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Steht ihre Frau: Annika Gerhard ist erfolgreiche und engagierte Youtuberin

Erfolgreiche Youtuberin aus Dachau

Annika Gerhard kämpft gegen Homophobie

Annika Gerhard (20) ist erfolgreiche Youtuberin. Was sie sagt, hat Gewicht. Die Dachauerin macht alles Mögliche zum Thema. Dass sie Frauen mag, eher nicht. Denn: Das sollte heutzutage normal sein, sagt sie. Doch es gibt Situationen, in denen sie nicht schweigen kann, weshalb sie 2017 eine Kampagne gegen Homophobie startete.

von Nathalie Neuendorf

Dachau – Annika Gerhard ist als Youtuberin sehr erfolgreich. Internet-Nutzern wird die 20-Jährige besser als „Annikazion“ bekannt sein – denn so heißt ihr Account auf der Unterhaltungsplattform Youtube. Ihre Videos wurden hunderttausende Male angesehen, und inzwischen hat sie mehr als 160 000 Abonnenten. In ihren Videos stichelt sie gegen TV-Formate wie „Die Jungs-WG“ oder auch „Germanys next Topmodel“ und macht sich über bestimmte Szenen lustig.

Dass sie homosexuell ist, spreche sie auch immer wieder an, sagt Annika Gerhard. „Aber meine Homosexualität ist nicht das Hauptthema, und ich will auch gar nicht zu viel dazu machen.“ Schließlich hat die 20-Jährige folgendes Anliegen: Die Leute sollen mit dem Thema Homosexualität ganz normal umgehen.

„100-prozentig klar war es für mich erst im Alter von 18 oder 19 Jahren“, erklärt Annika Gerhard. Wenn sie „es“ sagt, meint die Dachauerin ihre sexuelle Orientierung. Denn sie „steht auf Frauen“, wie sie selbst sagt. Und: „Das ist doch etwas ganz Normales!“ Liebe kenne schließlich kein Geschlecht. Trotzdem wurde Homosexualität erst am 17. Mai 1990 offiziell von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen. Seither ist der 17. Mai der Internationale Tag gegen Homophobie, eine gegen Lesben und Schwule gerichtete Abneigung.

Die 20-Jährige hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Inzwischen ist ihre Arbeit als Youtuberin zu einem Vollzeitjob geworden. „In den ersten zwei Jahren habe ich damit quasi nichts verdient. Aber inzwischen läuft es – zumindest im Moment – echt gut.“ Annika Gerhard stellt wöchentlich zwei selbstgedrehte Videos ins Netz, wobei sie sowohl Vorbereitung, als auch Dreh und Schnitt viele Stunden Arbeit kosten.

Weder in ihrem Freundeskreis noch in ihrer Familie hatte jemand Probleme damit, als sie sich outete, erzählt Annika Gerhard. „Meine Mama hatte am Anfang nur deshalb ihre Schwierigkeiten, weil sie dachte, ich würde jetzt ein Junge werden wollen“, sagt die 20-Jährige und lacht. „Aber das war natürlich völliger Blödsinn!“

Auch wenn Annika Gerhard ihre Sexualität nicht groß zum Thema machen will, einmal konnte sie nicht anders: 2017 veröffentlichte der Youtuber Mert Eksi ein Video, in dem er sich öffentlich gegen Homosexualität aussprach. Er sei „gegen Schwule“ und „toleriere sie nicht“. Die gleichgeschlechtliche Liebe bezeichnete er als unmenschlich. „Annikazion“ startete daraufhin eine Kampagne gegen diese Homophobie. „Mich hat das damals so provoziert, dass jeder darüber gesprochen hat und dieser Mensch mit seinem Video so viel Aufmerksamkeit bekommen hat“, sagt die junge Dachauerin. Deshalb rief sie die Kampagne „Wir gegen Homophobie“ ins Leben. „Jeder, der mitgemacht hat, hat den Satz: ,Ich bin gegen Homophobie‘ gesagt und damit zum Ausdruck gebracht, dass er ganz allgemein gegen Homophobie ist“, erklärt sie. Es sei darum gegangen, dass Mert Eksi mit seinen homophoben Aussagen nicht auch noch Aufmerksamkeit bekäme.

Annika Gerhard wurde selbst – zum Glück – noch nie wegen ihrer Sexualität angefeindet. Die 20-Jährige glaubt aber, dass Homosexualität insbesondere bei der älteren Generation manchmal nur deshalb auf Ablehnung stoße, weil ihnen die Aufklärung fehle: „Viele haben noch das klassische Bild von Mann und Frau. Aber selbst in der Tierwelt gibt es Homosexualität.“ Zum Beispiel gebe es schwule Pinguine, die gemeinsam Nester bauen und verstoßene Junge aufziehen würden.

Grundsätzlich ist die junge Frau aber der Meinung, dass Homosexualität in Deutschland inzwischen großteils akzeptiert und auch nicht als verwerflich oder falsch angesehen werde. Junge Menschen, die noch auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität sind, müssten sich hierfür nicht schämen. Oftmals hätten sie aber Angst vor den Reaktionen in ihrem Umfeld, weshalb sie sich nicht trauen, sich gegenüber Freunden oder der Familie zu outen, weiß die Dachauerin. „Gerade die Jüngeren denken oftmals, dass ich ihre Freundin bin. Deshalb wird mir viel anvertraut – auch wenn Leute zum Beispiel Angst vor ihrem Outing haben“, sagt sie.

Ihre Freundin lernte die 20-Jährige auf einer Veranstaltung für Homosexuelle kennen. „Es ist grundsätzlich schwieriger, jemanden kennenzulernen“, meint sie. Man könne aber spezielle Dating-Apps oder Tage wie den Christopher-Street-Day für ein Kennenlernen nutzen. Grundsätzlich sei Homosexualität „etwas ganz Normales“, betont die junge Dachauerin. Und genau das sei es, was man sich am 17. Mai in Erinnerung rufen sollte.

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