Keine Zukunft: Die Kleingartenanlage und die Pferderanch werden wohl aus dem Stadtbild verschwinden.

Diskussion um angebliche Schwarzbauten in Dachau

Kleingärten sind auch „eine soziale Frage“

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Die Räumung der Kleingartenanlage an der Gröbenrieder Straße schlägt Wellen. Während das Bauamt sein Vorgehen mit Verweis auf das Bundeskleingartengesetz verteidigt, will die Dachauer CSU den Gärtnern helfen. Die Verwaltung handle „befremdlich“, heißt es in einer Stellungnahme.

So teuer das Wohnen im Münchner Umland geworden ist, so teuer ist mittlerweile auch das Garteln geworden. Abgesehen von langen Wartefristen müssen Schrebergärtner in der Metropolregion mittlerweile auch richtig viel Geld auf den Tisch legen, wenn sie eine Gartenparzelle ablösen wollen; in Karlsfeld etwa werden sechsstellige Summen kolportiert.

Die Kleingartenanlage östlich der Gröbenrieder Straße bildete da eine Ausnahme. Auf den 22 Parzellen durften Menschen ihren grünen Traum leben, die sich – aus verschiedensten Gründen – keine Urlaubsreisen und kein eigenes Haus mit Garten leisten konnten.

Nur 350 Euro Pacht kostet eine Parzelle pro Jahr. Dafür, so einer der Verpächter, „musste ich mich auch vor Ort nie um etwas kümmern. Es hat alles funktioniert.“ Tatsächlich gingen seine 14 Pächter freundschaftlich um, befolgten Regeln wie die Mittagsruhe und boten mit ihren gepflegten Anlagen Insekten, Bienen und Vögeln ein Refugium. „Für mich ist das eine soziale Frage, ich will mit den Gärten kein Geld verdienen“, betont er. Und sollte es auf seinem Grundstück tatsächlich einen gewissen Wildwuchs geben, könnte man den doch jederzeit „ordnen“.

Doch dazu wird es, wie berichtet, nicht mehr kommen. Die Stadt macht dem Idyll in spätestens fünf Jahren ein Ende. Und zwar auf wesentlich gründlichere Art und Weise, als Bauamtsleiter Moritz Reinhold zunächst gegenüber der Heimatzeitung eingeräumt hatte. Es gehe nur um die Gartenhäuser; alles, was „begehbar“ sei, dürfe im Außenbereich nicht stehen, hatte er erklärt. Tatsächlich untersagt die Stadt den Gartlern aber nicht nur deren Häuschen. In den Schreiben, die den Pächtern vom Stadtbauamt zugegangen und die mit der Drohung „Vollzug des Baugesetzes: Beseitigung von baulichen Mängeln“ überschrieben waren, heißt es nämlich: „Eine Nachgenehmigung für die vorgenannten Bauten und für die Gartennutzung kann nicht erteilt werden.“ Vulgo: Nicht nur das Gartenhäuschen ist verboten, sondern der ganze Garten. Für diese Feststellung, auch das ist in dem Schreiben mit Verweis auf Artikel 77 der Bayerischen Bauordnung vermerkt, müssen die Angeschriebenen übrigens eine „Mindestgebühr von 25 Euro“ zahlen.

Eine „Unverschämtheit“ findet dies eine Pächterin, die ihren Namen zwar nicht in der Zeitung lesen will, aber auch betont, das „Angebot“ der Stadt, ihren Garten nach einer Frist von fünf Jahren zurückzubauen, nicht annehmen wird. Überhaupt zweifelt sie an der Rechtmäßigkeit des städtischen Vorgehens: „Wieso reden die mit mir, also einer Drittpartei? Normal wäre doch gewesen, wenn sie mit dem Verpächter verhandeln!“

Im Bauamt verteidigt man die Räumung weiterhin. Bauamtsleiter Moritz Reinhold betont, dass die Pächter deswegen angeschrieben worden seien, da diese ja die Besitzer der „baulichen Anlagen“ seien. Zudem gelten Kleingärten laut Bundeskleingartengesetz als Siedlungsfläche und seien damit im Außenbereich schlicht und ergreifend verboten. Diese Kleingärten nun nachträglich zu legitimieren, dafür sieht Reinhold „im Moment keine Lösung“. Natürlich sei die Beseitigung von Schwarzbauten ein für alle Beteiligten „unangenehmes Geschäft“. Andersrum müsse man aber auch fragen: „Warum macht man das? Warum stellen die Leute da ihre Bauten hin?“

Überhaupt, betont Reinhold, sei den Pächtern das Gärtnern in Zukunft ja nicht gänzlich untersagt. Nutzgärten, die sich laut Gesetz im Gegensatz zu Kleingärten nicht durch eine „Erholungsfunktion“ auszeichneten, seien ja weiter erlaubt. Dafür müssten zwar Zäune, Schaukeln, Spielgeräte und Häuschen zurückgebaut werden. Aber, so der Bauamtsleiter, „manche Menschen erholen sich ja schon bei der Gartenarbeit“.

Die Dachauer CSU äußerte sich gestern per Pressemitteilung zu dem Thema. Das Vorgehen der Verwaltung sei „befremdlich“, heißt es darin. Und: Man sei bereit, „die Rechtmäßigkeit der Kleingärten herzustellen“.

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