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Ein Höhepunkt des Abends: Gesa Jörg (links) und Veneta Radoeva bei ihrem Duett.

Lyrisches Opernensemble brilliert mit „Norma“

Die Musik spricht für sich

Die dramatische Bellini-Oper „Norma“ ist ein schwieriges Werk. Das Lyrische Opernensemble meistert es bravourös.

Dachau – Das Ludwig-Thoma-Haus bietet momentan keine heimelige Atmosphäre. Der Umbau ist dem Brandschutz gezollt. Dass einem trotzdem warm ums Herz wurde, ist dem „Lyrischen Opernensemble“ Dachau zu verdanken. Mit der großen, dramatischen Oper „Norma“ von Vincenzo Bellini – sie wurde 1831 in Mailand uraufgeführt – erreichte es die Gefühle des kleinen, aber feinen und mitfiebernden Publikums.

Es war aber auch alles Menschenmögliche geboten.

Macht: politische Konflikte zwischen Galliern und Römern, etwa 50 Jahre vor Christus Geburt.

Liebe und ihr Anfang: Norma, eine Priesterin – das gab es damals noch –, kann sich dem Charme ihres römischen Feindes namens Pollione nicht entziehen. Sie bekommt von ihm zwei Buben.

Geheimnis: Ihr Vater Oroveso (Markus Weishaar als beruhigender Bass) weiß nichts davon. Das ist halt so bei Vätern.

Liebe und das Ende davon: Wie es mal so ist im Leben, hat der smarte Liebhaber eine Jüngere im Visier.

Eifersucht: Alle gegen alle.

Rache: schrecklich, aber endgültig.

Die Handlung ein wenig salopp zu formulieren, dazu hat der Erzähler Richard Wiedl angeregt. Er macht es selbst so, bringt einen zum Schmunzeln mit seinen Bezügen zur Gegenwart einschließlich Donald Trump, der auch nicht allzu viel von seiner Tochter wisse. Und er erklärt, was sich dort, in italienischer Sprache gesungen, auf der Bühne ereignet.

Aber man muss den Text gar nicht verstehen. Diese schöne Musik von Belloni aus der Epoche des Belcanto spricht für sich und ist ergreifend. Die Solisten bringen sich so engagiert ein, dass man mit ihnen leidet oder sich freut.

Gesa Jörg singt die Norma mit ihrem wunderbaren, technisch höchst anspruchsvollen und perfekten Koloratursopran. Sie erreicht intensive Emotionen, etwa in der weltberühmten Arie „Casta Diva“ (Keusche Göttin).

Auch als Schauspielerin überzeugt sie. Mit größter Hingabe spielt sie die gedemütigte Geliebte und zerrissene Mutter, die ihre zwei Kinder töten will, als Sühne ihrer Schuld.

Ihr heimlicher Geliebter und Vater ihrer Knaben, Pollione, ist mit dem Tenor Oliver Scherer ausdrucksstark besetzt. Ebenso robust wie sanft schmeichelnd nimmt man ihm den Verführer zu einhundert Prozent ab. Außerdem ist er ein fescher Kerl.

Flavio, sein Freund, ist der souveräne Yichi Xu. Die umworbene Adalgisa will erst nicht, aber schließlich erliegt sie Pollione – Veneta Radoeva passt mit ihrem eindringlichen Mezzosopran hervorragend zu ihrer Konkurrentin Norma. Das Duett der beiden, in dem zeitweise so etwas wie Frauensolidarität entsteht, ist ein weiterer Höhepunkt des Abends. Nike Schmidt als Normas Freundin Clotilde mit ihrer warmen Sopranstimme ist vorerst eine Retterin vor einem Gemetzel. Aber das Drama ist tragödienhaft bestimmt: Es kommt zu einer Vereinigung der beiden ehemals Liebenden Norma und Pollione – auf dem Scheiterhaufen.

Dirigent und musikalischer Leiter Anton Zapf ist, so steht es im Programmheft, auch als Fußballer und Skispringer aktiv. Fit wie sonst was bewältigt er diese Dirigierhöchstleistung. Er hüpft und motiviert und lobt mit strahlendem Lächeln, gibt Einsätze und bringt die Solisten, den Chor und das Kammerorchester ebenfalls zu Höchstleistungen. Es beeindrucken Anna Winkler-Nam am Klavier ebenso wie der Geiger Giovanni Michele De Rossi, der Flötist Albrecht Hampe und die Cellistin Anna Rehker. Der zehnköpfige Chor berührt mit leisen Tönen ebenso wie mit dem Staccato des berühmten Kriegsgesangs.

Dass dieses Ensemble aus Profis und Profi-Anwärtern ein solches Werk auf die Bühne gebracht hat, ist sensationell. Gesa Jörg nach der Premiere: „Wir haben seit Januar geprobt. Das ist eine enorm schwierige, aber wunderschöne Oper.“ Und: „Die Norma wird die nächsten 100 Jahre bestimmt nicht mehr in Dachau gespielt.“ Deshalb: Jetzt, 2018, unbedingt hingehen!

Weitere Vorstellungen

der „Norma“ sind am 29. November sowie am 1. und am 14. Dezember. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Die Karten kosten 29 Euro, ermäßigt 27 Euro zzgl. Vorverkaufsgebühr und sind unter der Telefonnummer 0 81 31/27 17 034 oder per E-Mail unter karten@lyrischesopernensemble.com erhältlich. Die Abendkasse öffnet um 18.30 Uhr.

ep

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