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Erst flogen Bälle, dann sprühten Funken

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50 Jahre später feierten die beiden ihr Diamantenes Ehejubiläum. 	Fotos: Privat/dn
50 Jahre später feierten die beiden ihr Diamantenes Ehejubiläum. © Privat

Dachau – Bei dem Ehepaar Friedlinde und Alfred Zihr war es Liebe auf den ersten Blick. Und auch heute, nach 60 Jahren Ehe, sind die beiden noch so verliebt wie am ersten Tag.

Er ist gebürtiger Dachauer, ein „echtes Dachauer Gewächs“, wie der 82-Jährige lächelnd meint. Seine Frau hingegen, 81 Jahre alt, wurde im damaligen Jugoslawien geboren. Kennengelernt hatte sich das Paar beim Baden am 9. Juni 1957 am Karlsfelder See. Er war mit einer Gruppe Freunden da und sah seine Herzensdame mit einer Freundin Ball spielen, als er zu seinen Kumpels sagte: „Wenn ich die bekomme, das wär’s!“

Im November 1961 traten Friedlinde und Alfred Zihr in Dachau vor den Traualtar.
Im November 1961 traten Friedlinde und Alfred Zihr in Dachau vor den Traualtar. © Privat

Nicht viel später spielten die beiden miteinander Ball und sind seitdem unzertrennlich. „Nach dem Kennenlernen haben wir uns, wie damals üblich, immer zum Tanzen im Café Thomahaus getroffen“, erinnert sich Alfred. Friedlinde Zihr machte zu der Zeit eine Ausbildung zur Damenschneiderin, die sie wenig später abschloss. Alfred Zihr arbeitete bei der Bereitschaftspolizei in Dachau und wurde 1962 nach der Ausbildung im Einzeldienst der Stadtpolizei eingesetzt. Der junge Mann wollte natürlich Karriere machen, aber ein anderes Ziel war ihm wichtiger: „Vor meiner Beförderung wollte ich meine große Liebe heiraten!“

Also traten die beiden am 15. November 1961 vor den Traualtar. Geheiratet wurde in Mariä Himmelfahrt, die Feier fand in der Gaststätte Kraisy statt. Eine Drei-Mann-Kapelle bereitete der Gesellschaft gute Laune, die Rechnung vom Fest hat Alfred Zihr immer noch. „Auch ein Leihwagen musste für die Festlichkeit her“, erinnert er sich – und fügt hinzu: „Um zu sparen, musste ich den Wagen am Morgen nach der Hochzeit um 7 Uhr abgeben.“

Nach der Trauung lebten die beiden bei der Mutter der Braut in Dachau, erst im August 1966 zog das Paar in ein eigenes Haus, in dem sie noch heute leben. 1967 kam Sohn Christian auf die Welt, zwei Jahre später folgte Tochter Claudia.

Anfangs war es gar nicht so einfach für die Zihrs, „wir mussten sehr viel sparen“, berichten sie von ihren ersten Jahren. Was es im Haushalt aber immer gab, war Liebe: „Wenn es Probleme gab, hat man zusammengehalten und sie ausdiskutiert. Wir ziehen immer an einem Strang“, beteuert der Gatte.

Zum 60. Ehejubiläum schrieb der begabte 82-jährige Hobby-Dichter seiner Herzensdame ein mehrere Seiten umfassendes Gedicht, das sie stolz zeigte. Auf die Frage, wie Alfred Zihr seine Frau beschreiben würde, antwortet er: „Sie ist äußerst liebevoll, warmherzig und immer für einen da. Wir haben uns von Anfang an blendend verstanden.“ Seine Frau sei ein Teil von ihm geworden, seine wirklich bessere Hälfte. Aber auch Friedlinde Zihr weiß ihren Mann sehr zu schätzen und sagt: „Er ist sehr treu und zuverlässig in allen Lebenslagen, außerdem ist er ein unglaublich liebevoller Vater!“

Wichtig sind dem Ehepaar immer schon ihre beiden Kinder, zu denen sie ein sehr gutes Verhältnis pflegen. Den Grund für die gute Beziehung sieht Alfred Zihr darin: ,,Die Liebe, die man in seine Kinder steckt, bekommt man auch zurück. Unsere Kinder sind immer für uns da und rufen fast jeden Tag an!“

Auf die Fragem, welchen Rat das Ehepaar an junge Paare hat, antwortet Friedlinde Zihr: „Wenn man anfangs keine zu großen Erwartungen an seinen Partner hat, wird man meist umso positiver überrascht.“ Ihr Ehemann findet, viele junge Ehen gingen auseinander, „weil jeder das haben will, was er sich in den Kopf setzt. Aber man müsse Zugeständnisse machen und Fehler akzeptieren. Überhaupt sei Humor das Wichtigste in einer Ehe: Er und seine Friedlinde würden „unglaublich viel“ miteinander lachen.

Den 65. Hochzeitstag will das Paar sicher noch gemeinsam feiern. Seinen 60. musste es derweil leider unter Coronabedingungen begehen: mit weniger Gästen und Oberbürgermeister Florian Hartmann, der seinen städtischen Geschenkkorb samt Gratulationsbrief in sicherem Abstand an der Tür abgab.

Tamina Hindelang

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