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Bewährungsstrafe statt dicker Muckis

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Von: Stefanie Zipfer

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Ein Fall von Doping wurde am Amtsgericht Dachau verhandelt. © dpa

Von gesundheitlichen Risiken wollte er nichts wissen, Belehrungen wimmelte er ab. Nichts kann allerdings ein 22-jähriger Dachauer gegen das Urteil des Amtsgerichts machen.

Dachau – Testosteron ist der Stoff, aus dem echte Männer sind. Es sorgt für kräftige Muskeln, dichten Bartwuchs und ein selbstsicheres Auftreten. Nur, wie bei (fast) allem im Leben: zu viel ist ungesund. Und im Fall von Testosteron: sogar verboten. Diese Erfahrung musste jetzt ein 22-jähriger Dachauer machen, der sich wegen des Besitzes von Dopingmitteln vor dem Amtsgericht Dachau verantworten musste.

Der junge Mann war im vergangenen Sommer in seinem – vom Vater bezahlten – Mercedes-Sportboliden unterwegs, als er in eine Verkehrskontrolle geriet. Die Beamten stellten dabei, wie es im Polizeideutsch heißt, „Marihuanageruch im Fahrzeuginnern fest“, weshalb sie sich Auto und Fahrer genauer ansahen.

Der 22-Jährige legte sofort alle Karten auf den Tisch – und ein sogenanntes überschießendes Geständnis ab. Ja, gab er zu, er habe Marihuana nicht nur konsumiert, sondern auch weiterverkauft. Zudem gab er sowohl an, was er dabei verdient hatte, als auch wer sein Lieferant war. Und schließlich stimmte der Hobby-Bodybuilder einer Hausdurchsuchung sowie einer freiwilligen Urinprobe zu – was dem jungen Mann noch mehr Ärger einbrachte.

Denn die Ermittler fanden zu den Drogen noch 13 Ampullen Testosteron, 14 Tabletten Metadienon sowie 52 Tabletten Tamoxifen. In Summe, so formulierte es die Staatsanwaltschaft, sind dies „Dopingmittel in nicht geringer Menge zum Zwecke des Dopings beim Menschen im Sport“.

Vor Amtsrichter Florian Bauer gab sich der 22-Jährige, der nach wie vor bei seinen Eltern lebt, am Donnerstag nicht mehr ganz so kooperativ wie bei seinen polizeilichen Vernehmungen. Und auch an der Einsicht, dass er sich mit dieser „Hormon-kur“, wie er seine Dopingpräparate nannte, eventuell selber schadete, mangelte es völlig. Richter Bauer fragte beispielsweise, ob er denn nicht misstrauisch geworden sei, dass er seine Hormone nur über eine chinesische Online-Apotheke beziehen konnte? „Nö“, antwortete der Angeklagte trocken. In China bekomme man meistens bessere Mittel „als bei uns in der Apotheke“. Auch als die Staatsanwältin ausführte, dass in der „Untergrund-Ware meistens nicht das drin ist, was draufsteht“, erntete sie energisches Kopfschütteln von Seiten der Anklagebank.

Doch die Staatsanwältin blieb dabei: So habe das Testosteron zwar „noch die geringsten Nebenwirkungen“. Das Tamoxifen dagegen sei „stark leberschädigend und in Deutschland gar nicht mehr zugelassen“. Metandienon, ebenfalls auf dem „Hormonkur“-Plan des Angeklagten, ist ein sogenanntes anaboles Steroid, das ebenfalls die Leber schädigen und bei Männern sogar zu Unfruchtbarkeit führen kann. „Die Konsumenten wissen gar nicht, was sie sich da verabreichen und wie es sich auswirkt“, fasste sie zusammen.

Richter Bauer hielt dem 22-jährigen Mechatroniker zugute, dass er die Dopingmittel „rein eigenschädigend“ verwendet habe: Er habe – im Gegensatz zu dopenden Wettkampfsportlern – ja niemanden betrogen, sondern nur „besser aussehen wollen“. Außerdem sei er – nach Beschlagnahmung des Marihuanas und seiner Muskelmittel – seit Monaten clean. Aufgrund seines kooperativen Verhaltens habe er zudem „ganz erheblich zur Aufklärung des Falls beigetragen“.   

Allerdings war der junge Mann vorbestraft, unter anderem wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis sowie Hausfriedensbruchs. Auch die Menge der Dopingsubstanzen war enorm: Sie betrug das über 19-Fache der im Gesetz festgeschriebenen „geringen Menge“. Am Ende setzte es daher eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung.

Dass der 22-Jährige, anders als von seinem Anwalt dargestellt, finanziell gut dastand, war Bauer wichtig zu betonen: „Sie haben ein teures Auto, wohnen für lau daheim und verdienen noch 1600 Euro netto. Ich sehe nicht, dass Sie finanziell gebeutelt sind.“ Deshalb sah er auch von einer Geldstrafe ab und nahm sich stattdessen das Freizeitverhalten des 22-Jährigen vor: Neben der Auflage, in der dreijährigen Bewährungszeit auf eigene Kosten regelmäßige Drogentests durchführen zu lassen, verdonnerte er den Dachauer zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

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