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Erster Schritt zu einem normalen Arbeitsplatz

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Von: Petra Schafflik

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Chancen auf ein „Praktikum“: Melanie Bayer, Leiterin der Berufsbildung in der Dachauer Caritas Werkstatt, schreibt an die digitale Tafel, was junge Menschen mit Handicap dringend suchen.
Chancen auf ein „Praktikum“: Melanie Bayer, Leiterin der Berufsbildung in der Dachauer Caritas Werkstatt, schreibt an die digitale Tafel, was junge Menschen mit Handicap dringend suchen. © Petra Schafflik

Die Caritas-Werkstatt für Menschen mit Behinderung sucht für ihre jungen Schützlinge Praktikumsplätze. Die Betriebe sollten sich trauen.

Dachau - Mal raus aus dem Klassenzimmer und rein in ein Unternehmen: Die meisten jungen Leute absolvieren im Laufe ihrer Schullaufbahn oder Ausbildung ein Betriebspraktikum, oft „schnuppern“ sie in mehreren Firmen, bevor sie sich für einen Beruf entscheiden. Auch die 19-jährige Ramona wollte einmal testen, wie die Arbeit in der Gastronomie abläuft und absolvierte ein sechswöchiges Praktikum im Brauereigasthof Maierbräu in Markt Altomünster: „Da war ich ganz normal eingeteilt im Küchenteam.“

Gastwirt Christian Pfaller lobt die Praktikantin, die „voll mitgearbeitet hat im Betrieb“. Nichts Besonderes, möchte man meinen. Aber die junge Frau hat eine zweijährige Berufsbildungsphase in der Dachauer Caritas-Werkstatt für Menschen mit Behinderung absolviert. Und für Jugendliche mit einem Handicap ist es nicht einfach, einen Praktikumsplatz zu finden.

Aktuell durchlaufen 15 junge Leute diesen Einstiegsbereich der Werkstatt, sie erwerben Wissen über verschiedene Berufsfelder, aber auch allgemeine Kenntnisse wie Erste Hilfe oder Grundlagen der Arbeitssicherheit. Diese Ausbildung ist breit aufgestellt, digitale Medien werden selbstverständlich eingesetzt, damit die Teilnehmer für die Anforderungen der Arbeitswelt gerüstet sind. Danach können sie ins Berufsleben starten – in einem Unternehmen oder in einem Arbeitsbereich der Werkstatt.

Unternehmen sind sehr zurückhaltend

Doch um sich einmal im Arbeitsalltag eines Betriebs zu erproben, um ein Berufsfeld näher kennen zu lernen, auch um zu zeigen, was sie leisten können – dafür bräuchte es mehr Möglichkeiten für ein Praktikum. „Das wäre der erste Schritt zu einem normalen Arbeitsplatz“, sagt Melanie Bayer, die in der Werkstatt die Berufsbildung leitet. Leider seien Unternehmen sehr zurückhaltend. Dabei werden die jungen Praktikanten im Betrieb von Mitarbeitern der Werkstatt betreut und begleitet, das Arbeitszeitmodell sei individuell und flexibel zu gestalten, von einem Praxistag die Woche bis zum mehrwöchigen Praktikum. Und die Beschäftigten der Werkstatt könnten gerade auch auf Nischenarbeitsplätzen für Einrichtungen oder Betriebe ein wirklicher Gewinn sein. „In der Kita mit den Kleinen Puzzle legen, in der Kantine Mahlzeiten ausgeben, in der Kfz-Werkstatt Autos nach der Reparatur reinigen“, nennt Bayer einige konkrete Beispiele.

Vielfach gebe es noch Hürden und Vorbehalte, bestätigt Claudia Schneider vom sozialpädagogischen Dienst der Caritas-Werkstatt. „Aber sobald jemand unsere Beschäftigten aufgenommen hat, ist er meist überrascht, was die Leute können.“

Mitarbeit im Gasthof eine wichtige Erfahrung

Wie gut es laufen kann, davon berichten Ramona und Gastwirt Christian Pfaller. Sechs Wochen war die junge Frau im Brauereigasthof Maierbrau tätig, arbeitete im Küchenteam mit eigenem Arbeitsbereich in einer Sechs-Stunden-Schicht. Alles habe wunderbar geklappt, betont der Gastwirt. „Bei mir wird niemand in Watte gepackt“, aber natürlich würden die besonderen Voraussetzungen berücksichtigt. „Damit niemand überfordert wird“, sagt Christian Pfaller, der schon in seinem Catering-Unternehmen in Ingolstadt Praktikanten mit Handicap beschäftigt hat.

Und für die Praktikantin war die Mitarbeit im Gasthof eine wichtige Erfahrung, die sie weitergebracht hat, wie sie betont. Mehr junge Männer und Frauen mit Handicap sollten die Chance bekommen, sich in einem Praktikum zu erproben und zu bewähren, das wäre Melanie Bayer als Leiterin der Berufsbildung wichtig. „Unsere Leute können was. Es wäre schön, wenn Betriebe ihnen eine Chance geben würden.“ Firmen oder Einrichtungen, die ein Praktikum für junge Leute mit Handicap anbieten könnten, dürfen sich melden unter melanieviktoria.bayer@caritasmuenchen.de.

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