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Furios und virtuos: Die Sinfonietta Caracovia begeisterte am Freitagabend beim Schlosskonzert der Saison die Besucher.

Dachauer Schlosskonzert

Fulminanter Abschluss

Spannend, abwechslungsreich und doch mit einem roten Faden: Das Programm beim jüngsten Schlosskonzert war rundum stimmig und wurde von einem außergewöhnlichen Orchester, der Sinfonietta Cracovia, vorgetragen.

Von Susanna Morper

Dachau – Das seit 20 Jahren bestehende Ensemble zählt zu den renommiertesten Orchestern Polens und ist eigentlich besonders auf dem Gebiet der neuen Musik aktiv. Für das Schlosskonzert hatten die Musiker jedoch Werke des Barock und der Klassik zusammengestellt: Besonders interessant war die „Symphonia de Navitate“, die 1759 von einem unbenannten polnischen Komponisten geschrieben wurde.

Dem Stück liegen diverse polnische Tänze sowie Weihnachts- und Volkslieder zugrunde. Die eingängigen Melodien mit vielen Wiederholungen und Sequenzen waren jedoch alles andere als langweilig. Vielmehr verliehen die Musiker den Phrasen durch vielfältige Dynamik und engagiertes Spiel sowohl Eleganz, als auch sprudelnde Energie.

Bis zur Pause trat die Sinfonietta Cracovia als reines Streichorchester auf, gegebenenfalls unterstützt durch ein Cembalo. Das Orchester spielte ohne Dirigenten und wurde vom Konzertmeister Maciej Lulek angeführt. Violinistin Yi-Jia Susanne Hou gestaltete mit grazilem Ton das berühmte Violinkonzert in E-Dur von Johann Sebastian Bach. Besonders ergreifend war der langsame Satz, bei dem sich die ruhige, zerbrechliche Solostimme über den schreitenden Grundcharakter mit Seufzer-Motiven im Orchester legt. Die Solistin in ihrem blau-orange gestreiften Kleid zeigte musikalisches Einfühlungsvermögen, konnte sich aber kleine Romantizismen in Vibrato und Lagenwechseln nicht verkneifen.

Von den vielen Epochen klassischer Musik gelten Werke aus der Zeit der Klassik als besonders heikel: Denn hierbei gilt es, Musikalität zu beweisen, ohne sich allzu große Freiheiten im romantischen Sinne durch Rubati, kleine Verzögerungen und zeitliche Hervorhebungen, erlauben zu können. Vielmehr kommt es auf absolute Präzision und Klangschönheit in jeder einzelnen Note an, jeder noch so kleine Makel ist sofort hörbar.

Die Sinfonietta Cracovia hatte beim Schlosskonzert drei Stücke der Wiener Klassik ausgewählt und gab sich damit keine Blöße. Großartig waren vor allem das absolut präzise Zusammenspiel und die facettenreiche, detailliert ausgearbeitete Dynamik. Während Felix Mendelssohn-Bartholdy zu den Komponisten der Romantik zählt, sind seine Frühwerke noch eindeutig von klassischen Elementen geprägt. Seine „Sinfonia X in h-Moll“ ist dennoch eindeutig von der typischen Handschrift des Komponisten geprägt.

Das polnische Orchester überzeugte auch hier, jetzt zusätzlich mit Horn, Fagott, Oboe und Flöte, mit feingliedrigem, konzentriertem Spiel. Es gestaltete die Musik in hervorragender Synchronität mal als sanftes Plätschern, mal als wilder Wellengang. Das Violinkonzert in D-Dur KV 218 von Wolfgang Amadeus Mozart zählt zu den Must-Haves im Repertoire eines jeden Geigers.

Nach der Pause konnte Susanne Hou, jetzt in einem anderen, pinken Kleid, vor allem mit ihren schönen Solokadenzen überzeugen. Während ihr „Spiccato“ manchmal schon beinahe hart war, passte ihr energetisches Spiel ansonsten gut zu dem feierlichen Stück. In virtuosem Dialog mit dem Orchester gab sie vor allem dem dritten Satz in Rondoform genau den richtigen verspielten, tänzerischen Charakter.

Das letzte Werk auf dem Programm war die Sinfonie Nr. 43 in Es-Dur von Joseph Haydn, die den Beinamen „Merkur“ trägt. Auch hier begeisterte die Sinfonietta Cracovia mit ihrer großen Wandelbarkeit, hervorragendem Zusammenspiel und konzentriertem Engagement jedes einzelnen Musikers. Ob als Frage-Antwort-Spiel, in feurigen und rasanten Läufen oder anmutigen Kantilenen, die Ensemblemitglieder hatten jedes Detail ausgearbeitet.

Nachdem dieser extrem kurzweilige Abend sich so schnell dem Ende zuneigte, überraschte die Sinfonietta Cracovia noch mit einer ganz besonderen Zugabe: Joseph Haydn hatte genau einen polnischen Schüler. Dessen Ouvertüre in g-Moll stellte den krönenden Abschluss des Konzertes dar, das ja auch mit dem Werk eines polnischen Komponisten begonnen hatte. In furioser Leidenschaft und mit viel Witz ließen die Musiker ihre Bögen ein letztes Mal über die Saiten tanzen und wurden mit frenetischem Beifall belohnt.

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