Junger Serientäter vor dem Amtsgericht Dachau

„Mehr so eine Wiedergutmachung“

Wegen diverser Gewalt- und Eigentumsdelikte war ein junger Mann in den vergangenen Jahren Stammgast am Amtsgericht Dachau. Das Schöffengericht setzte dieser kriminellen Serie nunein vorläufiges Ende.

Dachau – Erst 22 Jahre alt, hat der junge Dachauer, der gestern auf der Anklagebank im Amtsgericht Platz nehmen musste, bereits eine beachtliche kriminelle Karriere hinter sich: Verurteilungen wegen diverser Drogendealereien, einer Sachbeschädigung, Diebstahl, Unterschlagung, Geldfälschung, einer vorsätzlichen Körperverletzung und Raub stehen zu Buche. Aktuell verbüßt der Dachauer eine zweieinhalbjährige Jugendhaftstrafe in der JVA Ebrach.

Zwei Monate aber, bevor er diese Haftstrafe antrat, am 12. Juli 2017, wollte der gelernte Lagerlogistiker scheinbar noch einmal richtig feiern. Der 12. Juli war sein 22. Geburtstag, ihn drückten Schulden, und sein Geldbeutel war leer. Da kam ihm ein flüchtiger Bekannter aus Schulzeiten gerade recht.

Die beiden trafen gegen 20.20 Uhr im Ludwig-Ernst-Park in Dachau-Ost aufeinander. Der alte Schulfreund solle ihm Geld geben, sonst drehe er ihm „alle Knochen um“, drohte der 22-Jährige. Er werde ihn jetzt zusammengeschlagen, er sei jetzt im Arsch, und wenn er zu den Cops gehe, würde er sterben, lautete laut dem Opfer der weitere Fortgang der Unterhaltung. 30 Euro erbeutete der 22 -Jährige am Ende.

Der Angeklagte gab aber eine andere Version der Geschichte zum Besten. Die Unterhaltung mit seinem alten Bekannten sei vollkommen einvernehmlich abgelaufen! Vor neun Jahren, noch an der Realschule, habe der Angeklagte nämlich – als Zwölfjähriger wohlgemerkt – bei seinem Opfer Marihuana kaufen wollen und ihm hierfür 10 Euro gegeben. Weder die Drogen noch sein Geld habe er aber je wieder gesehen. „Das hab ich mir gemerkt, das hat mich damals schon aufgeregt“, so der Angeklagte. Das Aufeinandertreffen im Park habe er daher als Chance verstanden, diese Schuld zu begleichen. Dass er sich zu den vermeintlich geschuldeten 10 Euro noch weitere 20 Euro aus dem Geldbeutels seines Opfers nahm, erklärte er so: „Das war mehr so eine Wiedergutmachung. Weil er sich ja neun Jahre nicht gemeldet hat.“

Das Opfer bestritt allerdings, je Schulden bei dem Dachauer gehabt zu haben. Und auch das Verhalten der beiden nach der Tat spricht nicht unbedingt für die Version des Angeklagten: Der Ausgeraubte schrieb dem 22-Jährigen nach der Tat über Facebook nämlich eine Nachricht, in der er – sinngemäß – sein Geld zurückforderte, andernfalls werde er zur Polizei gehen. Die Antwort: „Wer bist du? Ich kenn dich nicht!“

Das Schöffengericht folgte am Ende der Argumentation des Staatsanwalts: Der 22-Jährige habe sich demnach der räuberischen Erpressung schuldig gemacht. Dass „nur“ 30 Euro gestohlen wurden, sei reiner Zufall: „Hätte das Opfer mehr Geld im Geldbeutel gehabt, wäre auch das weg gewesen.“ Zudem handle es sich bei dem Angeklagten um einen gefährlichen Mann, der sein Opfer rein zufällig ausgewählt habe. Nur in der Höhe der Strafe unterschied sich das Urteil von der Forderung des Staatsanwalts. Für eineinhalb Jahre, anstelle der geforderten zweieinhalb Jahre, muss der junge Mann nun in Haft. Richter Tobias Bauer begründete dies mit „einer Lebenszäsur“: Bei seinen früheren Taten sei der 22-Jährige noch Jugendlicher gewesen.
Für sein weiteres Leben wünschte Bauer dem Verurteilten alles Gute: Dieser sei „ein cleverer Kerl“, in dem hoffentlich bald die „Erkenntnis reift, was für ihn gut ist oder nicht“. Der junge Mann gab sich einsichtig. Er wolle – nach der Haft – Mittlere Reife machen, Abitur und dann studieren.

Stefanie Zipfer

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