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So wählte der Landkreis Dachau.

Die Grünen jubeln weiter

Europawahl im Landkreis Dachau: Ergebnisse der Gemeinden und Reaktionen

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Die Dachauer Wähler haben entschieden: Die Grünen im Landkreis jubeln über das Ergebnis bei der Europawahl, und auch die CSU ist zufrieden. Ganz anders dagegen sieht es bei der SPD aus – sie ist weiter im Tiefflug.

Dachau – Um 18.50 Uhr war es endlich soweit: Im Sitzungssaal des Landratsamtes wurden die ersten Ergebnisse der Europawahl bekanntgegeben. Mit Hilgertshausen-Tandern war die erste Gemeinde ausgezählt – und es zeichnete sich bereits ein Trend ab, der sich später bestätigen sollte: Die Grünen waren die großen Gewinner der Wahl, auch die CSU war zufrieden – doch die SPD stürzte ab. 

Nur sieben Prozent holten die Sozialdemokraten in der Gemeinde – trotzdem war zu diesem Zeitpunkt der neue Kreisvorsitzende Hubert Böck zumindest noch ein wenig optimistisch. „Dort wird generell konservativ gewählt, erfahrungsgemäß holen wir in anderen Gemeinden mehr Stimmen“, machte er sich und seinen Parteifreunden Mut. Bis zum Schluss hofften die Genossen – doch auch als rund eine Stunde später der komplette Landkreis ausgezählt war, änderte sich das Ergebnis nicht grundlegend: Nur 7,9 Prozent der Wähler hatten für die SPD gestimmt – das sind noch einmal weniger als bei der Landtagswahl 2018, bei der die Sozialdemokraten 8,5 Prozent der Stimmen erhielten. 

Desaströses Abschneiden der SPD: „Vielleicht wäre eine andere Regierung die bessere Lösung“

Der Grund für das desaströse Ergebnis? Hubert Böck machte die Große Koalition in Berlin dafür verantwortlich. „Dort hat man das zur Zeit alles überragende Thema Umwelt nicht ernst genommen“, sagte er. Vielleicht müsse man die Große Koalition generell in Frage stellen: „Wenn wir es nicht schaffen, die Themen umzusetzen, wären vielleicht Neuwahlen oder eine andere Regierung die bessere Lösung.“ 

Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi wollte sich nicht darauf festlegen, ob die Große Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode hält oder nicht. Das schlechte Ergebnis der SPD führt er darauf zurück, dass im Bund von der Union „viele Fortschrittsprojekte blockiert“ würden. „Wir müssen uns weitaus mehr profilieren und große, rote Linien formulieren“, sagte er. 

Die stellvertretende Landrätin Marianne Klaffki (SPD) denkt außerdem, dass man „kommunalpolitische Erfolge stärker deutlich machen“ müsse. Auch sie hat zudem den Eindruck, dass „das Umweltthema nur den Grünen zugeschrieben wurde“. 

Dachau wählt Grüne: „Thema Klimaschutz bei der Bevölkerung angekommen“

18,7 Prozent der Stimmen holten die Grünen im Landkreis – ein großer Erfolg. „Wir sind hoch zufrieden“, sagte Roderich Zauscher, der für die Grünen im Kreistag und im Odelzhauser Gemeinderat sitzt. „Es zeigt, dass wir mit unserem Thema Klimaschutz bei der Bevölkerung angekommen sind.“ Deutschlandweit sei es mit dieser Wahl gelungen, die Grünen als zweitgrößte politische Kraft zu etablieren. „Jetzt wollen wir erste Kraft werden“, kündigte Zauscher an. „Es ist noch weiter Luft nach oben.“ 

Doch auch die CSU als stärkste Kraft konnte die Wähler überzeugen. Mit dem Ergebnis über 40 Prozent sei er zufrieden, sagte Landtagsabgeordneter und Kreis-CSU-Chef Bernhard Seidenath. Bereits an den Info-Ständen sei die Stimmung gut gewesen, „beim Haustür-Wahlkampf gab es zum Beispiel viel positive Resonanz“. Dennoch habe er – gerade nach dem Absturz seiner Partei bei den Landtagswahlen – nur schlecht eine Einschätzung für die Europawahlen geben können. 

Kleine Parteien bekommen in Dachau Unterstützung: Gigantische Wahlbeteiligung

Sorgen bereitet Seidenath, dass die CDU nur knapp über 25 Prozent liegt. „Das ist keine Volkspartei mehr.“ Das Abschneiden der SPD bezeichnete Seidenath als „dramatisch“: Mitleid sei ja die Höchststrafe in der Politik, „aber da muss man Mitleid haben“. Zufrieden war auch Landrat Stefan Löwl (CSU). „Die Wahlbeteiligung ist gigantisch“, sagte er. So habe sich ausgezahlt, „dass wir in den vergangenen Monaten das Thema Europa in den Fokus gerückt haben“. Löwl ist außerdem froh, dass die AfD „deutlich von den zehn Prozent weg ist“. 

Generell fällt auf, dass im Landkreis Dachau mit einem Gesamtergebnis von über elf Prozent viele kleinere Parteien Stimmen sammeln könnten. Für die ÖDP beispielsweise stimmten 4,5 Prozent der Bürger. Mit Hauke Stöwsand kandidierte sogar ein Erdweger für das Europaparlament. Dass er auf Platz 32 keine reale Chance auf einen Einzug hatte, war von vornherein klar. „Aber wir freuen uns trotzdem, dass wir Stimmen zugewinnen konnten“, sagte er. Und auch ÖDP-Urgestein Georg Weigl war zufrieden: „Schön wäre, wenn wir überall in Bayern diese Größenordnung erreichen würden.“

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