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Sie sollen über die Grundsiche rung aufklären: die Seniorenbeiräte Wolfgang Schmidt, Thea Zimmer, Heidi Hager, Hans Seelos, Barbara Loose, Karl Englmann, Dieter Moser und Karl Ebner. 

Auftrag für Seniorenbeirat

Eine Kampagne gegen die Scham

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Scham hält viele Rentner davon ab, eine Unterstützung zu beantragen, die ihnen eigentlich zustünde.  Oberbürgermeister Florian Hartmann hat eine Aufgabe für die Seniorenbeiräte: Sie sollen versuchen, Rentnern die Scham zu nehmen.

Dachau – Sie wollen keine Nörgler sein, waren es in der Vergangenheit aber trotzdem. Die Seniorenbeiräte kämpfen seit Jahren im Stadtrat für die Anliegen der älteren Dachauer. In ihrer Jubiläumssitzung im Alten Sitzungssaal des Rathauses zogen die Seniorenbeiräte nun Bilanz, denn das Gremium gibt es seit zehn Jahren. Dabei hatten sie Lob, aber auch Kritik für Oberbürgermeister Florian Hartmann (Bericht folgt). Und Hartmann hatte einen Auftrag an die Seniorenbeiräte, als Vorsitzende Thea Zimmer das Thema Altersarmut in der Stadt ansprach.

„Viele Menschen schämen sich, eine Grundsicherung zu beantragen“, sagte Hartmann. Wenn Bürger zu wenig Rente bekommen, können sie eine staatliche Aufstockung beantragen. Doch das trauen sich die meisten nicht. Die Seniorenbeiräte sollen deshalb eine Kampagne starten, um ihnen die Scham zu nehmen, schlug OB Hartmann vor.

„Das mit der Grundsicherung ist eine heikle Sache, sagt Thea Zimmer. Sie kennt Rentner im Landkreis, die am Existenzminimum leben: Sie verzichten auf Kuchen beim Seniorennachmittag, trinken nur eine Tasse Tee, sparen am Essen und vergraben sich zu Hause. Sie könnten Lebensmittel bei der Dachauer Tafel holen, aber das tun sie nicht. Von finanzieller Hilfe wollen sie erst recht nichts wissen: „Viele sagen, ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet, ich will jetzt keine Sozialhilfe beantragen.“ Die große Scham der Rentner sei die Krux bei dem Thema.

Deshalb wissen die Mitglieder des Seniorenbeirats derzeit noch nicht, wie sie die Aufklärungskampagne über die Grundsicherung aufziehen wollen. Ein Ansatz von Thea Zimmer: Die Senioren müssen begreifen, dass „die Grundsicherung beginnt, wenn die Scham aufhört.“ Viele Rentner hätten Angst, dass ihre Kinder für sie aufkommen müssen, wenn sie eine Hilfe vom Staat beantragen – das sei aber falsch.

Zudem müsste die Kampagne zeigen, dass es viele arme Rentner im Landkreis gibt. Vor allem Frauen seien betroffen, die ihre Kinder aufgezogen haben und erst spät wieder anfingen zu arbeiten. Außerdem bekämen viele nur eine kleine Rente, weil sie früh entlassen worden sind.

Vor allem die Wohnkosten belasten diese Rentner. Thea Zimmer konfrontierte deshalb den Oberbürgermeister damit, wie die Stadt das Wohnproblem in Zukunft angehen werde. Hartmann betonte, dass sich vor allem die Bundespolitik mit dem Thema Altersarmut beschäftigen müsse. Doch die Stadt baue in den nächsten Jahren 200 Sozialwohnungen und unterstütze die Dachauer Tafel. Doch dorthin müssen sich die Senioren erst trauen.

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