Eine Maske liegt auf dem Tisch, im Hintergrund sitzen Schüler.
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Zu Wechselunterricht an den Landkreisgymnasien und der FOS Karlsfeld kommt es erstmal nicht (Symbolbild)

Wegen des ÖPNVs

Kein Wechselunterricht an den Landkreisgymnasien und an der FOS ‒ Brief des Kultusministeriums kam zu knapp

Eigentlich sollten die Abiturienten ab Montag wieder in den Wechselunterricht gehen. Im Landkreis Dachau schaut die Realität aber anders aus.

Dachau – Donnerstag Vormittag öffneten die Schulleiter der Landkreisgymnasien und der Fachoberschule in Karlsfeld wie gewohnt ihre E-Mail-Postfächer. Was seit Tagen schon als Vermutung in den Medien herumgeisterte, wurde darin vom Kultusministerium bestätigt: Ab kommenden Montag, 1. Februar, soll es für die Abschlussklassen wieder in den Wechselunterricht gehen. Eine Wahlmöglichkeit, wie zuerst berichtet wurde, soll es nicht geben.

Was ist aber, wenn man nicht in die Schule kommt, weil der Fahrplan für die öffentlichen Verkehrsmittel dementsprechend nicht so schnell angepasst werden kann? Dann bleibt man erstmal im Distanzunterricht – so machen es jetzt die beiden Dachauer Gymnasien, das GMI in Indersdorf und die Fachoberschule in Karlsfeld.  

Peter Mareis, Direktor des JEG in Dachau.

„Wir haben die Schüler informiert, dass wir im Distanzunterricht bleiben“, so Peter Mareis, Schulleiter am Josef-Effner-Gymnasium in Dachau. Er ist so wie seine Kollegen in engem Kontakt mit Sachgebietsleiter Albert Herbst vom Landratsamt Dachau, der für die Kreisschulen und den ÖPNV verantwortlich ist. „Wir brauchen mindestens eine Woche Vorlaufzeit“, erklärt Herbst die Arbeitsabläufe seiner Behörde.

Derzeit fahren die Schulbusse, die im MVV-Fahrplan eingebunden sind, nach dem Ferienfahrplan, der seit dem 11. Januar gilt. Seit diesem Zeitpunkt gibt es an den Schulen Distanzunterricht, somit ist auch kein regulärer Busfahrplan notwendig. Dies würde einen nutzlosen Ressourcenverbrauch bedeuten. Um aber rechtzeitig die reibungslose Beförderung nach dem regulären Fahrplan wieder aufnehmen zu können, braucht Albert Herbst mit seinem Team mindestens eine Woche Vorlaufzeit. Deshalb steht er in engem Kontakt mit den Schulleitern.

Carola Zankl, Schulleiterin der FOS in Karlsfeld.

„Herr Herbst hat immer wieder bei mir angefragt, wann die Schulbusse wieder regulär fahren sollen“, betont Peter Mareis vom JEG die gute Vernetzung mit dem Landratsamt. Aber ohne Vorgaben des Kultusministeriums habe er dazu keine verbindliche Auskunft geben können, betont Mareis. Als jetzt überraschend das Schreiben vom Ministerium eingegangen sei, habe er sich sofort mit Albert Herbst in Verbindung gesetzt, so der JEG-Schulleiter.

Das war viel zu kurzfristig und zu spät.

Albert Herbst, Sachgebietsleiter im Landratsamt, zur zeitlichen Vorgabe des Kulturministeriums für den Wechselunterricht.

„Das war viel zu kurzfristig und zu spät“, kritisiert Sachgebietsleiter Herbst den Zeitpunkt des Schreibens vom Kultusminsterium. Er weist auch darauf hin, dass nur sehr wenige Schüler die Beförderung kommende Woche tatsächlich benötigen. Gerade einmal 2,3 Prozent machen die Abschlussklassenschüler am Gesamtschüleraufkommen laut Kultusminister Michael Piazolo aus. Nimmt man weiter einen Wechselunterricht an, dann brauchen nur 1,15 Prozent der Schüler eine Beförderungsmöglichkeit. Zieht man laut Herbst dann noch die Schülerinnen und Schüler ab, die mit dem Auto oder anderweitig zur Schule kommen, „dann reden wir von unter einem Prozent der Gesamtschülerzahl“, rechnet der Sachgebietsleiter vor.

Thomas Höhenleitner, Direktor des GMI.

Wichtig ist für die kommende Woche folgendes: die Q12-Absovlenten an den drei Gymnasium im Landkreis Dachau schreiben kommende Woche an zwei Tagen Klausuren. Dafür müssen sie unter strengen Hygieneauflagen in ihre Schulen kommen. Dank des Ferienfahrplans der Schulbusse und des regulären S-Bahnfahrplans ist das für alle machbar.

Wie geht es am 8. Februar dann weiter? „Das ist noch nicht klar“, berichtet ITG-Schulleiter Erwin Lenz, der mit dem Distanzunterricht momentan sehr zufrieden ist. Auch die Reaktion von Schülern, Lehrern und Eltern sei sehr positiv, wie Lenz betont. Er hat an seiner Schule eine Umfrage durchgeführt und dabei bewusst alle mit ins Boot genommen.

Erwin Lenz, Direktor des ITG in Dachau.

Vor allem seine Q12-Absolventen sind laut Lenz sehr dankbar, endlich auch einmal zu dem Thema gehört zu werden. „Es gibt bei einigen auch die Angst, dass es bei zu früher Rückkehr in den Präsenzunterricht wieder zu Ausbrüchen und damit zu Quarantäne-Situationen kommt“, berichtet Lenz von den Beweggründen seiner Schützlinge.

Am ITG läuft der Distanzunterricht überwiegend reibungslos. Dank diesem ist es jetzt aktuell auch möglich, eine schwer erkrankte Lehrerin zu ersetzen. So kann nun ein Kollege einspringen und gleichzeitig knapp 50 Schüler unterrichten, was im Wechsel- oder Präsenzunterricht unmöglich wäre. Lenz hofft, bis zum Beginn des neuen Semesters, also Q12/2, Ende Februar, die Situation lösen zu können.

Einen Vorteil des Distanzunterrichts im Vergleich zum Wechselunterricht sieht Erwin Lenz auch darin, dass alle Schüler auf dem „gleichen Wissenstand“ sind. MS-Teams läuft bisher erfolgreich. Was allerdings passiert, wenn das komplette Lehrerkollegium nicht von zu Hause aus, sondern vom ITG aus gleichzeitig in Netz geht, mag Lenz heute noch nicht voraussagen. Ein weiteres Problem ist, dass schwangere Lehrerinnen nach wie vor nicht in der Schule unterrichten dürfen.

Reibungslos läuft der Distanzunterricht auch am Josef-Effner-Gymnasium. „Das hat sich gut bewährt“, betont Peter Mareis, der mit seinen Kollegen Erwin Lenz vom ITG, Thomas Höhenleitner vom GMI und Carola Zankl von der Fachoberschule in Karlsfeld in täglichem Kontakt steht. Das JEG arbeitet zufrieden mit dem Webkonferenzsystem „Big Blue Button“.

Seitdem das Landratsamt nochmal die Server aufgerüstet hat, geht alles noch besser, freut sich Mareis. Bis einschließlich 5. Februar bleiben auch seine Abschlussklassen im Distanzunterricht, was auch von den Abiturientinnen und Abiturienten große Unterstützung erfahre. Sobald der Transport möglich ist, startet am JEG dann der Wechselunterricht. Das ist zumindest der aktuelle Stand, solange kein neues Schreiben vom Kultusministerium im E-Mail-Postfach landet.

Simone Wester

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