Bahnhof Dachau  Siegerentwurf des Kölner Büros Astoc
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„Eine gelungene Mischung, der dem Ort eine gewisse Urbanität verleiht“: So lobte Jury-Vorsitzender Uli Hellweg den Siegerentwurf des Kölner Büros Astoc. Die Pläne sehen hohe Gebäude entlang der Frühlingstraße, aber keine Hochhäuser vor. Zudem soll es im Süden des Planungsbereichs eine „grüne Oase“ geben.

Präsentation der Entwürfe für ein wichtiges städtebauliches Projekt

Ein Bahnhof, der zu Dachau passen muss

  • Stefanie Zipfer
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Nach der Bebauung des früheren MD-Papierfabrikgeländes ist die Umgestaltung des Dachauer Bahnhofs das wichtigste städtebauliche Projekt der nächsten Jahre. Umso bedauerlicher war es da, dass die Präsentation der Entwürfe für das 3,7 Hektar große Gelände nur digital stattfinden konnte.

Dachau – „Es wird eine informative Veranstaltung“, versprach Oberbürgermeister Florian Hartmann seinem Publikum am Montagabend. Und er hielt Wort! Gemeinsam mit – unter anderem – seinem Stadtbauamtsleiter Moritz Reinhold, den Bahn-Vertretern Mareike Schoppe und Alf Hoinkes, Uli Hellweg als Vorsitzendem des Preisgerichts sowie der Moderatorin des Abends, Gabriele Heller vom Kommunikationsbüro Heller und Späth, präsentierte er sämtliche 13 eingerichten Arbeiten, die im Zuge des Ideenwettbewerbs zur Umgestaltung des Bahnhofs beziehungsweise des westlichen Bahnhofsumfelds im vergangenen Jahr eingereicht worden waren. Die Experten zeigten dabei auf, wie es zu dem Ergebnis kam, welche Argumente sie am Ende am Siegerentwurf überzeugt hatten, welche „tragenden Ideen“ sie darin sehen und warum laut OB Hartmann dennoch keiner der Entwürfe „eins zu eins übernommen werden kann“.

Bemerkenswert: Trotz der mitunter etwas trockenen und sehr technischen Sprache blieben von den anfänglichen 154 Teilnehmern knapp 100 bis zum Schluss; zudem wurden im Zuge der zweistündigen Veranstaltung weit über 60 Fragen gestellt.

Die Aufgabe

Die Aufgabe an die Planungsbüros war anspruchsvoll. Denn: Das zu überplanende Gelände ist zwar insgesamt 3,7 Hektar groß, aber speziell die Fläche entlang der Frühlingstraße ist sehr schmal. Viele der Entwürfe, so Jury-Chef Hellweg, erlagen daher der Versuchung, „mit Großstrukturen“ zu arbeiten – sprich: dort einen langen Gebäudeklotz zu platzieren. Die Jury aber achtete genau darauf, die Vorgaben aus der ersten Bürgerbeteiligung im Jahr 2017 einzufordern, die darauf abzielten, den Bahnhof zwar zu modernisieren, einen geräumigen Busbahnhof zu schaffen, Unternehmen in dem Bereich anzusiedeln, aber dennoch „die Maßstäblichkeit“ zu behalten. Mit anderen Worten: Der Bahnhof soll nicht überdimensioniert, sondern eine zu Dachau passende „Visitenkarte der Stadt“ werden. Da von vorn herein klar war, dass kein Büro diese in Beton gegossene „Eierlegende Wollmilchsau“ werde liefern können, habe die Jury laut Hellweg die Frage gestellt: „Wer bekommt alle Anforderungen am besten unter einen Hut?“

Der Sieger

Den Anforderungen am besten gerecht wurde der Entwurf des Kölner Büros Astoc Architects und Planners GmbH. Angefangen beim historischen Bahnhofsgebäude, das nach dem Wunsch der Bürger erhalten bleiben sollte. Klar, betonte Jury-Präsident Hellweg, sei es aus funktionaler Sicht für heutige Anforderungen an Bahnhofsempfangshallen „unbrauchbar“. Künftig soll es daher als Veranstaltungs- und Kulturstätte zu einem „vibrierenden Ort“ werden.

Was die Ausnutzung der Flächen betrifft, bewegt sich der Siegerentwurf am untersten Rand der Vorgabe: Die Stadt nannte 8000 bis 12 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, die künftig „bespielt“ werden sollte. Die Sieger-Pläne von Astoc nutzen knapp unter 8000 Quadratmeter, „aber nur Masse bringt ja auch nix“, meinte dazu Bahn-Mann Alf Hoinkes.

Der Busbahnhof soll den Plänen entsprechend entlang der Frühlingstraße entstehen – ein gutes Stück entfernt vom Bahnhofshauptgebäude. Um speziell das Problem der engen Zufahren zu lösen, fragte ein Bürger am Montag nach, ob man nicht noch einfach weitere Flächen „von der Bahn zukaufen“ könnte, da damit ja auch der Vorplatz „schnuckeliger“ werden könnte. Doch Mareike Schoppe winkte ab: „Wir haben alle Flächen in den Topf geworfen. Mehr geht nicht.“

Nach den Plänen soll es unter dem Busbahnhof eine Tiefgarage geben, die jedoch nur von denjenigen Autofahrern genutzt werden soll, die in den neuen Gebäuden entlang der Frühlingstraße wohnen und arbeiten. Die Stadt will aber darauf drängen, weiter im Süden eine weitere Tiefgarage zu planen. Grundsätzlich, das betonten alle Redner, sollen die Nutzer des Bahnhofs möglichst nicht mit dem Auto zum Bahnhof kommen. Auch die Nutzung der künftigen Bürogebäude soll daher so gestaltet werden, dass die Geschäfte keinen Autoverkehr anziehen. „Eine Shoppingmall“, so Reinhold, „wird es nicht geben!“

Was dem Preisgericht am Siegerentwurf besonders gefiel, ist die Sichtachse von der Bahnhofstraße auf das historische Bahnhofsgebäude. Damit man von der Langhammer Straße ebenfalls freie Sicht auf den Bahnhof hat, soll das große L-förmige Gebäude noch etwas versetzt werden.

Eine wichtige Anforderung war die „gemeinsame Nutzung des Straßenraums“ durch alle Verkehrsteilnehmer. Dieses friedvolle Miteinander soll garantiert werden durch zum einen eine Tempo-20-Regel im Bereich von der Bahnhof- zur Frühlingstraße. Zum anderen werden die Radfahrer ebenerdig zum Bahnhofsplatz und von dort in eine Unterführung Richtung Osten beziehungsweise in das Parkhaus gelotst. Wobei, gerade in diesem Punkt die Stadt Nachbesserungen verlangt: Wie genau die Radler in die als Stadtteilverbindung fungierende Unterführung kommen, sei im Entwurf noch nicht richtig klar erklärt.

Offene Fragen

Da der Siegerentwurf nicht in allen Punkten restlos überzeugen konnte, sind Nacharbeiten nötig. Sich dabei einfach der Ideen der anderen Entwürfe zu bedienen, geht dabei aber aus Urheberrechtsfragen nicht. Dennoch, so Bauamtsleiter Reinhold, müsse der Astoc-Plan nun „unter Berücksichtigung bestimmter Anregungen“ weiterentwickelt werden. Am Ende aber, so Reinhold, „bleibt es das Werk des ersten Preisträgers“.

Die Bauphase – auch wenn die laut Reinhold noch „in weiter Ferne ist“ – wird für die direkte Nachbarschaft vergleichsweise geringe Einschränkungen bedeuten: „Alle Gebäude bleiben weiter erschlossen. Der Einzige, der richtig eingeschränkt ist, ist die Bahn selbst.“

So geht es jetzt weiter

Insgesamt 14 Überarbeitungshinweise haben Stadt und Bahn zusammengestellt. Mit dem Architekturbüro sollen diese nun „intensiv diskutiert“ und am Ende in den Entwurf eingearbeitet werden. Die schwerste Aufgabe dürfte sein, das Problem des in den Augen der Stadträte zu weit entfernten Busbahnhofs zu lösen.

Sind dann alle Hinweise im Siegerentwurf berücksichtigt, wird dieser in einer gemeinsamen Sitzung des Umwelt- und Verkehrs- sowie des Bau- und Planungsausschusses öffentlich diskutiert und gegebenenfalls durch das Gremium ergänzt. Anschließend folgt eine weitere Bürgerbeteiligung, deren Ergebnis – inklusive möglicher weiterer Ergänzungen – erneut dem Stadtrat vorgelegt wird, der dann einen Plan beschließen wird, mit dem man in das offizielle Bebauungsplanverfahren starten kann. Alles in allem, fasste es der Bauamtschef am Montag zusammen, „haben wir schon noch einen gewissen Weg vor uns“.

Alle Arbeiten im Überblick

Die Stadt stellt sowohl alle 13 eingereichten Arbeiten sowie eine Dokumentation der Veranstaltung vom Montagabend auf ihre Internetseite. Auch diejenigen Fragen, die aus Zeitmangel nicht mehr vorgetragen und beantwortet werden konnten, finden sich nun unter www.dachau.de.

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