Kunst braucht Publikum: Besucher während ihres Rundgangs durch die Ausstellung „Alienpolka“.
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Kunst braucht Publikum: Besucher während ihres Rundgangs durch die Ausstellung „Alienpolka“.

33 Künstler der KVD zeigen zeitgenössische Druckgrafiken

Kunst im Dachauer Schloss: Wo Tradition auf Experimente trifft

  • Miriam Kohr
    VonMiriam Kohr
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Die Künstlervereinigung Dachau (KVD) bat zum Tanz. Und 33 Künstler aus Dachau und der Ferne sind sich bei der Ausstellung „Alienpolka“ begegnet. Noch bis 5. September stellen sie ihre zeitgenössischen Druckgrafiken auf der barocken Tanzfläche des Dachauer Schlosses aus.

Dachau ‒ Die Druckgrafik hat eine lange Tradition. War die Drucktechnik anfänglich quasi dazu erfunden worden, Text und Bild schnell vervielfältigen zu können, hat sie diesen Sinn in Zeiten von Internet und Social Media weitestgehend verloren. „Heute ist es für den Künstler spannend, sich mit der Haptik und vielleicht spröden Technik des Ganzen auseinander zu setzen und die Langsamkeit des Prozesses auszunutzen“, sagte Johannes Karl bei seiner Video-Eröffnungsrede für die erste reine Druckgrafik-Ausstellung. Künstler experimentieren mit der Druckgrafik mit Farbe, Material und deren spannenden Zusammenstellungen. Der Titel „Alienpolka“ versuche laut Karl genau das einzufangen.

„Es ist die Verbindung von dem ganz Klassischen, Handwerklichen, Traditionellen, was man also kennt, mit dem Alien – dem Unbekannten“, führte zweite Vorsitzende Margot Krottenthaler aus. So zeigen 33 Künstler ihre Experimente, die klassische Technik mit modernen Aspekten zusammenbringen. KVD-Mitglied Marian Wiesner beispielsweise druckte mit einer runden Wachsscheibe gepresstes Leinöl auf selbst hergestelltes Flachsbüttenpapier. Maria Detloff formte aus Styropor Stempel und erschuf auf Japanpapier ganze Vogelschwärme, die in ihren unterschiedlichen Formationen gen Süden fliegen zu scheinen. Florian Marschall nutzte als Druckträger ein fünf Meter langes Fichtenbrett, das er vorher mit Bürsten bearbeitete und schließlich auf ein langes Papier zweifarbig abdruckte.

Gastausstellerin Gesa Puell wiederum bedruckte nicht die glatte Oberfläche eines Papiers mit dem Muster verschiedener Bodenfliesen, sondern die Seiten eines Papierstapels. Alfred Ullrich bedruckte kreisrund gerissenes Büttenpapier mit Kupferdrucken und hängte diese wie ein Vorhang ins Treppenhaus des Schlosses. Andere Künstler benutzten Fotos, Stoffe, den Computer, Metall oder auch Glas als weitere Medien für ihre Drucke.

Die Darstellungen reichen von abstrakten Kompositionen bis hin zu figürlichen Abbildungen. Die Vielfalt an Motiven, Druckarten – von Siebdruck über Radierung, Linol- bis Holzschnitt – und Farben ist also groß. Das Experiment ist geglückt.

Auch Landrat Stefan Löwl und Oberbürgermeister Florian Hartmann loben die Arbeit und die Auswahl der KVD. „Es freut mich, dass ich die KVD und ihre Besucher nach 2017 wieder im Schloss begrüßen darf. Das Thema der Druckgrafik ist naheliegend, aber auch ein Glücksgriff. In Dachau hat sie eine lange Tradition, so hat eine Druckerwerkstatt in der Brunngartenstraße schon lange ihr Zuhause“, sagte Hartmann zur Begrüßung im Video, das am Eingang stets in Dauerschleife läuft. Löwl ergänzt hier: „Es freut mich hier endlich wieder tatsächlich Kunst und Kultur erleben zu dürfen. Kunst ist zeitlos und wortlos, aber nicht ausdruckslos. Doch sie braucht Publikum. Kunst lebt vom Austausch mit den Kunstbetrachtenden.“ Dieser Austausch wird seit der Eröffnung rege gefeiert.

Die Ausstellung

„Alienpolka – zeitgenössische Druckgrafik“ im Schloss Dachau ist noch bis 5. September zu sehen. Geöffnet ist jeweils Mittwoch bis Samstag von 16 bis 19 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

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