Diskussion über Gräben und Niedermoorreste im Dachauer Land

Naturschützer kritisieren Pläne der Regierung

Deutschland beteiligt sich am europäischen Naturschutznetzwerk Natura 2000. Auch bei Dachau sollen Schutzgebiete für dieses Projekt aufgenommen werden. Vielen Naturschützern gehen die Pläne aber nicht weit genug.

Dachau – Die Regierung von Oberbayern arbeitet an einem Managementplan für das FFH-Gebiet (Flora, Fauna, Habitate) „Gräben und Niedermoorreste im Dachauer Moos“. Dazu lädt sie regelmäßig zu Runden Tischen, um mit Verbänden und Naturinteressierten über den aktuellen Stand der Planung zu diskutieren. Beim jüngsten Treffen im Landratsamt musste sich die Regierung herbe Kritik für ihre Arbeit anhören.

Grundsätzlich waren sich alle Beteiligten einig. Die Naturgebiete in der Region müssen geschützt werden! Einigen geht das Projekt Natura 2000 – ein europaweites Netzwerk aus Schutzgebieten, zu dem auch die FFH-Gebiete gehören – aber nicht weit genug. So bemängelte Cyrus Mahmoudi vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), dass das Konzept der FFH-Gebiete zu kurz greife. Es würde sich nur auf einzelne, kleinteilige Bereiche konzentrieren und nicht die gegenseitigen Einflüsse der Schutzgebiete berücksichtigen. So würde kein vernünftiger Naturschutz funktionieren.

Thomas Eberherr, Ansprechpartner der Regierung für Natura 2000 in Oberbayern, betonte jedoch, dass „das Denken der Naturschutzverwaltung nicht an den Grenzen der FFHs aufhört“. Die Rahmenbedingungen von Natura 2000, die von der EU vorgegeben werden, ließen aber keine anderen Möglichkeiten zu als die kleinteilige Bearbeitung und Aufnahme von einzelnen Schutzgebieten. Das bedeute jedoch nicht, dass die Regierung keine übergreifende Perspektive einnehmen würde.

Wirklich zufrieden zeigten sich nicht alle mit dieser Antwort. Ludwig Wilhelm, ebenfalls vom LBV, sah gar „ein Versagen der Behörde“, und verdeutlichte dies am Beispiel des Naturschutzgebiets „Schwarzhölzl“. Diesem sei durch den Bau der Ruderregatta bei Oberschleißheim vor knapp 50 Jahren und dem damit einhergehenden Absinken des Grundwasserspiegels der Todesstoß versetzt worden. Seine Forderung: Die Ruderregatta müsse wieder aufgefüllt werden.

Mit diesem Anliegen dürfte er jedoch keinen Erfolg haben. Klaus Burbach von der Regierung von Oberbayern meinte ebenfalls, dass „man das Rad der Zeit nicht zurückdrehen könne“, auch wenn er die schädlichen Auswirkungen des Regattabaus nicht verneinen will. Und er gibt zu Bedenken: „Der gesellschaftliche Konsens dazu ist ein anderer.“

Diskussionsbedarf gab es auch bei der Frage, wer denn für die Pflege der Schutzgebiete verantwortlich sei und wann man für Fehler zur Verantwortung gezogen werden könne. Denn Gebiete, die von der EU zu Natura 2000 gezählt werden, sollen natürlich ihren Charakter und Zustand mindestens bewahren. Dazu gibt es feste Regeln. Thomas Eberherr konnte die Zuhörer in der Hinsicht aber beruhigen: Für Privatpersonen seien die Vorgaben ohnehin nicht bindend und ansonsten gelte das sogenannte Verschlechterungsverbot. Das besagt, dass man nur für Verfehlungen zur Rechenschaft gezogen werden kann, wenn man aktiv den Zustand eines Schutzgebiets verschlechtert. Wer lediglich nichts tut, kann nicht strafrechtlich verfolgt werden.

Wie kompliziert der Naturschutz sein kann, zeigte sich am Schutz für die Libellen. Für diese wäre es optimal, wenn die Böschungen abgeflacht und die Bäche von Beschattung freigehalten werden. Vertreter des Fischereiverbands befürchten bei solchen Maßnahmen aber ein Ansteigen der Wassertemperatur. Für empfindliche Fische, wie die gefährdete Bachforelle, sei dies das Todesurteil. Eberherr versprach, diese Aspekte in die Planung mitaufzunehmen.

Trotz der deutlichen Kritik war der Runde Tisch für Eberherr ein Erfolg: „Wir sind auf diese Rückmeldungen aus den unterschiedlichsten Richtungen angewiesen, um ein sinnvolles und stimmiges Konzept für den Managementplan zu erarbeiten.“ Und er gab allen Anwesenden noch einen Wunsch mit auf den Weg: „Die Diskussion muss weitergehen. Der Plan kann so nur an Qualität gewinnen!“ Thomas Benedikt 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neues Hallenbad in Dachau: Was der Bau macht - Und warum es elegant, aber teuer wird
Mit der symbolischen Grundsteinlegung ist die nächste Etappe beim Bau des Dachauer Hallenbads geschafft. Architekt Wolfgang Gollwitzer verspricht einen Ort, „auf den die …
Neues Hallenbad in Dachau: Was der Bau macht - Und warum es elegant, aber teuer wird
„Bescheuertes Gesetz“: Stadt muss Straßen abrechnen, will aber nicht
In Dachau gibt es Straßen, die schon Jahrzehnte alt sind, deren Ersterschließung aber noch immer nicht abgeschlossen ist. Bis 2021 hat die Stadt nun per Gesetz Zeit, …
„Bescheuertes Gesetz“: Stadt muss Straßen abrechnen, will aber nicht
Ortstypische Formen erhalten
Die Architekten Tina Gerrer und Michael Grünwald stellen ihre Pläne für neues Jetzendorfer Rathaus vor. Bürgermeister Betzin ist vor allem eines wichtig.
Ortstypische Formen erhalten
Einen McDonalds wird’s nicht geben
300 Einladungen verschickte die Gemeinde an die Teenager Haimhausens, 14 kamen zur Jungbürgerversammlung ins Rathaus. Bürgermeister Peter Felbermeier war mit der …
Einen McDonalds wird’s nicht geben

Kommentare