Surfer im Eisbach
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Bald auch mitten in Dachau möglich? Surfen auf dem Mühlbach, ähnlich wie hier auf dem Eisbach im Englischen Garten in München.

Oberbürgermeister lässt Bombe platzen

Mitten in der Stadt: Surfwelle in Dachau geplant - Bündnis reagiert skeptisch

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Surfer können sich freuen: Der Mühlbach in Dachau soll so umgebaut werden, dass eine surfbare Welle entsteht. Stadt und Investor führen darüber bereits Gespräche. Das Bündnis für Dachau allerdings ist skeptisch.

Dachau – Bei der jüngsten Bürgerversammlung ließ Oberbürgermeister Florian Hartmann die – zumindest für Surfbegeisterte – Mega-Bombe platzen: Mitten in Dachau, im künftigen MD-Viertel, soll der Mühlbach renaturiert und vor allem mit einer stehenden und damit surfbaren Welle ausgestattet werden. „Es gibt einen Kreis von Surfbegeisterten, die das wirklich gern hätten“, berichtete Hartmann.

Dachau: Surfwelle am Mühlbach geplant - „Experten meinen, dass wir es hinbekommen könnten“

Tatsächlich hatte es im näheren Umkreis in den vergangenen Jahren nur den Münchner Eisbach für die Wellenreiter gegeben; weil diese Welle aber mittlerweile an ihrer eigenen Berühmtheit und damit verbunden langen Warteschlangen leidet, braucht es weitere Surf-Spots. Und der Mühlbach in Dachau könnte dafür in Frage kommen.

Auf Nachfrage betont der OB, dass Fachleute derzeit entsprechende Prüfungen anstellen würden. Klar, so Hartmann, der Mühlbach führe relativ wenig Wasser, „aber die Experten meinen, dass wir es hinbekommen könnten“. Entscheidende Fragen seien beispielsweise, wie viele Kubikmeter Wasser pro Sekunde den Bach entlang strömten, entsprechend breit könnte dann die Welle gebaut werden. Grundsätzlich entstehen derartige Wellen durch abgeneigtes Gelände oder eine Art Rampe unter Wasser. Wo sich schnelles und langsamer fließendes Wasser treffen, entsteht eine dauerhafte Flusswelle.

Surfwelle in Dachau: Einige Fragen noch offen - Eigentumsverhältnisse und Unterhalt

Die nahe liegendere Lösung für eine ganzjährig surfbare Stadt-Welle wäre natürlich die Amper gewesen, die vom Wasserwirtschaftsamt derzeit im Rahmen des Projekts „Amper Rhei“ naturnaher und zugänglicher gemacht wird. Von der Wellen-Idee war man beim Wasserwirtschaftsamt Hartmann zufolge aber „nicht begeistert“. Und da das MD-Gelände ohnehin umgebaut werde, sei der Mühlbach als weitere Lösung ins Spiel gekommen.

Wobei es auch hier noch allerhand offene Fragen zu klären gibt. Als erstes die Frage der Eigentumsverhältnisse: Der Mühlbach gehört laut OB als sogenanntes Gewässer dritter Ordnung dem Freistaat; nach dem Umbau würde dieser das Gewässer aber dauerhaft an die Stadt abtreten. Was bedeutet: Für eventuelle Surf-Unfälle würde dann auch die Stadt die Haftung übernehmen müssen. Hartmann hofft, hier vielleicht eine Lösung mit einem Verein finden zu können, „oder ein bestehender Verein macht zum Beispiel eine Surfabteilung auf“.

Die zweite offene Frage ist die des Unterhalts. Während der OB in diesem Punkt auf die laufenden Verhandlungen mit der Isaria München Projektentwicklungs GmbH, der das MD-Gelände gehört, verweist, scheint die Stadtratsfraktion des Bündnis für Dachau an der Kooperationsbereitschaft des Investors zu zweifeln. In einer Pressemitteilung zeigte sich das Bündnis nämlich „verwundert über die neuen Webseiten zum MD-Gelände.

Surfwelle für Dachau: Bündnis für Dachau zeigt sich skeptisch - „Nicht mehr als Utopien“

In idyllischen Flusslandschaften wird das Projekt angepriesen, doch ist bisher nicht bekannt, wer für die Kosten aufkommen soll“. Bei der derzeitigen Haushaltslage seien „weder mittel- noch langfristig Dauerbelastungen für den Pflegeaufwand vor- und darstellbar“. Insofern würden die „Visionen und Anpreisungen des Bauträgers nicht mehr als Utopien“ sein und dienten „lediglich dazu, ein Stimmungsbild in der Bevölkerung zu erzeugen, das in der Realität offensichtlich von den Dachauer Bürgern bezahlt werden soll“.

Tatsächlich ist vieles, was die Ausgestaltung des Geländes und damit auch des Mühlbachs betrifft, noch nicht schriftlich fixiert. Verhandlungen für einen entsprechenden Städtebaulichen Vertrag laufen. Die Bündnis-Vertreter fürchten daher, dass die Unterhaltskosten für den Bach und damit auch die Welle dauerhaft an der Stadt hängen bleiben.

Isaria-Sprecher Wilhelm Brandt jedoch verspricht: „Mit dem auf dem Gelände der Papierfabrik entstehenden Mühlbachviertel möchten wir den Dachauern ein Stück Stadt mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität zurückgeben. Also keine Stein- und Betonlandschaften schaffen, sondern einen Ort an dem sich Menschen wohl fühlen.“

Dachau: Surfwelle als „tolle Ergänzung des vielen Grüns und der Sport- und Erholungsmöglichkeiten“

Die vom Bündnis kritisierten „idyllischen Flusslandschaften“ auf den Isaria-Internetseiten seien „eine Empfehlung, denn noch haben wir kein Baurecht. Mit Beispielen können wir allerdings verdeutlichen, welche Qualität wir uns wünschen. Eine Surfwelle kann beispielsweise die Attraktivität des Quartiers, das ja für alle Dachauer da sein soll, erhöhen“.

Grundsätzlich, bittet Sprecher Brandt speziell die Bündnis-Stadträte, sei es wichtig, weiter im „politischen Austausch“ zu bleiben. Die Qualität des neuen Quartiers hänge nämlich „wesentlich“ von diesem Austausch ab, weshalb die Isaria „sehr gerne unser Gesprächsangebot gegenüber dem Bündnis für Dachau erneuert“. Die Surfwelle jedenfalls sei Brandt zufolge „eine tolle Ergänzung des vielen Grüns und der Sport- und Erholungsmöglichkeiten, die wir vor Ort schaffen wollen“.

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