Werbeveranstaltung oder die Party des Jahres: Am Faschingstreiben auf dem Rathausplatz, das seit 2014 in der Dachauer Altstadt stattfindet, scheiden sich die Geister. foto: hab

Diskussion um Party in der Altstadt

Faschingstreiben als „reine Werbeveranstaltung für einen Radiosender“?

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Während die alljährliche Faschingsparty am Faschingssamstag bei Jugendlichen gut ankommt, würde ein Stadtrat das Treiben am liebsten abschaffen.

Dachau – Nachdem im Jahr 2013 zum letzten Mal ein Faschingszug durch die Altstadt gezogen war und sich der Faschingszugförderverein Dachau aufgelöst hatte, herrschte in der Großen Kreisstadt Katerstimmung. Sollte Dachau in Zukunft tatsächlich ohne größere Faschingsveranstaltung dastehen? Nein, waren sich die Stadträte einig! Das städtische Kulturamt erhielt daher den Auftrag, sich um die Zukunft des Dachauer Faschings zu kümmern.

Eine „Win-Win-Situation“?

Kulturamtsleiter Tobias Schneider und seine Kollegen konnten dabei schnell Vollzug melden: Der Münchner Radiosender Gong 96.3, der schon am Faschingszug mit einem Wagen teilgenommen hatte, bot eine Kooperation an, die sich laut Amtsleiter Schneider als „Win-Win-Situation“ herausstellen sollte.  

Der Sender sollte sich fortan um die Bewerbung der Faschingsparty kümmern sowie Werbemittel, Programm und zwei DJs stellen. Die Stadt im Gegenzug kommt für Technik, Security, Toiletten und Gema-Gebühren auf. 13 000 Euro werden dafür seitdem in der Haushaltsstelle „Faschingsparty“ alljährlich bereitgestellt. Da die Party um 13 Uhr beginnt und bereits um 18 Uhr endet, bewegt sich die Veranstaltung Schneider zufolge „in einem Rahmen, den wir gut handeln können. In der Nacht fährt das Müllauto durch, und schon am nächsten Tag ist alles vorbei“.

„Muss das Faschingstreiben wirklich sein?“

Genau das Müll-Thema ist es aber, das vielen Anwohnern aufzustoßen scheint. Stadtrat Rainer Rösch (Überparteiliche Bürgergemeinschaft) gab in der jüngsten Bauausschusssitzung am Dienstag entsprechende Beschwerden von Anwohnern weiter; in sozialen Netzwerken klagten weitere Altstadtbewohner über Wildbiesler und Erbrochenes. Rösch stellte daher die Frage: „Muss das Faschingstreiben wirklich sein?“ Die Party sei doch ohnehin eine „reine Werbeveranstaltung für einen Radiosender“!

Oberbürgermeister Florian Hartmann betonte, die Veranstaltung grundsätzlich „positiv zu sehen“. Beim Dachauer Volksfest gebe es „viel mehr Beschwerden“. Reinigungsaufwand und Besucherzahl würden seiner Ansicht nach in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen.

Stadträtin Luise Krispenz (Grüne) sah es ähnlich: „Für eine bestimmte Altersgruppe ist die Party das Highlight des Jahres.“ Und auch Anke Drexler (SPD) fand: „Das macht Jugendlichen Spaß. Einmal im Jahr kann man das daher schon machen.“

Das Kosten-Argument

Restlos überzeugen mochte dies Stadtrat Rösch am Ende zwar nicht. Amtsleiter Schneider soll nun dem Kulturausschuss des Stadtrats genauere Zahlen und Fakten zu der Party auf dem Rathausplatz liefern. Schon jetzt aber hält Schneider fest: „Im Vergleich zu den Jahren mit Faschingszug ist der Müll definitiv weniger geworden!“ Das Glas-Verbot habe außerdem zur Folge, dass sich weniger Besucher verletzten.

Das schlagendste Argument aber für die Party in ihrer jetzigen Form seien die Kosten: „Wenn wir das alleine organisieren müssten“, so Tobias Schneider, „wäre es wesentlich teurer“.

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