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Von Tisch zu Tisch gingen die Politiker, um sich den Fragen zu stellen. 

Der etwas andere Wahlinfoabend beim Kreisjugendring Dachau

Speed-Dating mit den Politikern

Sie saßen nicht auf einem Podium, und sie gaben auch keine Statements zu den üblichen Themenkomplexen ab. An diesem Abend sind die Politiker von Tisch zu Tisch gegangen. So kamen junge Leute mit ihnen ins Gespräch und lernten sie kennen – wie beim „Speed-Dating“.

Dachau – Bei jungen Leuten ist die Wahlbeteiligung seit jeher am geringsten. Das belegen Zahlen der Bundeszentrale für politische Bildung. Veranstaltungen wie „Die Qual der Wahl“, die am Donnerstag im Ludwig-Thoma-Haus stattgefunden hat, können aber durchaus dazu beitragen, diesen Trend zu ändern. Die Informationsveranstaltung richtete sich hauptsächlich an junge Leute und wurde vom Kreisjugendring organisiert. Ziel war es, die Direktkandidaten des Wahlkreises Dachau und Fürstenfeldbruck besser kennenzulernen und sie einmal hautnah zu erleben. Dieses Ziel haben die Veranstalter auch vollends erreicht.

Die 60 bis 70 Teilnehmer verteilten sich auf große Gruppentische, wobei jeder Tisch von einem Tischmoderator unterstützt wurde. Nun sollten sich die Gruppen jeweils drei Fragen ausdenken, die sie allen Direktkandidaten gerne stellen würden. Als sich alle auf die Fragen geeinigt hatten, kam es zum „Speed-Dating“. Die acht anwesenden Politiker gingen von Tisch zu Tisch und mussten sich jeweils zehn Minuten lang den Fragen der Gruppen stellen. Die Auswahl der Politiker deckte das ganze politische Spektrum ab, sodass es durchaus zu sehr unterschiedlichen Antworten kam und sich die Teilnehmer einen guten Überblick verschaffen konnten.

Folgende Direktkandidaten haben sich dieser Herausforderung gestellt: Michael Schrodi (SPD), Jürgen Loos (ÖDP), Renate Schiefer (Die Linke), Florian Jäger (AfD), Beate Walter-Rosenheimer (Grüne). Lilian Edenhofer von den Freien Wählern wurde durch Markus Erhorn vertreten, und stellvertretend für Katrin Staffler von der CSU kam Hans Reichhart. Außdem war Roger Rösch (Piraten) dabei. Den Politikern war die Nervosität teilweise durchaus anzumerken. Denn es kamen einige Fragen zur Sprache, mit denen sie sonst wahrscheinlich eher selten konfrontiert werden. Von „Sollte Cannabis legalisiert werden?“, über „Wenn Sie König von Deutschland wären, was würden Sie ändern?“ bis hin zu „Was halten Sie von einer vollständigen Offenlegung der Aktivitäten des Lobbyismus?“ war alles dabei. Die zentralen Wahlkampfthemen wie soziale Gerechtigkeit, Asylpolitik, Energiewende und Bildung kamen selbstverständlich auch zur Sprache. Einige der Direktkandidaten zeigten sich ehrlich überrascht über die Neugier und das politische Interesse der Jugendlichen.

Ludwig Gasteiger, stellvertretender Geschäftsführer des Kreisjugendrings Dachau, freute sich sehr über die rege Teilnahme. „Ich bin absolut begeistert, wie ihr hier am Ball wart“, schloss er die Veranstaltung.

Zum Abschluss sollte jeder Teilnehmer angeben, welche Partei ihn bei den jeweiligen Fragen überzeugen konnte. Die Linke, die Piratenpartei und die SPD waren gleich stark und konnten die meisten Teilnehmer mit ihren Antworten überzeugen. Knapp darauf folgten die Grünen und mit einem größeren Abstand kam die CSU. Die ödp, die Freien Wähler und die AfD konnten keine Gruppe mit ihren Antworten überzeugen.

Die Stimmung unter den Teilnehmern war sehr entspannt und freundschaftlich, es wurde aber dennoch hitzig diskutiert, sowohl mit den Direktkandidaten, als auch untereinander. Das Format des „Speed Datings“ ermöglichte es den Jugendlichen in den direkten Kontakt mit den Politikern zu kommen und hinderte die Kandidaten andererseits daran, auswendig gelernte Phrasen abzuspulen. So war der Weg für eine echte Meinungsbildung gegeben.

Stefanie Ritter

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