Bald auch in Dachau? Tiny Houses seien eine gute Ergänzung für das Angebot auf dem Wohnungsmarkt, behaupten zumindest die FWD/Bürger für Dachau.
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Bald auch in Dachau? Tiny Houses seien eine gute Ergänzung für das Angebot auf dem Wohnungsmarkt, behaupten zumindest die FWD/Bürger für Dachau.

Freie Wähler Dachau/Bürger für Dachau setzen auf Tiny Houses

Echte Alternative oder Hirngespinst?

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Dachau – Geht es nach der Stadtratsfraktionsgemeinschaft Freie Wähler Dachau/Bürger für Dachau soll es schon bald so genannte Tiny Houses, zu deutsch kleine Häuschen, im Stadtgebiet geben. Den entsprechenden Antrag an die Stadt auf Prüfung der Möglichkeit zur Ausweisung von Flächen für die auf einem Trailer bewegbar oder fest im Boden verankerten Minihäuschen hält hingegen Stadtratskollege Kai Kühnel vom Bündnis für Dachau für „überflüssig“.

Im Gemeinderat Karlsfeld wiederum war die Wohnalternative für kleinere Geldbeutel bereits Thema und wurde kontrovers diskutiert (wir berichteten). Laut eines Beschlusses dort ist die Verwaltung nun auf der Suche nach geeigneten Grundstücken für Tiny-House-Siedlungen.

Die Stadträte Markus Erhorn, Robert Gasteiger (beide FWD) sowie Horst Ullmann (Bürger für Dachau) meinen, die kleinen Häuser böten auf engstem Raum von in der Regel etwa 15 bis 45 Quadratmetern einen größtmöglich nutzbaren Wohnraum. Die Häuschen würden meist komplett montiert an ihren Aufstellort geliefert. Der Druck auf den städtischen Wohnungsmarkt würde kontinuierlich zunehmen. Die Mieten und Preise für privates Eigentum daher immer weiter steigen. Deswegen argumentiert Erhorn: „Die Tiny Houses können das Angebot auf dem Wohnungsmarkt ideal ergänzen und vor allem Menschen, die gerne ein Eigenheim kaufen, aber aus finanziellen Gründen keine Chance auf eine herkömmliche Immobilie haben, eine günstige und platzsparende Alternative bieten.“ Eine Dachauer Tiny-House-Siedlung sei daher wünschenswert.

Ullmann, Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtbau, hofft außerdem, dass „diese charmanten Häuschen das Angebot der Stadtbau erweitern könnten“. Auf kleinen „Rest-Grundstücken“ der Stadtbau sollen nach Wunsch der Fraktion in Zukunft Tiny Houses errichtet werden.

„Gott sei Dank darf in Bayern und in Deutschland jeder Grundstücksbesitzer sein Grundstück so unwirtschaftlich wie nur möglich bebauen. Da gibt es weder Ge- noch Verbote“, erklärt dazu Kühnel, nimmt einen Meterstab sowie das Baugesetzbuch zur Hand und relativiert: „Ein Tiny House ist baurechtlich ein Haus. Es unterliegt genau denselben baurechtlichen Anforderungen wie jedes andere Bauwerk auch. Das heißt ringsherum an jeder Seite drei Meter Mindestabstand. In der Regel sind Tiny Houses ein- oder eineinhalb geschossig. Ein Tiny-Haus in Bauwagengröße mit drei Metern Breite und acht Metern Länge verbraucht also mit einer Fläche von 24 Quadratmetern eine Grundstücksfläche von mindestens 90 Quadratmetern. Je nach Grundstückszuschnitt aber sehr viel mehr. Das entspricht einer Geschossflächenzahl von 0,25 und sehr viel weniger.“

Aufgrund seiner Berechnungen und unter Zugrundelegung der Vorschriften des Gesetzgebers resümiert der Bündnis-Stadtrat: „Öffentlichen Grund für eine derartige Bebauung zur Verfügung zu stellen ist also nicht nur Unsinn, sondern unverantwortlich. Die Stadtbau Dachau hat Besseres zu tun, als die wenigen Grundstücke, die ihr noch bleiben, mit solchen Hirngespinsten zu überplanen.“

In Karlsfeld betonte der dortige Bauamtsleiter Günter Endres in der damaligen Sitzung unter anderem, dass es im Außenbereich wegen der fehlenden Privilegierung kaum Chancen auf eine Genehmigung gebe. Im Innenbereich müssten sich Tiny Houses ebenso wie normale Häuser in die Umgebung einfügen. Realistisch sei demnach eine Umsetzung über einen Bebauungsplan, in dem eigene Festsetzungen gelten würden.

Moritz Reinhold, Leiter des städtischen Bauamts, bestätigt, dass es 2019 und 2020 Anfragen von Interessenten für Minihäuser gab. „Das mussten wir aber abschlägig bescheiden, da wir keine geeigneten Grundstücke haben bzw. sie für öffentliche Gebäude benötigen.“ Man müsse sich die Frage stellen, so Reinhold, „ob das die richtige Wohnform in unserer Region ist, in der Flächenknappheit herrscht“. Und: Womöglich scheitere so ein Projekt bereits an den Grundstückskosten in Dachau.  

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