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Inmitten „seiner“ Waisenkinder: Otto Kanamüller vor seinem „Home for Children“.

Otto Kanamüller aus Hebertshausen ist gestorben

Er widmete sein Leben den Waisenkindern

Otto Kanamüller ist tot. Der Hebertshauser ist nach längerer Krankheit am Karfreitag, 30. März, im Schwabinger Krankenhaus im Alter von 80 Jahren gestorben. Er hat für Straßen- und behinderte Kinder gelebt. Im Laufe der Jahre baute er ein Waisenhaus, sein „Home for Children“, in Indien auf.

Hebertshausen – Ende des Jahres 2016 besuchte Otto Kanamüller sein Waisenhaus zum letzten Mal. Rund 50 Waisen- und behinderte Kinder sind dort untergebracht, sie bekommen dort eine Schulausbildung. Schon damals war er von seiner Krankheit gezeichnet. Aber Otto Kanamüller nahm die beschwerliche Reise auf sich. Dabei hatte er einen Koffer voll Medizin für sich selbst – aber auch eine Menge Geschenke für seine Kinder, die ihn sehnsüchtig erwarteten.

Seine größte Sorge war natürlich, einen engagierten Nachfolger zu finden. Auch dem eigens gegründeten „Verein zur Förderung notleidender Straßen und behinderter Kinder in Indien“ galt seine Sorge. Wer führt den Verein weiter?

Otto Kanamüller wuchs in Unterweilbach auf, als Halbwaise. Als er vier Jahre alt war, hatte er seinen Vater im Krieg verloren. Nach der Lehrzeit arbeitete er bei der Mercedes-Sportwagenabteilung, dann als Flugzeugmechaniker und Autoelektriker bei der Bundeswehr. Er machte seinen Kfz-Meister und kam im Rahmen seiner Dienstreisen nach Südamerika, Afrika und Asien, wobei er Land und Leute kennenlernte. Die bitterste Armut erlebte er in Afrika und Indien. 1997 traf er in einem indischen Waisenhaus auf das Mädchen Saritha. Sie lag in einer Holzkiste. Beide Beine hatte sie bei einem Brand verloren. Otto beschaffte Gelenkprothesen und bezahlte ihre Schule und ein Medizinstudium. 2015 promovierte Saritha zur Ärztin. Darauf war Otto natürlich ganz besonders stolz.

Im vorigen Jahr konnte er zehn behinderten Mädchen im Ort Konthuruthy helfen. Sie wären elend zu Grunde gegangen, hätte Otto sie nicht in sein „Home for Children“ geholt. Sie werden nun von den Schwestern des Ordens „Sisters of the Destitude“ betreut und erhalten auch eine therapeutische Pflege. Die Unterkunft wurde entsprechend erweitert.

Otto Kanamüller war stets auf der Suche nach Paten für „seine“ Kinder sowie nach Spendern und Mitgliedern für seinen Verein, um sein Werk am Leben zu halten. Denn der Unterhalt für das Waisenhaus und die Schulbildung kostet. Mit ihm ist ein Mensch gestorben, dem das Leid der Kinder in Indien am Herzen lag. Er wollte immer helfen. Wer jetzt sein Lebenswerk weiterführt, ist noch ungewiss.

Sicher ist aber, dass viele Menschen um ihn trauern. Er hinterlässt seine Frau Lotte, eine Tochter und eine Enkeltochter – aber auch zahlreiche Waisenkinder, denen er wie ein Vater war.

Der Trauergottesdienst

findet am Samstag, 14. April, um 10 Uhr in der Pfarrkirche von Hebertshausen mit anschließender Beerdigung auf dem Friedhof bei der Kirche St. Georg statt.´

Klaus Rabl

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