1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Dachau

Neue Corona-Regeln: Dachauer Einzelhändler fürchten um ihr Weihnachtsgeschäft

Erstellt:

Von: Stefanie Zipfer

Kommentare

Kein Zutritt ohne 2G-Nachweis: Einkaufen dürfen im Einzelhandel ab Mittwoch nur noch Geimpfte und Genesene. Verkaufsberater werden damit in vielen Fällen zu Impf-Kontrolleuren. Bild: Verkäuferin Gabriela Wright (l). macht bei Engelbert Strauss in Bergkirchen schon mal vor, wie es ab kommender Woche in ihrem Geschäft laufen wird.
Kein Zutritt ohne 2G-Nachweis: Einkaufen dürfen im Einzelhandel ab Mittwoch nur noch Geimpfte und Genesene. Verkaufsberater werden damit in vielen Fällen zu Impf-Kontrolleuren. Bild: Verkäuferin Gabriela Wright (l). macht bei Engelbert Strauss in Bergkirchen schon mal vor, wie es ab kommender Woche in ihrem Geschäft laufen wird. © Nobert Habschied

Ab Mittwoch dürfen Ungeimpfte nicht mehr in alle Geschäfte. Die Einzelhändler in Stadt und Landkreis stellt die neue Regelung vor Herausforderungen. Vor allem die kleineren Geschäfte bangen nun um ihr Weihnachtsgeschäft.

Dachau – Für Einzelhändler wie Sebastian von Gersdorff von der Dachauer Buchhandlung „Subtext“ und Isabel Seeber, die an der Münchner Straße ihre „Candisserie“ betreibt, ist die Vorweihnachtszeit die wichtigste Zeit des Jahres. Da brummt der Laden, die Kundschaft will Weihnachtsgeschenke und ein bisschen vorweihnachtliche Stimmung. Im Gegenzug machen die Unternehmer in dieser Zeit den meisten Umsatz des Jahres.

Die Maßnahme komme zum schlechtesten Zeitpunkt

Das mit der weihnachtlichen Stimmung und dem Umsatz dürfte heuer aber – wie schon vergangenes Jahr – schwierig werden. Die Begeisterung Gersdorffs und Seebers über die Einführung der 2G-Regel im Einzelhandel hält sich daher, vorsichtig formuliert, in engen Grenzen. „Betriebswirtschaftlich gesehen“, so der Buchhändler, kommt die Maßnahme „für uns zum schlechtesten Zeitpunkt“. Die Kunden seien ohnehin schon verunsichert, und nun verliere der stationäre Handel auch noch sein stärkstes Pferd im Ringen mit dem Onlinehandel. „Als Einzelhändler sind wir auch irgendwo Gastgeber, wir wollen, dass die Leute sich bei uns wohl und gut beraten fühlen.“ Indem er jetzt nun einen Mann an der Tür abstellen müsse, der die Impfausweise kontrolliert, fehle ihm eine Fachkraft in der Kundenbetreuung. Für einen Einzelhändler wie ihn sei die neue Regelung daher, „wie wenn man einen Hund gegen den Strich streichelt“.

„Für uns Kleine ist die Regelung nicht durchsetzbar.“

Candisserie-Chefin Isabel Seeber, die gleichzeitig Vorsitzende des Gewerbevereins „Dachau handelt“ ist, sieht es ähnlich. „Für uns Kleine ist die Regelung nicht durchsetzbar.“ Vor lauter Arbeit könne sie eh gerade „nicht nach rechts und links schauen, und jetzt soll ich noch einen Mitarbeiter an die Tür abstellen“?

Marcus Vorwohlt, Chef des Modegeschäfts Rübsamen in Dachau sowie fünf weiterer Filialen in Oberbayern und Schwaben, hat zwar aufgrund seiner Größe nicht die Personalsorgen der Zwei- und Drei-Mann-Betriebe. Dennoch hält er die 2G-Regel im Einzelhandel „nicht nur für falsch, sondern auch für verfassungswidrig“. Überhaupt sei mit diesem, nun in Berlin beziehungsweise München verkündeten Plan wieder genau das passiert, was Unternehmer wie er seit bald zwei Jahren beklagen: „Die Politiker sagen was. Aber wie wir das dann umsetzen sollen, das sagen sie nicht.“

Bei Rübsamen in der Altstadt werde es nun so laufen, dass die Mitarbeiter auf ihre Handys eine Corona-Check-App laden werden, mit deren Hilfe sie dann den Impfstatus der Kunden kontrollieren müssen. Zudem werden am Eingang Schilder aufgestellt, die auf die 2G-Regel hinweisen. Vielleicht, so hofft er, „haben wir Glück und die Kunden können damit umgehen“.

„Eine Emotionale Katastrpophe“

Viel schlimmer als die Angst um das Weihnachtsgeschäft ist für Vorwohlt und seine Mitarbeiter aber ohnehin die „emotionale Katastrophe“. Niemand habe gedacht, „dass uns die Krise in dieser wichtigen Zeit wieder einholt“. Mit diesem „Frust“ umzugehen, sei fast schwieriger als die Handhabung der neuen Coronaregeln.

Engelbert Strauss sucht Türsteher

Bei Engelbert Strauss in Bergkirchen macht man sich derzeit ebenfalls auf die Suche nach „Doormen“, also Türstehern, wie eine Sprecherin des im hessischen Biebergemünd sitzenden Unternehmens erklärt. Diese Türsteher sollen die Verkäufer entlasten und Impfausweise der Kunden prüfen, was – klar – auch das „Einkaufserlebnis im Store“ beeinträchtigen werde.

Allerdings generiere der Anbieter für Arbeitskleidung aller Art ohnehin einen Großteil seines Umsatzes online, und die Verunsicherung der Bürger angesichts wachsender Infektionszahlen, so die Sprecherin, sei zuletzt „eh schon spürbar“ gewesen. Zähle der Bergkirchener Strauss-Laden an einem „normalen Samstag“ rund 4000 Kunden, seien es am vergangenen Samstag nur noch 2600 gewesen. Da „sicherlich nicht alle Kunden begeistert“ von der neuen 2G-Regel seien, sei man bei Engelbert Strauss zudem „auf kritische Gespräche vor Ort eingestellt“.

Auch interessant

Kommentare