Senior vor Impfzentrum
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Viele Senioren wollen die Corona-Impfung, aber viele hatten auch Probleme bei der Anmeldung.

Landrat verspricht Besserung

Endlich gibt es Hilfe bei der Impfanmeldung

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Viele Senioren wollen sich gegen Corona impfen lassen, verzweifeln jedoch bei der Anmeldung. Endlich gibt es Unterstützung. Unter anderem von Fußballern.

Dachau/Indersdorf – Senioren klagen seit Wochen über Probleme bei der Impfanmeldung. Überlastete Telefonleitungen, der Kampf mit der Online-Anmeldung. Das alles gehört der Vergangenheit an, wie Landrat Stefan Löwl versichert. Denn verzweifelte Impfwillige werden von nun an zurückgerufen und erhalten so ihren Termin – gemäß dem gelobten „Freisinger Weg“ bei der Impfanmeldung.

Ende Januar hatte das Landratsamt Dachau die 9110 Landkreisbürger, die über 80 Jahre alt sind und damit laut Bundesregierung höchste Priorität bei der Reihenfolge der Corona-Impfung haben, per Brief aufgefordert, sich zur Impfung anzumelden. Doch die Versuche, sich anzumelden, scheiterten oft an einer überlasteten Telefonleitung. Inzwischen verweist das Landratsamt auf das Portal zur Impfregistrierung des Bayerischen Gesundheitsministeriums – wo viele bei der Eingabe der Daten verzweifeln (wir berichteten).

Im Landkreis Freising läuft es besser

Ein Vorbild ist der Landkreis Freising: Dort können sich die Senioren per Brief und per E-Mail vormerken lassen und werden angerufen, sobald Termine verfügbar sind. Verantwortlich dafür ist unter anderem ein Kommunalpolitiker aus dem Landkreis Dachau: Hubert Böck.

Böck, ehrenamtlich SPD-Kreisrat und Gemeinderat in Indersdorf, ist hauptberuflich Leiter des Rettungsdienstes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Freising und gleichzeitig auch stellvertretender Geschäftsführer. Als solcher ist er zuständig für die Organisation des Impfzentrums in Freising. Bei der Anmeldung zum Impfen habe man sich bewusst gegen eine Telefon-Hotline entschieden, erklärt Böck. „Wir rufen die Leute an und geben ihnen den Termin durch. Das heißt, sie hängen nicht stundenlang in einer Warteschleife.“ Das komme gut an.

Ende Dezember wurden die über 80-Jährigen – im Landkreis Freising etwa 10 000 Personen – vom Landratsamt angeschrieben, erhielten Anamnesebogen und Aufklärungsblatt zur Impfung. Per Brief oder E-Mail können sich die Senioren anmelden, mitsamt ausgefüllter Unterlagen. „4000 Anmeldungen haben wir per Post erhalten, 2500 bis 3000 per E-Mail“, sagt Böck. Am Anfang habe man die Absender nach Eingangsdatum sortiert und terminiert, inzwischen werde nach Alter sortiert, „damit die Älteren zuerst dran kommen“. Alles habe sich gut eingespielt, „wir laden zwei Tage vorher ein, und die Leute freuen sich, dass sie einen Termin haben“.

Diejenigen, die noch nicht angerufen wurden, werden allerdings trotzdem unruhig. „Wir haben sehr viele Nachfragen, warum wir uns nicht melden“, berichtet Böck. Das liege natürlich an der knappen Verfügbarkeit des Impfstoffs – wie überall. „Wir werden jetzt allen, von denen wir die Unterlagen schon haben, mitteilen, dass wir sie einladen, sobald wir Impfstoff haben“, erklärt Böck.

Alle jüngeren Bürger aus dem Landkreis Freising werden auf die Internetseite zur Impfregistrierung verwiesen. „Die nutzen wir dann, wenn wir unsere über 80-Jährigen abgearbeitet haben.“ Im Landkreis Freising erhielten die Bewohner und Mitarbeiter in den Seniorenheimen sowie Mitarbeiter in den Kliniken vergangene Woche ihre zweite Impfung, parallel laufen die Impfungen im Impfzentrum, genau wie im Landkreis Dachau.

Die Probleme bei der Anmeldung, für die sich Landrat Stefan Löwl bei den Senioren bereits in einem zweiten Schreiben entschuldigte, sollen nun auch der Vergangenheit angehören: Löwl versichert, dass seit Ende vergangener Woche die Telefonleitung unter der 116 117 nicht mehr überlastet sei. „Wir haben nur noch etwa 50 Anrufe pro Tag“, so Löwl. Anfang Januar, am ersten Terminvergabetag, hätten alleine im Impfzentrum Dachau über 4000 Personen versucht, einen der 350 dort verfügbaren Termine zu erhalten.

Senioren im Landkreis Dachau bekommen Hilfe

Außerdem setzt der Landkreis Dachau nun auf die Unterstützung von Senioren bei der Impfanmeldung: „Freie Träger wie Caritas, Nachbarschaftshilfen, Vereine werden den Senioren Unterstützung anbieten, sowohl bei der Anmeldung übers Telefon als auch über die Impfplattform im Internet“, so Löwl. In Indersdorf etwa erklären sich die Fußballer bereit, Senioren zu unterstützen. Die Senioren können sich bei Johannes Popfinger melden, unter Telefon 01 57/80 64 33 27 oder oder E-Mail an johannes.popfinger@gmx.de.

Auch Löwl verspricht telefonische Hilfe: „Wenn uns jemand schreibt, dass er seit Wochen niemanden erreicht, leiten wir es weiter an die Impfzentren. Die Mitarbeiter werden sich dann telefonisch bei demjenigen melden, beraten und machen individuell einen Termin aus .

Die Registrierung der Impfwilligen aus Dachau soll grundsätzlich über das Online-Portal www.impfzentren.bayern oder über die Telefonnummer 116 117 erfolgen. Die Callcenter der beiden Impfzentren Dachau und Karlsfeld sind Montag bis Samstag von 9 bis 13 Uhr besetzt.

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