Edda Drittenpreis leitet seit vielen Jahren die Dachauer Tafel. FKN

Essensausgabe bei der Dachauer Tafel

Gleiche Not für alle

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Die Dachauer Tafel ist seit nunmehr 16 Jahren fixe Anlaufstelle für bedürftige Dachauer. Ob die nun einen deutschen Pass haben oder Migrationshintergrund, ist Leiterin Edda Drittenpreis und deren ehrenamtlichen Helfern egal.

Dachau – Eine Situation wie zuletzt in Essen, wo die Verantwortlichen einen Ausgabestopp an Ausländer verfügt hatten (wir berichteten), kommt für die Einrichtung an der Brunngartenstraße 5 demnach nicht in Frage.

„Bei uns ist das wunderbar geregelt“, betont Drittenpreis und verweist auf das bei der Dachauer Tafel geltende Punktesystem: Die Bezugsscheine seien demnach mit einem farbigen Punkt versehen; die Ausgabe erfolgt dann stundenweise, jede Farbe kommt nacheinander an die Reihe. Zudem gibt es einen Türsteher, der sicherstellen soll, dass sich keine Nutzer vordrängeln. Rund 700 „Kunden“, wie Drittenpreis die Tafel-Nutzer nennt, kommen jeden Mittwoch in ihre Einrichtung. Tendenz: rasant steigend! „Es kommen jede Woche neue Gesichter dazu.“

Rund 85 Prozent ihrer Kundschaft hätten Migrationshintergrund, rechnet Drittenpreis vor. Auch Asylbewerber dürften kommen – allerdings nur anerkannte. Denn: Anerkannte Flüchtlinge müssen aus den Notunterkünften, in denen es einen Catering-Service gibt, ausziehen und sich damit allein um ihre Versorgung mit Lebensmitteln kümmern. Probleme zwischen Deutschen und Ausländern gebe es dabei nicht. „Bei uns ist alles friedlich, das haben wir voll im Griff“, betont Drittenpreis.

Was dagegen häufiger vorkomme: dass die Ehrenamtlichen beleidigt oder angepöbelt würden. Die – durchweg ehrenamtlichen – Mitarbeiter der Essensausgabe würden die Lebensmittel nämlich gerecht auf alle Kunden zu verteilen versuchen. So könne es passieren, erklärt die Tafel-Leiterin, dass ein Kunde beispielsweise zehn Stück Lachs haben wolle, diese aber aus Gründen der Gerechtigkeit gegenüber den anderen Tafel-Kunden nicht bekomme. „Da werden wir dann schon mal angegriffen“, erinnert sich Drittenpreis, betont aber im selben Atemzug, dass Pöbler im Regelfall mit einer Abmahnung schnell wieder zur Raison gebracht würden. Wo die Tafel-Verantwortlichen allerdings keinen Spaß verstehen, ist, wenn Essen weggeworfen wird. Als Drittenpreis einmal einen Kunden erwischte, wie er Teile seiner Waren direkt vor der Tafel im Müll entsorgte, entzog sie ihm postwendend den Bezugsschein.

Denn auch wenn bei der Dachauer Tafel kein Mangel an Waren herrscht: Die Not ist laut Drittenpreis groß. Gerade Rentner, sagt sie, die „ihr ganzes Leben lang gearbeitet und diese Stadt nach dem Krieg wieder aufgebaut haben“, müssten allzu oft am Bettelstab gehen. „Das tut mir immer wieder weh“, gibt die Trägerin der Dachauer Bürgermedaille zu. Zumal: „Die Dunkelziffer ist hoch. Es gibt so viele, die sich schämen, zur Tafel zu gehen.“

Umso trauriger ist Drittenpreis, wenn sie – wie bereits zweimal geschehen – einen Aufnahmestopp verhängen muss. Grund dafür sei stets der Mangel an ehrenamtlichen Helfern. „Unser Durchschnittsalter ist 68,9 Jahre“, rechnet sie vor. Für die Ausgabe und zum Herrichten der Waren sowie deren Transport sind aktuell über 30 Helfer nötig. Altersbedingt gebe es dabei aber stets eine gewisse Fluktuation. Doch anders als in Essen herrsche bei einem Aufnahmestopp bei der Dachauer Tafel Gerechtigkeit, betont Edda Drittenpreis: „Das gilt dann für Ausländer wie für Deutsche!“ 

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