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Mehr Rücksicht auf Kinder nehmen: Die Kreisverkehrswacht appelliert an Autofahrer. Im Bild (v.l.) Adrian Wiedenmann, stellvertretender Vorsitzender der Kreisverkehrswacht, Beate Rexhäuser, Fachberaterin für Verkehrs- und Sicherheitserziehung an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis, Andrea Riederer, Verkehrserzieherin der Polizei Dachau, Stefan Januschkowetz, Leiter Ordnungsamt Dachau und Richard Wacht, Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht. ps

Tempo runter, bitte!

Dieser Aufruf kann Leben retten

  • Petra Schafflik
    VonPetra Schafflik
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Fünf Schulwegunfälle hat die Polizei im vergangenen Jahr registriert, ein Kind wurde sogar schwer verletzt. Daher appelliert die Kreisverkehrswacht zum Schulanfang wieder an die Autofahrer: „Tempo runter, bitte!“

Dachau – Wenn sich ab Dienstag 1550 Erstklässler im Landkreis täglich auf ihren Schulweg machen, sind sie ganz besonders auf Rücksicht und Aufmerksamkeit der anderen Verkehrsteilnehmer angewiesen. Beim traditionellen Pressetermin zum Beginn des neuen Schuljahrs appellierten deshalb jetzt Vertreter von Kreisverkehrswacht, Stadt, Polizeiinspektion Dachau und Schulamt: „Tempo runter, bitte! Schulanfang!“

Fünf Schulwegunfälle im vergangenen Jahr - ein Kind sogar schwer verletzt

Ein Aufruf, der als Routine erscheinen mag, aber einen ernsten Hintergrund hat. Denn die Polizei hat im vorigen Jahr erneut fünf Schulwegunfälle registriert, einmal wurde ein Kind sogar schwer verletzt. Dabei hat in der Pandemie weniger Präsenzunterricht stattgefunden und der Berufsverkehr ist stark zurückgegangen. Umso wichtiger, dass alle noch aufmerksamer und vorausschauender unterwegs sind. Denn gerade die jüngeren Mädchen und Buben können Gefahren kaum einschätzen, sehen über Hindernisse nicht hinweg, registrieren ihre Umwelt anders. „Viele haben vielleicht einfach vergessen, wie es ist, Kind zu sein“, sagte Adrian Wiedenmann, stellvertretender Vorsitzender der Kreisverkehrswacht.

Weniger Tempo, mehr Aufmerksamkeit!

Was Autofahrer sich zu Herzen nehmen sollten, fasste Wiedenmann knapp zusammen: Langsamer fahren im Umfeld von Schulen, damit rechnen, dass zwischen parkenden Fahrzeugen ein Kind herauslaufen könnte, auf Schulweghelfer achten und als „Eltern-Taxi“ nicht die Straßen rund um die Schulen verstopfen. Wer mit dem Bus unterwegs ist, solle ein Auge darauf haben, „dass die Kleinen auch in den Bus reinkommen“.

Als Beitrag zum sicheren Schulweg in der Stadt nennt Stefan Januschkowetz, Leiter des Ordnungsamts, nicht nur neue Fußgängerampeln an der Theodor-Heuss- und Mittermayer-Straße. Auch die ab Oktober geltende Einbahnregelung in der Altstadt helfe den Klosterschülern, einen besseren Überblick zu erhalten. Ganz wichtig aber sind die 150 Schulweghelfer, die zum Schutz der Schulkinder im Einsatz sind (Kasten).

Eltern kommt wichtige Rolle zu

Die Rolle der Eltern hat Beate Rexhäuser, Fachberaterin für Verkehrs- und Sicherheitserziehung an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis im Blick. Damit die „Neuen“ sicher zur Schule kommen, sollten Eltern gemeinsam mit den Kleinen den Schulweg üben. Egal ob die Erstklässler zu Fuß gehen oder mit dem Bus fahren, die Abläufe müssten durchgespielt werden, betont Rexhäuser. „Und zwar zu relevanten Zeiten im Berufsverkehr.“ Bewährt habe sich, dass die Jüngsten mit älteren Geschwistern oder Nachbarskinder marschieren, „gemeinsam sind sie sicherer“.

Auch gelte es, die Kinder rechtzeitig loszuschicken, damit kein Zeitdruck entsteht. Die Leuchtwesten, die alle Erstklässler in der ersten Schulwoche bekommen, sollten gerade in der dunklen Jahreszeit auch getragen werden, ergänzte Andrea Riederer, Jugendverkehrserzieherin der Polizeiinspektion Dachau. Auch sollten Eltern ihre Kleinen nicht bis vors Schulhaus mit dem Auto fahren, die Kinder zumindest ein Stück zu Fuß gehen.

Die Realität sieht anders aus, die Beschwerden der Schulen häuften sich, bis zur Feuerwehrzufahrt werde alles zugeparkt. Die Polizei, so kündigt Riederer an, werde gerade in den ersten Schulwochen umfangreich kontrollieren und „hart durchgreifen“.

Stadt und Gemeinde auf der Suche nach Schulweghelfern

„Kein Überweg ist so sicher wie der, an dem ein Schulweghelfer steht“, sagt Andrea Riederer, Jugendverkehrserzieherin der Polizei. In Dachau sind bisher 150 Schulweghelfer im Einsatz, sichern nach einem Schichtplan morgens 15 Überwege. Neu wird ab diesem Schuljahr in der Kurve der Geschwister-Scholl-Straße ein Team für mehr Sicherheit sorgen. Doch eine weitere Gefahrenstelle liegt Ordnungsamtsleiter Januschkowetz am Herzen: die Fußgängerquerung an der Einmündung vom Weiherweg in die Freisinger Straße. Dort, wo sich morgens die Fahrzeuge im Berufsverkehr zurückstauen, müssen einige Erstklässler aus dem Wohngebiet an der Bergstraße über die Fahrbahn gehen. Dringend möchte Januschkowetz hier einen Schulweghelfer-Überweg einrichten. Er sucht engagierte Bürger, die einmal die Woche ab 7.15 Uhr eine halbe Stunde Zeit haben. Die Stadt leistet eine Aufwandsentschädigung von 5,10 Euro pro Einsatz. „Es geht um die Sicherheit der Kinder.“ Informationen unter 0 81 31/75 139.
Auch in den Kreisgemeinden fehlen Schulweghelfer, wer sich engagieren möchte, meldet sich bei der Gemeinde.

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