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In Erding steht ein Polizist aus dem Landkreis Dachau vor Gericht

51-jähriger Beamter aus dem Landkreis Dachau vor Gericht

Bundespolizist plündert Kaffeekasse

War es eine spontane Einzeltat, oder ist ein 51-jähriger Bundespolizist für eine ganze Diebstahlserie in seiner Dienststelle am Münchner Flughafen verantwortlich? Ein Prozess am Amtsgericht Erding wurde jetzt ausgesetzt, um diese Frage zu klären. Denn der Beamte aus dem Landkreis Dachau ist nur teilweise geständig.

Flughafen/Erding – Mindestens dreimal soll ein Bundespolizist in die Kaffeekasse seiner Dienststelle am Münchner Flughafen gegriffen haben. Weil er dabei auch seine Dienstwaffe mit sich führte, musste sich der Polizist aus dem Landkreis Dachau gestern vor dem Amtsgericht Erding wegen Diebstahls mit Waffe verantworten. Ein Urteil gibt es noch nicht. Staatsanwalt David Schlittenhardt will noch weitere Zeugen hören. Damit bleibt der 51 Jahre alte Polizeiobermeister weiterhin vom Dienst suspendiert. Er erhält seine Besoldung, aber keine Zulagen.

Schlittenhardt listete drei Fälle auf, in denen es sich am 16. Juni, am 23. und am 25. Oktober um Kleinbeträge von 16, zehn und 15 Euro handelte. Am 25. Oktober entwendete der Polizist zudem aus einem als Falle positionierten Rucksack 20 Euro. Der Mann räumte die Diebstähle im Oktober ein, den im Juni bestritt er.

Auf die Schliche gekommen waren ihm seine Vorgesetzten sowie Ermittler der Landespolizei durch eine Videoüberwachung im Raum sowie in einem Computer. Zu diesem Schritt hatten sich Polizei und Staatsanwaltschaft veranlasst gesehen, weil es in dem Zeitraum immer wieder zu Diebstählen gekommen war. Eine Beamtin sprach im Zeugenstand gestern von über 20 Delikten.

Der Angeklagte und sein Verteidiger Christian Dittrich erklärten, es habe sich um Kurzschlussreaktionen gehandelt, nachdem dem Polizeiobermeister am 23. Oktober selbst 50 Euro gestohlen worden seien – auf der Dienststelle. „Ich habe das Geld gebraucht, weil ich tanken musste.“ Ende 2014 hatte der Beamte Privatinsolvenz angemeldet, zudem muss er sich um fünf Kinder kümmern. Dittrich wies aber auch darauf hin, dass sich sein Mandant unmittelbar danach schriftlich entschuldigt und den Schaden beglichen habe. 

Bei den Diebstählen war der 51-Jährige gefilmt worden. Dabei wurde deutlich, dass er eine Waffe im Holster trug – ein erschwerender Umstand. Sie sei jedoch lediglich unterladen gewesen, sprich: Das Magazin sei in der Pistole gewesen, allerdings keine Kugel im Lauf. Zudem sei er alleine im Raum gewesen, es habe folglich kein Gefährdungspotenzial bestanden.

Der Nachweis der ersten Tat wird schwierig sein, denn Videoaufnahmen aus dem Computer wurden gelöscht. Zudem widersprachen sich zwei Zeugen. Richter Andreas Wassermann hätte den Prozess gestern gerne zu Ende gebracht.

Dennoch beharrte der Ankläger auf einer Vernehmung der Beamten, die die Aufnahmen veranlasst und ermöglicht hatten. Staatsanwalt Schlittenhardt will geklärt haben, ob es sich wirklich um eine Kurzschlusstat gehandelt oder er als Polizist doch regelmäßig gestohlen hat. Dann dürfte das Urteil deutlich härter ausfallen. Der Prozess wurde auf Dienstag, 7. November, vertagt.

Hans Moritz

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