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Proben im heruntergekommenen Haus (Foto oben): Musikalischer Leiter Eduard Civeja mit Aurelia Ludwig (links) und Sophia Hofmann.

Knabenkapelle Dachau

Endlich ein neues Musikheim

Das Musikheim der Knabenkapelle Dachau wird ab kommenden Jahr zur Großbaustelle. Der Verein will sein Anwesen für über drei Millionen Euro erweitern, beziehungsweise umbauen.

Dachau – Im Prinzip, sagt Vorsitzender Tilo Ederer, war das Musikheim der Knabenkapelle Dachau schon immer zu klein, „von Anbeginn an“. Seit 1971 spielen, proben und singen die Musiker der Knabenkapelle an der Sudetenlandstraße 63. „Es gab nie genug Unterrichtsräume, weil das Haus ja früher ein Kino war.“ 

Das heruntergekommene Musikheim „kann man niemanden mehr zumuten“

Schon in den 80er- und 90er-Jahren habe es Überlegungen gegeben, das Gebäude zu verlassen. „Massenhaft Pläne, meterweise Ordner“, so Ederer, bezeugten die Bemühungen des Vereins, der unbefriedigenden Situation endlich Abhilfe zu schaffen.

Tilo Ederer (links) zeigt, wie marode das Musikheim der Knabenkapelle ist. Notdürftig wurde das Mauerwerk, das zum Vorschein gekommen war, mit einer Plastikplane überklebt.

Mittlerweile aber seien die Zustände einfach „untragbar“ geworden: Musikunterricht wird Ederer zufolge bereits ausgelagert an die Grundschule Dachau-Ost; das Haus an der Sudetenlandstraße selbst sei so „heruntergekommen, dass man das niemandem mehr zumuten kann“. 

Jetziges Musikheim der Knabenkapelle ist „existenzgefährdend“

In Zeiten, in denen Vereine um neue, junge Mitglieder kämpfen müssten und damit auch das äußere Erscheinungsbild einer Institution eine Rolle spiele, sei das gegenwärtige Musikheim schlicht „existenzgefährdend“.

Aus diesem Grund ist der Verein – in enger Abstimmung mit dem Bauamt der Stadt – vor eineinhalb Jahren denn auch in die Vollen gegangen. Das heißt: Es wurden Planer und Architekten beauftragt, den Musikern der Knabenkapelle eine neue Heimstatt zu bieten. Der vorläufigen Kostenschätzung – insgesamt 3,3 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre – gab der Kulturausschuss des Stadtrats in seiner jüngsten Sitzung nun sein Einverständnis (wir berichteten). 

Das letzte Wort darüber hat nun der Stadtrat, der im Dezember den Gesamthaushalt – und damit auch den Zuschuss an die Knabenkapelle – verabschieden wird.

Wie viel kostet die Sanierung?

Stimmt der Stadtrat zu, wovon auszugehen ist, wird sich das Bauprojekt in drei Schritten vollziehen. In einem ersten Schritt soll im Jahr 2018 ein ebenerdiger Anbau auf der Westseite des Musikheims entstehen. Darin sollen laut Ederer dann Funktionsräume zur Aufbewahrung von Trachten, Instrumenten und des Notenarchivs sowie Sanitäranlagen Platz finden. Geschätzter Kostenpunkt: 665 000 Euro.

Ein Jahr später soll im zweiten Schritt, für geplante 1,67 Millionen Euro, der bestehende Kopfbau abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Der Neubau soll Ederer zufolge größer und höher werden als der bestehende Bau: mit Unterkellerung, sechs Unterrichtsräumen, einem Büro sowie Foyer und Wartebereich. Im dritten Abschnitt schließlich, vorgesehen für 2020 und zu geschätzten Kosten von 658 000 Euro, wird der alte Kinosaal umfassend renoviert.

Stadtrat Günter Heinritz hatte in der Sitzung des Kulturausschusses nachgefragt, welche Sicherheiten es für diese Millionen-Investition gebe. „Was machen wir, wenn der Verein sich auflöst?“ Knabenkapelle-Vorsitzender Tilo Ederer kann den SPD-Mann in diesem Punkt beruhigen: „Wir haben ganz sicher nicht vor, uns aufzulösen. Wir wollen unsere gute Arbeit, die wir in künstlerischer Sicht seit Jahrzehnten leisten, beibehalten.“

Er verstehe, dass die Stadt sich absichern wolle, klar. Allerdings stehe „seit Urzeiten in der Satzung der Knabenkapelle, dass unser Vermögen an die Stadt geht, wenn der Verein sich auflöst“. Für beide Seiten habe die Zusammenarbeit bisher aber „sehr gut funktioniert“.

Wann soll das Musikheim fertig werden?

Bis Stadt und Verein jedoch gemeinsam die neue Lern-, Spiel- und Übungsstätte der Knabenkapelle im Jahr 2021 mit einem Eröffnungskonzert in Betrieb nehmen können, stehen den Verantwortlichen um Tilo Ederer noch „drei Jahre harter Arbeit vor uns“. Eine Alternative, so der Vorsitzende, gebe es aber nicht: „Der Verein braucht das, Dachau braucht das. Das muss jetzt gemacht werden!“

Von Stefanie Zipfer

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