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Weg mit der Erhaltungssatzung rund um die Martin-Huber-Straße fordern (von links) Harald Scholze, Johann Winkler, Claudia und Helmut Pentenrieder, Johann Winkler jun., Hannelore und Lukas Grahammer sowie Theodor Gruber.

Viele Auflagen

Anwohner-Protest gegen neue Satzung

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Mit knapper Mehrheit hatte der Stadtrat im Herbst eine sogenannte Erhaltungssatzung für Teile der Martin-Huber-Straße und des Amperwegs beschlossen. Die Anwohner sind sauer, fühlen sich schlecht von der Stadt informiert und drangsaliert. Notfalls wollen sie sich nun juristisch gegen diese „Behörden-Willkür“ wehren.

Dachau – Als Anwohner der Martin-Huber-Straße darf man nicht zimperlich sein: in direkter Nachbarschaft das Volksfest, einmal im Jahr ein Radrennen, täglich Hunderte Autos vor der Tür, und im Hintergrund brummt die Großbaustelle MD-Gelände. „Wir haben uns noch nie beschwert“, sagt Helmut Pentenrieder. Aber jetzt, kündigt er an, „sind wir nicht mehr brav“!

Was Pentenrieder und zahlreiche seiner Nachbarn ärgert, ist die vom Stadtrat Anfang Oktober mit hauchdünner Mehrheit beschlossene Erhaltungssatzung für den Bereich Martin-Huber-Straße 1 bis 21, Amperweg 2 bis 14, Dr.-Engert-Straße 6 sowie Ludwig-Thoma-Straße 24 (wir berichteten). Bauamtsleiter Moritz Reinhold hatte diese auch als „kommunalen Denkmalschutz“ bezeichnete Satzung angestoßen, um – wie er es formulierte – städtebaulich „das Schlimmste zu verhindern“ und die aus den 20er- und 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts stammenden Anwesen für die Nachwelt zu bewahren.

Das Problem: Die meisten der betroffenen Anwohner lehnen diesen behördlich auferlegten Schutz ihrer Häuser rundheraus ab. Der Umgriff der Satzung sei „reine Willkür“, ihr Besitz würde dadurch massiv an Wert verlieren, und die Informationspolitik aus dem Rathaus sei – gelinde gesagt – unbefriedigend. „Wir haben aus der Zeitung davon erfahren“, klagt Pentenrieder.

Auch eine Informationsveranstaltung, zu der das Bauamt Ende November geladen hatte, hätte keine Antworten ergeben. „Wir wissen nach wie vor nicht, nach welchen Kriterien wir in diesen Umgriff geraten sind“, klagt Theodor Gruber. Angesichts der Bauarbeiten auf dem Papierfabrik-Gelände frage er sich daher: „Wieso müssen unsere Häuser als museale Kulisse für dieses Neuperlach da drüben herhalten?“

Tatsächlich ist manches nicht nachzuvollziehen: Helmut Pentenrieder etwa wohnt in der Martin-Huber-Straße 3a – das Hinterhaus ist von der Straße her gar nicht zu sehen; inwiefern sein Besitz daher „städtebaulich prägend“ sein soll, wie das Bauamt findet, ist ihm ein Rätsel.

Johann Winkler wohnt ebenso wie Harald Scholze im Amperweg in einem in den 60er-Jahren gebauten Haus – von „alter Bausubstanz“ könne da keine Rede sein. Hannelore Grahammer, deren Haus an der Martin-Huber-Straße 21 das letzte Anwesen des Schutzgebiets ist, muss fast schon lachen, als sie berichtet, dass sie auf Weisung des Bauamts vor Jahren einen Jahrzehnte alten Baum aus ihrem Garten hatte entfernen müssen, um den Neubau nebenan nicht zu verschatten. „Jedes Haus in unserer Straße schaut anders aus“, findet denn auch Theodor Gruber, die Satzung sei daher „völlig irre“.

Doch es gibt noch etwas, was die Hausbesitzer nervt: die implizite Unterstellung der Politik nämlich, „dass wir Immobilienhaie sind, die in unsere Gärten Wolkenkratzer bauen wollen“. Das stimme nicht. Aber viele der alten Häuser seien marode, die Keller feucht, energetische Sanierungen dringend geboten: „Wenn nur noch der Stuckateur die Bauarbeiten machen darf, dann kann sich nur noch ein Reicher so ein Haus leisten“, schimpft Gruber. Aus ökologischer Sicht sei diese „Erhaltung der Gebäude um jeden Preis“ ohnehin wenig sinnvoll, der Umweltschutz werde „völlig außer Acht gelassen“.

Ihre Wut fassten die Anwohner nun in einem offenen Brief zusammen, den sie am Montag an das Rathaus schicken wollen. Tenor: Der Satzungs-Beschluss soll unverzüglich zurückgenommen werden. Trete die Satzung in Kraft, dann, so kündigt Anwohner Scholze bereits an, werde der Klageweg beschritten – „auf jeden Fall!“

Oberbürgermeister Florian Hartmann betont auf Nachfrage, dass das Bauamt sehr wohl die Anregungen der Anwohner berücksichtigen wolle. Doch er bittet um Geduld: Die Satzung werde gerade erstellt, man sei noch „in den Voruntersuchungen“, das Ganze dauere noch „mindestens ein Jahr“. Fest stehe aber: Niemand werde künftig fragen müssen, „in welcher Farbe er seinen Gartenzaun streichen“ darf. Auch ganze Neubauten auf den Grundstücken blieben weiter möglich, solange nur „gewisse Gestaltungselemente“ berücksichtigt würden. Und dass sich Denkmalschutz auch lohnen kann, beweise aktuell die Sanierung des Rössler-Anwesens in der Altstadt: Da habe der Bauherr auch geächzt, aber ansonsten sage jeder: „Das ist aber schön geworden!“

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