Amtsgericht Dachau

Geschleudert, geschlenzt, getroffen

Geschleudert, geschlenzt oder gar doch zielgerichtet geworfen? Diese Unterscheidung hatte Richter Lukas Neubeck am gestrigen Mittwoch im Amtsgericht zu klären. Allerdings ging es bei dem Fall nicht um Sport, sondern um den Vorwurf der Körperverletzung.

Dachau – Ein 27-jähriger Dachauer Maurer musste sich gestern vor dem Dachauer Amtsgericht wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung verantworten. Vorgeworfen wurde ihm, in der Nacht des 18. August vergangenen Jahres auf dem Dachauer Volksfest mit einem Masskrug auf einen Widersacher gezielt – und dann einen völlig Unbeteiligten am Kopf getroffen zu haben.

Der Angeklagte zeigte sich geständig, auch wenn er alkoholbedingt wenig Erinnerungen an den Abend habe. „Den Masskrugwurf habe ich nicht mehr im Kopf, aber wenn die Zeugen das so schildern, wird es schon so gewesen sein“, ließ er über seinen Anwalt mitteilen. Er könne sich konkret nur noch an eine Streiterei erinnern – Auslöser unbekannt. Der Beschuldigte hatte an besagtem Abend stattliche 2,5 Promille im Blut.

Ein anderer Volksfestbesucher, den der Angeklagte ursprünglich mit seinem Wurf hatte treffen wollen, berichtete dem Gericht, dass der Angeklagte schon eine Weile aggressiv und pöbelnd durch die Reihen marschiert sei. Irgendwann habe es ihm gereicht, und er habe dem Pöbler aus sicherer Entfernung von ein paar Tischreihen zugerufen: „Wenn du das Bier nicht verträgst, dann geh heim!“ Der betrunkene Angeklagte kam dieser Empfehlung jedoch nicht nach, stattdessen warf er den Masskrug.

Der Wurf verfehlte sein Ziel deutlich und traf einen völlig Unbeteiligten. Dieser gab bei der Polizei zu Protokoll, plötzlich einen harten Schlag am Hinterkopf gespürt zu haben und auch „ziemlich nass“ geworden zu sein. Der Geschädigte erlitt außer einer Beule glücklicherweise keine schwereren Verletzungen.

Aufgrund des raschen Geständnises ging es im Verlauf der Verhandlung vor allem um die Schwere der Schuld. Nicht unmaßgeblich war dafür Art und Ausführung des Masskrugwurfes. Richter Neubeck erkundigte sich nach der Flughöhe, woraufhin der Zeuge berichtete: „Der ist mehr so gesegelt.“ Neubeck: „Also war er geschleudert?“ Gestenreich führte der Zeuge dem Gericht vor wie der Wurf ausgesehen habe, schließlich etablierte Neubeck die Formulierung „Wischer“ für den Wurf.

Aus der Demonstration und Erzählung des Zeugens konnten weder Staatsanwaltschaft noch Gericht einen zielgerichteten Wurf erkennen. Zur allgemeinen Verwirrung hatte der Anwalt des Beschuldigten in seinem Plädoyer noch einen ganz neuen Begriff für den Wurf eingeführt, indem er von einem „Schlenzer“ sprach.

Egal, wie man den Wurf am Ende bezeichnete, das Gericht stellte fest, dass er auf jeden Fall keine schlimmen Folgen hatte. Sowohl für den kaum verletzten Getroffenen, als auch für den Angeklagten, der schließlich mit einer Geldstafe davonkam.

Zugute gehalten wurde dem Angeklagten neben seines Versuches eines Geständnisses, dass er dem Geschädigten freiwillig ein Schmerzensgeld in bar mitgebracht hatte. Der Geschädigte war allerdings nicht vor Gericht erschienen und zeigte im Vorfeld auch sonst wenig Strafverfolgungsinteresse. Auch von einer Zivilklage hatte er abgesehen.

Das Gericht bescheinigte dem angeklagten Maurer zudem eine günstige Sozialprognose. Er ist nicht einschlägig vorbestraft und wurde somit am Ende zu einer Geldstrafe in Höhe von 4200 Euro verurteilt. „Auch wenn Sie es nüchtern nicht gemacht hätten, trotzdem haben Sie es billigend in Kauf genommen, jemanden zu verletzten“, erläuterte Richter Neubeck das Urteil.

Aljoscha Huber

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