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Elternbewegung macht gegen Masken mobil

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Von: Thomas Zimmerly

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Claudia Bösewetter: „Viele sehen das mit den Masken so wie wir.“  Foto: privat
Claudia Bösewetter: „Viele sehen das mit den Masken so wie wir.“  Foto: privat © Privat

Eine Elternbewegung macht mobil gegen die Maskenpflicht für Schüler im Landkreis Dachau im Unterricht. In einem Brief an das Landratsamt bringt die Initiative zahlreiche Argumente gegen die Vorschrift vor. Ein Vater eines von der Maskenpflicht befreiten Schülers spricht davon, dass sein Sohn bisweilen wie ein „Aussätziger“ behandelt wird. Landrat Stefan Löwl ist wenig begeistert von der neuen Bewegung.

Dachau – 27 Eltern sowie zwei Lehrkräfte der Montessorischule Dachau haben sich zusammengetan, um gegen die seit vergangenem Montag geltende Maskenpflicht für Schüler im Landkreis Dachau während des Unterrichts zu protestieren. Wie Claudia Bösewetter aus Erdweg, die gemeinsam mit Verena Rother, die Bewegung aus der Taufe gehoben hat, sagt, denken sie und ihre Mitstreiter hauptsächlich an Grundschüler, darüber hinaus aber auch an Fünftklässler oder gar an noch ältere Schüler. Sollte es für ältere Schüler „andere Erkenntnisse geben“, dann hätte ihre Bewegung freilich nichts gegen Masken im Unterricht.

Für die Schüler der unteren Klassen allerdings gebe es laut der Initiative zahlreiche Gründe, die gegen einen Maskenzwang sprächen. So hätten etwa die bisherigen Regelungen (etwa Maskenpflicht auf Begegnungsflächen, Pausenhof, Bus) funktioniert. Im Brief schreibt die Bewegung weiter: „Den Kindern bietet sich kaum bis gar keine Möglichkeit, die Maske abzusetzen. Ein Lernen und unbefangenes Aufnehmen von Informationen und Wissen ist nur eingeschränkt möglich und erzeugt das Gefühl, beengt und geistig nicht voll anwesend sein zu können.“ Und: „Kinder infizieren sich nachweislich seltener – das Virus scheint bei ihnen nicht so gut ,andocken’ zu können.“

Bösewetter betont, dass „wir garantiert nicht auf den Verschwörungstheoretikerzug aufgesprungen sind“. Doch wie heißt es im Brief weiter: „Der Einschnitt für alle Schüler ist nun allerdings dermaßen einschneidend und unverhältnismäßig (im Verhältnis zu auftretenden Corona-Fällen in Schulen).“

Bösewetter selbst hat bereits persönlich reagiert und ihre Tochter (7) aus der Schule genommen. Nicht etwa wegen körperlicher Beschwerden, sondern wegen psychischer Probleme. „Sie wollte nicht mehr in den Bus einsteigen und in den Unterricht gehen“, so die Mutter. „Es war herzergreifend zu sehen, was die Maskenpflicht aus ihr gemacht hat.“ Zu sagen ist, dass das Mädchen die Ganztagsklasse der Montessorischule von 8 bis 16.30 Uhr besucht.

Ein Vater ist aus einem anderen Grund der Elternbewegung beigetreten. Sein Sohn hat eine Maskenbefreiung – mit Attest und Diagnose –, weil dem Achtjährigen mit Maske ständig schlecht wurde und er zudem Atembeschwerden bekam. Bereits zu Zeiten der eingeschränkten Maskenpflicht sei sein Sohn oft gehänselt worden. Als am vergangenen Montag die Maskenpflicht auch für Grundschüler kam, wurde der Achtjährige „mit Riesenabstand von den anderen weggesetzt“, so der Vater. „Sein Gesicht musste er zum Schrank wenden!“ Dazu kamen bissige Kommentare seiner Mitschüler wie: „Du steckst ganz Deutschland an“ und „Du kannst von der Schule fliegen“. Er sei zum Teil „wie ein Aussätziger behandelt“ worden, so der Vater, „das geht in Richtung Mobbing“. Deswegen und weil der Bub eine leichte Erkältung bekam, nahm die Familie den Bub aus dem Unterricht – bis auf Weiteres.

Der Vater „versteht die Rolle der Lehrer bei dem Ganzen“, jedoch würden diese zu sehr auf die Vorschriften beharren und zu wenig Fingerspitzengefühl für den Einzelfall zeigen. In diesem Zusammenhang beklagt die Elternbewegung auch die Vorgehensweise der einzelnen Schulen. „Manche sehen das locker, andere machen mehr, als sie laut Vorschriften müssten“, so Claudia Bösewetter.

Landrat Stefan Löwl kann die Gründung einer derartigen Elternbewegung „nicht verstehen“. Er verwies gestern Nachmittag ganz aktuell auf vier bestätigte Infektionsfälle an Schulen. Daher sehe er momentan keine Möglichkeit, eine Ausnahme von der Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) zu gestatten. Ob es sich allerdings bei den aktuell Infizierten um Grundschüler oder aber um ältere Schüler oder etwa Abiturienten handelt, konnte Löwl nicht sagen. Laut Löwl wird es am heutigen Donnerstag ein Treffen der bayerischen Landräte zum Thema Infektionsgeschehen geben. Und am Freitagvormittag setzen sich die lokalen Entscheidungsträger im Landratsamt Dachau zusammen. Dann stehen die Themen MNB sowie der Präsenzunterricht mit auf der Agenda. Via Facebook ließ der Landrat verlauten: „Unser primäres Ziel ist es nach wie vor, den Präsenzunterricht an den Schulen sicherzustellen.“

Nichtsdestotrotz macht die Bürgerbewegung jetzt mobil und hat eine Unterschriftenaktion gestartet. Zudem soll etwa vor Lebensmittelmärkten im Landkreis für die eigene Sache geworben werden. Auch Eltern von Kita-Kindern sollen zum Mitmachen bewegt werden. Claudia Bösewetter ist sich sicher: „Viele Eltern sehen das mit den Masken so wie wir. Und sie sind froh, wenn sie merken, hier tut jemand was.“

Wer der Elternbewegung beitreten möchte,

kann sich per E-Mail an Claudia.Boesewetter@gmail.com melden.

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