Ein junger Mann aus Erding hat sich vor dem Dachauer Jugendschöffengericht verantworten müssen.
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Ein junger Mann aus Erding hat sich vor dem Dachauer Jugendschöffengericht verantworten müssen.

Schöffengericht gibt ihm „eine letzte Chance, sich zu bewähren“

Amtsgericht Dachau: 23-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs seiner Cousinen verurteilt

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern hat das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Christian Calame gestern einen 23-jährigen Erdinger zu einer zweijährigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.

Dachau ‒ Der junge Mann, der in Begleitung seines Anwalts, seiner Mutter und seines weißen Stoffeisbären in Dachau erschien, gab zu, 786 Dateien kinderpornographischen Inhalts besessen zu haben, in zwei Fällen kinderpornographische Schriften selbst hergestellt zu haben und im Zeitraum zwischen 2013 und 2019 an seinen beiden im Dachauer Hinterland lebenden Cousinen in fünf Fällen sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben; die beiden Mädchen waren dabei – zum Teil deutlich – unter 14 Jahre alt.

Das Gericht attestierte dem 23-Jährigen in seinem Urteil eindeutig „schädliche Neigungen“: Die Taten seien „von der Intensität her erheblich“ gewesen, die Fülle der unbeschreiblich grausamen Kinderporno-Bilder enorm. Die beiden Cousinen seien sehr jung gewesen, so Calame, und der Angeklagte habe ihr Vertrauen „erheblich ausgenutzt“.

Weiterer Beleg seiner schädlichen Neigungen sei auch, dass der junge Mann im vergangenen Frühjahr wegen des Handels mit Marihuana und Amphetaminen vom Amtsgericht Erding zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Überhaupt, so Calame, führe der Erdinger „kein richtiges zielführendes Leben“, sondern hänge nur, ohne Arbeit oder Ausbildung, „zuhause rum“. Insofern sei es auch zweifelhaft, dass er „seinen Drang zu Kindern überwunden hat“.

Dass der 23-Jährige dennoch eine Bewährungsstrafe bekam, ist auf sein Geständnis und seine grundsätzliche Kooperationsbereitschaft zurückzuführen: Seit eindreiviertel Jahren besucht er eine Therapie, um seine pädophilen Neigungen in den Griff zu bekommen. Zudem seien seine Übergriffe „nicht im härtesten Bereich“ gewesen, es gebe „weitaus schlimmere Taten“. So habe er, wenn die Mädchen ihn gebeten hätten, aufzuhören, auch stets „die wichtige Reißleine gezogen“.

Daher, so fand das Gericht am Ende, soll der junge Mann nun noch ein letztes Mal „die Chance bekommen, sich zu bewähren“. Jeder weitere Übergriff aber führe ihn unweigerlich ins Gefängnis.

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