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Hat das Schwimmen schon vor der Grundschule gelernt: Dennis Iser kraulte gestern Nachmittag im Dachauer Familienbad. Viele Dachauer Grundschüler, aber auch ältere Kinder können nicht mehr schwimmen. Das soll sich ändern.  

Stadträte lehnen Antrag von Schule ab

Kein Geld für Schwimmkurse

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Immer weniger Schulkinder an Dachaus Grundschulen können schwimmen. Deshalb stellte die Klosterschule einen Antrag, dass die Stadt die Kosten für Nichtschwimmer-Kurse übernimmt. Doch der Antrag wurdeabgelehnt.

Dachau – Zwei Menschen sind heuer bereits im Münchner Eisbach ertrunken: eine 15-Jährige und ein 35-Jähriger, der aus der Nähe von Neu-Delhi stammt – beide konnten nicht schwimmen. Auch Rektorin Gabriele Dörfler von der Grundschule Dachau-Ost wird ein schreckliches Ereignis nie vergessen: Vor einigen Jahren ist ein Zweitklässler ihrer Grundschule im Karlsfelder See ertrunken. Er stammte aus einer türkischen Familie. Auch er war Nichtschwimmer. „Es gibt immer mehr Grundschüler, die nicht schwimmen können“, sagt Grundschullehrerin Petra Baume von der Dachauer Klosterschule.

Deshalb stellte die Schule einen Antrag, dass die Stadt die Dachauer Schulen beim Schwimmunterricht unterstützt, denn mit den vielen Nichtschwimmern seien die Lehrer überfordert. Die Stadt könnte vergünstigte Schwimmkurse für etwa 42,50 Euro pro Kind, von den Stadtwerken organisiert, finanzieren, hieß es im Antrag. Doch die Mehrheit der Stadträte im Familien- und Sozialausschuss lehnte ab.

In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Nichtschwimmer in der zweiten, dritten und vierten Klasse enorm angestiegen, sagt die Rektorin der Klosterschule, Karin Ernstorfer: Während vor etwa zehn Jahren im Schnitt nur zwei Nichtschwimmer in den Klassen waren, sind es heute bis zu zehn Kinder. Der Grund: „Viele Eltern sehen wohl nicht mehr die Notwendigkeit, ihren Kindern schwimmen zu lernen“, sagt sie: „Sie erwarten, dass es in der Schule angegangen wird.“ Rektorin Dörfler sieht Schwimmen auch als Kulturphänomen: „Es gibt Kulturen, wo es einfach nicht gängig ist, baden zu gehen.“ Vor allem Kinder aus muslimischen Familien lernen das Schwimmen nicht von ihren Eltern, gehen aber trotzdem an den See oder ins Dachauer Freibad.

Mehr Nichtschwimmer bedeutet auch mehr Belastung für die Lehrer im Schwimmunterricht. Es entstehen drei Gruppen, sagt Ernstorfer: Nichtschwimmer, Halbschwimmer, die sich über dem Wasser halten können, und gute Schwimmer. Den Leistungsniveaus gerecht zu werden – eine Herausforderung. Kostenlose Schwimmkurse, welche die Stadt finanziert, wären deshalb eine Entlastung.

Doch mit 11 zu 4 Stimmen (Oberbürgermeister Florian Hartmann, Anke Drexler, Sylvia Neumeier und Christia Keimerl) lehnten die Ausschussmitglieder den Antrag ab. Das Argument gegen die von der Stadt finanzierten Schwimmkurse: „40 Euro kann man den Eltern durchaus zumuten“, sagte Katja Graßl (CSU), für Babyschwimmkurse habe sie sogar deutlich mehr ausgegeben. Jürgen Seidl (FDP) sagte: „Ich muss mich als Elternteil schon selbst darum kümmern, dass meine Kinder schwimmen lernen. Das ist nicht Aufgabe der Stadt.“ Horst Ullmann (BfD): „40 Euro müssen sich die Eltern leisten können. Es muss ihnen doch wichtig sein, dass ihre Kinder schwimmen lernen.“

Die meisten Eltern von Nichtschwimmern an der Grundschule Dachau-Ost seien bereit, die 40 Euro für den Kurs zu zahlen, sagt Dörfler. Für die anderen Nichtschwimmer an der Klosterschule und Grundschule Dachau-Ost wollen die Rektorinnen eine andere finanzielle Unterstützung suchen: Die Kosten für die Schwimmkurse könnten Elternbeirat, Förderverein oder Rotary Club übernehmen oder aus einem so genannten Teilhabepaket finanziert werden, mit dem etwa auch Klassenfahrten bezuschusst werden.

Denn Grundschullehrerin Petra Baume ist überzeugt: Wenn Familien wenig Geld haben, dann entscheiden sie sich gegen den 40-Euro-Schwimmkurs und sagen sich: „Dann geht mein Kind eben nicht in den Schwimmunterricht.“ Und dann ist die Gefahr eines Unglücks sehr groß.

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