Eishalle statt Bolzplatz: Dieses Gelände zwischen Wallbergstraße und Theodor-Heuss-Straße soll laut ESV Dachau bebaut werden. foto: hab

Für Behindertensportler und Eisläufer

ESV Dachau will eigene Sporthalle an der Wallbergstraße bauen

Die Stadt wird eine neue Eissportfläche bauen, so viel steht seit langem fest. Auf einen Standort am ASV-Gelände hatte man sich ebenfalls bereits geeinigt. Nun aber kommt überraschend Bewegung in die eigentlich abgeschlossene Diskussion. Denn: Der ESV Dachau will eine eigene Eishalle bauen!

Dachau – Unumstritten war der für die neue Eislauffläche vorgesehene Standort am ASV-Gelände nie. Die Fläche war so klein, dass aus Brandschutzgründen nur ein sogenanntes Freieisstadion mit Überdachung hätte errichtet werden können. Zudem hätte man ein Stück Bannwald roden müssen. Zahlreiche Stadtpolitiker, zuletzt im Dezember der parteilose Stadtrat Wolfgang Moll, brachten immer wieder ihr Unwohlsein über die Abholz-Pläne zum Ausdruck.

Doch nun scheint der ESV Dachau, der mit den Woodpeckers bislang eine eher mäßig erfolgreiche Eishockeymannschaft stellt, eine Lösung gefunden zu haben, die alle Beteiligten glücklich machen dürfte. Denn: Der Verein will an einem anderen Standort eine eigene Multifunktionshalle bauen. Und: Die Mehrkosten dafür muss nicht die Stadt tragen, sondern sollen mithilfe eines Großsponsors und über einen Zuschuss des Landessportverbands finanziert werden. Kein Wunder, dass SPD-Fraktionsvorsitzende Christa Keimerl sagt: „Wir tragen diesen Plan auf jeden Fall mit! Wir haben ein gutes Gefühl dabei.“

Konkret schwebt dem ESV eine Halle auf dem rund 10 000 Quadratmeter großen, städtischen Grundstück im Dreieck zwischen Wallberg-, Augustenfelder und Theodor-Heuss-Straße vor. Die „Vision“ des ESV beschreibt ESV-Vorsitzender Stefan Steurer so: „Wir wollen eine bessere Lösung bei geringeren Kosten!“ Das, was auf dem ASV-Gelände aktuell geplant werde, mache nämlich „einfach überhaupt keinen Sinn“. Angesichts der Tatsache, dass ein Freieisstadion nur vier Monate im Jahr nutzbar sei und in Warmwetterperioden – wie zur Zeit – unglaublich viel Energie verbrauche, denke sein Verein das Projekt lieber groß. Das heißt konkret: Der ESV möchte eine Halle, die im Winter von der Öffentlichkeit, den Woodpeckers und Schulen genutzt werden kann. Auch im Sommer soll dort (Schul-)Sport möglich sein. Vor allem aber, und das ist der Clou, sollen Behindertensportler aus der ganzen Region dort ganzjährig die Gelegenheit bekommen, sich beispielsweise als Para-Hockeyspieler oder Blindenfußballer austoben zu können.

Parkplätze sowohl für Pkw als auch Busse seien dort ausreichend vorhanden, betont der ESV-Vorsitzende. Aktuell gebe es auf der Fläche zwar einen Bolzplatz, der Steurer zufolge überbaut würde, aber durchaus an anderer Stelle auf dem riesigen Grundstück untergebracht werden könnte. Und auch was die Vereinsstruktur betrifft, ist der ESV laut Steurer vorbereitet: Der Verein würde eine Geschäftsführung installieren, für die es bereits Kandidaten gebe.

In nicht-öffentlicher Sitzung hatte der ESV diese Pläne dem Stadtrat bereits vorgestellt. Das Problem dabei: Damals war die Finanzierung noch nicht geklärt. Nun aber, bestätigt Steurer, ist auch diese Frage beantwortet. Demnach schätzt der Verein die Kosten der Halle auf rund 13 Millionen Euro. 10 Millionen Euro davon soll die Stadt tragen – die Summe hatte der Stadtrat bereits für den ursprünglich angedachten Standort am ASV-Gelände in den Haushalt eingestellt. Die Mehrkosten von 3 Millionen Euro sollen durch einen Zuschuss des Landessportverbands sowie Förderungen gemeinnütziger Stiftungen getragen werden. Vor allem aber hat der Verein Steurer zufolge einen Großsponsor an der Hand, der das Projekt zum Nutzen von Behindertensportlern fördern will.

Wer dieser Sponsor ist, wollte Steurer gestern auf Nachfrage nicht verraten. Der ominöse Förderer werde aber am übernächsten Freitag im Rahmen eines Pressegesprächs in der Raiffeisenbank-Volksbank präsentiert. Ob das Kreditinstitut denn vielleicht selbst der Sponsor ist? Das, so Steurer, „liegt vielleicht nahe. Aber einen Namen nenne ich erst nächste Woche“.

Die Stadträte werden sich noch diesen Monat mit dem Thema befassen – auf Wunsch der SPD-Stadtratsfraktion. Ein entsprechender Antrag liegt vor.

Stefanie Zipfer

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