2 Küken
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„Getätschelt und verhätschelt“: Die Blumenhühnerküken wirken wie flauschige Kügelchen. Fotos (4): norbert habschied

Eine ganz besondere Zucht

Familie Fuß und die Blumenhühner

  • Thomas Zimmerly
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Familie Fuß hat sich der Zucht von außergewöhnlichen Hühnern verschrieben – schwedischen Blumenhühnern. Und sie tut das auf außergewöhnliche Weise. Während Sohn Thomas die ausgewachsenen Skånsk blommehöna, wie sie in Schweden heißen, auf seinem Hof in Mitterndorf betreut, kümmern sich seine Eltern Georgine und Peter in ihrem „Kindergarten“ in Udlding um die Küken.

VON THOMAS ZIMMERLY

Mitterndorf/Udlding – Das Gelände wirkt wie ein großer Abenteuerspielplatz. Auf dem Haxhof von Familie Fuß am Ortsrand von Mitterndorf gibt es auf 1500 Quadratmetern Wiese zahlreiche Gebinde aus Reisig, Sträucher, Wannen, Holzhäuschen mit höhlenähnlichen Eingängen, Treppen, Pergolas und vieles mehr. Doch das Ganze ist nicht etwa für Mädchen und Buben geschaffen worden, sondern für Hühner. Und zwar für ganz besondere: schwedische Blumenhühner.

Helfen bei der Zucht fleißig mit: Mutter Julia Fuß und die beiden Kinder Verena und Andreas.

Leider werden seit geraumer Zeit in ganz Bayern immer wieder neue Ausbrüche der Vogelgrippe/Geflügelpest festgestellt. Daher hat der Staat auf unbestimmte Zeit eine Stallpflicht angeordnet. Also müssen die „Skånsk blommehöna“, wie sie in Schweden heißen, derzeit in Volieren scharren und ausharren.

Ihr Besitzer ist Thomas Fuß (41). Vor drei Jahren kam der Familienvater, der hauptberuflich Mitarbeiter der Pressestelle der Berufsfeuerwehr München ist, auf die Idee, sich intensiver mit der Hühnerzucht zu beschäftigen. Der ursprüngliche Gedanke war, seinen Kindern Verena (9) und Andreas (7) „das Nutztier Huhn nahezubringen“. Sie sollten wissen, „woher unsere Lebensmittel stammen“.

Vor anderthalb Jahren stieß Fuß auf die Blumenhühner. Eine Rasse, die in Schweden als Kulturgut gilt, das es zu erhalten gilt. Denn die Blumenhühner waren fast ausgestorben. „Es gab in den 70er-Jahren in Schweden gerade noch 500 Blumenhühner in drei Dörfern“, so Fuß. Das lag auch daran, dass es leistungsfähigere Rassen gibt. Blumenhennen legen 160 bis 180 Eier im Jahr. Hochleistungshennen kommen hingegen auf über 300. Aber Blumenhühner sind außergewöhnliches Federvieh. Das Besondere an den ziemlich großen Tieren, die bis zu dreieinhalb Kilogramm schwer werden, sind die Federspitzen, die am Ende weiß sind. Diese Enden ergeben eine wunderschöne Musterung.

„Jede Henne, jeder Hahn ist anders“, erklärt Fuß. Bei der Zucht, bei der er von Ehefrau Julia (37) und den beiden Kindern unterstützt wird, gibt es keine einheitlichen Rassestandards. Dennoch achtet er auf gewisse Merkmale; beispielsweise darauf, dass die Hähne gelbe oder fleischfarbene Füße haben.

In den Fuß’schen Volieren tummeln sich zwei Zuchtgruppen. Sieben Hennen werden von zwei Hähnen, sagen wir: betreut. „Sie sind wissbegierig, zutraulich und fliegen gerne“, sagt Fuß. Und sie sind unglaublich gutaussehend. Auf die Frage, warum es pro Gruppe zwei Hähne gibt, antwortet Thomas Fuß knapp: „Konkurrenz belebt das Geschäft!“

Die weißen Federspitzen machen es aus, dass Blumenhühner wahre Schönheiten sind.

Auf dem Haxhof leben die erwachsenen Hühner. Doch es gibt noch einen „Kindergarten“. Der befindet sich unweit entfernt in Udlding im Garten von Thomas Fuß’ Eltern, wo sie „Stadtluft schnuppern“, wie Thomas Fuß sagt. Georgine und Peter Fuß kümmern sich um die Eier der Blumenhühner. Georgine Fuß, die ebenso wie ihr Gatte „sofort mit dabei war“, als ihr Sohn die Idee mit der Zucht der schwedischen Schönheiten hatte, meint, der Umgang mit ihren Schützlingen „beruhigt die Nerven“. Sie und ihr Mann geben die Eier zunächst in zwei Brutkästen. Die geschlüpften Küken kommen hernach in Volieren, wo sie „von meiner Frau getätschelt und gehätschelt werden“, so Peter Fuß. Bei der jüngsten Aufzucht – Blumenhühner brüten drei Mal im Jahr – schlüpften aus 70 bebrüteten Eiern stolze 68 Küken, die nun in drei Gruppen aufgeteilt sind. In der ersten tummeln sich die frisch geschlüpften Küken, die wie flauschige Kügelchen aussehen. In der zweiten die zehnwöchigen Teenager, bei denen das Piepsen bereits in ein Gackern übergegangen ist. Und in der dritten Voliere reifen „Fuß’ next Topmodels“ heran, sprich, diejenigen Hühner, die er zur Zucht verwendet.

Dass es hier jemanden vor den Toren Dachaus gibt, der erfolgreich Blumenhühner züchtet, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Nach einem Beitrag in der Sendung „Unser Land“ des BR-Fernsehens in der vergangenen Woche wollen Hühnerliebhaber aus ganz Deutschland Thomas Fuß’ schwedische „Höna“ haben. „Das Telefon bimmelt 24 Stunden am Tag“, sagt der 41-Jährige, der alle Mühe hat, den Bestellungen nachzukommen. Sechs Euro pro Küken bekommt er, die nicht verkauften oder für die Zucht verwendeten Tiere bleiben sieben Monate lang bei Thomas Fuß, dann werden sie ordnungsgemäß geschlachtet.

Zuvor jedoch dürfen sie – wenn die Quarantäne hoffentlich bald aufgehoben sein wird – wieder auf ihrem Abenteuerspielplatz auf dem Haxhof herumscharren – und fliegen. Schwedische Blumenhühner sind nicht nur schön, sie fliegen auch „schön hoch“, wie Thomas Fuß festgestellt hat.

Kann sich vor Anfragen kaum noch retten: Alle wollen die Hühner von Züchter Thomas Fuß haben.

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