eine sehr interessante Inszenierung erwarten. Wir freuen uns über die Kooperation und die Möglichkeit, unseren Besuchern dieses besondere Format anbieten zu können“, betont Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Die Aufführungen sollen im Kinosaal des heutigen Verwaltungsgebäudes stattfinden und damit in unmittelbarer Nähe sowohl zu den historischen Orten der Prozesse, die sich heute auf dem Gelände der Bayerischen Bereitschaftspolizei befinden, als auch zum Tatort der verhandelten und verurteilten Verbrechen – und nicht zuletzt zur Sonderausstellung. Die Premiere des Stücks ist für Mai 2022 geplant, vorgesehen ist eine Spielzeit von etwa drei Wochen.  

dn

Dachauer Prozesse waren bereits Thema des Theaterprojekts von Karen Breece im Jahr 2014

Die Dachauer Regisseurin Karen Breece befasste sich bereits im Jahr 2014 mit den Dachauer Prozessen. Sie inszenierte das Theaterprojekt „Dachau//Prozesse“ unter großem Medienecho am Originalschauplatz, auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei. Es basierte auf Protokollen der Militärgerichtsprozesse sowie dem Briefwechsel eines KZ-Kommandanten und seiner Frau. 

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