FC Pipinsried kämpft um sein Spielrecht für die Regionalliga

Dorfstadion wird zur Hochsicherheitsarena

War der Aufstieg in die Regionalliga für die Fußballer des FC Pipinsried bereits ein Kraftakt, so wird der derzeitige Ausbau des Stadions gar zur Zerreißprobe – vor allem für die Nerven von Präsident Konrad Höß. Der Macher liegt im Clinch – mit ängstlichen Bürokraten und großtuerischen Verbandsmenschen.

Pipinsried – Wer in diesen Tagen im Stadion des FC Pipinsried steht und seinen Blick gen Westen richtet, der sieht nur noch die Weite der Felder in Richtung des Nachbardorfes Reichertshausen. Bagger und Planierraupen haben das Sichtfeld frei geräumt und einen Parkplatz für gut 150 Fahrzeuge geschaffen. Nur eine von zahlreichen Auflagen, die der Bayerische Fußballverband (BFV) als Voraussetzung ansieht, damit der FCP das Spielrecht für die neue Saison erhält. Insgesamt kostet das Abenteuer vierte Liga den Dorfklub einen Betrag im sechsstelligen Bereich.

In Pipinsried sind sie empört und frustriert zugleich. Aber nicht wegen des vielen Geldes. So stellt etwa die Gemeinde Altomünster das Gelände für den Parkplatz unentgeltlich zur Verfügung, befreundete Bauunternehmen halten ihre Preise moderat, und der Klub verrichtet vieles in Eigenleistung. Das macht das Umbauen erträglich. Was die Vereinsverantwortlichen unerträglich finden, sind die Genehmigungsverfahren für die Umbaumaßnahmen, die Tatsache, dass in Folge der BFV-Auflagen Institutionen wie die Feuerwehr oder das BRK dazwischenreden sowie natürlich die Auflagen selbst und hier vor allem: deren Sinn und Zweck. Nimmt man alles zusammen, könnte man glauben, das kleine Stadion an der Reichertshausener Straße müsse in eine Hochsicherheitsarena für kickende Schwerverbrecher umgewidmet werden.

Das ganze Tamtam hat dazu geführt, „dass mich meine Leute zu Treffen gar nicht mehr mitnehmen, weil sie Angst haben, dass ich jemandem an die Gurgel gehe“, sagt Präsident Konrad Höß. Um den Groll des Präsidenten besser verstehen zu können, muss man den Aufwand in Relation zu den Zuschauerzahlen der abgelaufenen Runde in der Regionalliga Bayern setzen. Klar gab es Hochsicherheitsspiele wie das Derby 1860 II gegen den FC Bayern II, das knapp 9000 Fans ins Stadion lockte. Doch in der Liga fußballern auch namenlose Teams wie der FV Illertissen, der im Schnitt lediglich 372 Anhänger begrüßen konnte, oder uninteressante wie der 1. FC Nürnberg II (311). Von den 18 Teams lagen acht im Schnitt unter 500 Zuschauern. Und der Zuschauerschnitt insgesamt lag mit 771 nicht eben weit darüber.

Trotzdem muss der FC Pipinsried ranklotzen. Einige Beispiele: Er hat Spieler und Zuschauer strikt zu trennen. Darum dürfen die Fans nur noch über die Terrasse ins Sportheim, während die Kicker über das Nebenfeld und eine „Kindertreppe“ (Höß) aufs Spielfeld geleitet werden. „Die werden besser abgeschirmt als der Papst, wenn der nach Deutschland kommt“, vergleicht Höß.

Weiter muss ein Gästeblock für 250 Fans her, in Fußballerkreisen „Käfig“ genannt – mit Verkaufscontainer für Bier und Wurstsemmeln, versteht sich. Laut Höß werden sich darin bei den allermeisten Begegnungen lediglich „ein paar Hanseln“ verlieren. „Ich habe in der Regionalliga zugeschaut, da tun die Zuschauer eigens ihre Fanschals runter, damit sie nicht in den Käfig müssen“, so der Präsident. Weil bei der Höhe des Käfigbaus zehn Zentimeter fehlen, steht die Baugenehmigung in Frage. Doch über eine solche Petitesse regt sich beim FCP niemand mehr auf.

Dem BRK wurde die Tennishütte auf dem Gelände als Unterkunft angeboten. Sie hat einen Stromanschluss und eine Küche. Das habe das Rote Kreuz abgelehnt, sagt Höß’ Stellvertreter Roland Küspert. Es mangele etwa an Einrichtungen für Beatmungsmittel sowie an einem Infusionsständer. Die Folge: Der FCP muss einen Teil seines Trainingsfelds wegbaggern lassen, damit ein geeigneter Container für die Retter aufgestellt werden kann. Tröstlich für den FCP: Auf die Einrichtung des vom BFV angedachten Hubschrauberlandeplatzes wird verzichtet.

Für die Feuerwehr muss eine Plattform geschaffen werden, damit dort zwei Löschfahrzeuge gleichzeitig parken können. Nach Ansicht der Brandschützer seien unbedingt zwei Wagen erforderlich, und diese müssten beim Anpfiff einsatzbereit sein, weil die Wagen später nicht mehr durch die engen Straßen kämen, hat Küspert zu hören bekommen. Dem FCP-Vize ist allerdings schleierhaft, warum bei Regionalligapartien plötzlich eine erhöhte Brandgefahr herrschen soll. Präsident Höß ist in diesem Zusammenhang sauer auf Kreisbrandrat Franz Bründler. Noch saurer wurde Höß, als er erfuhr, dass Bründler bei einer Ortsbegehung am Dienstagabend am Stadion allzu fordernd auftrat.

Bei diesem Treffen, an dem neben Bründler Vertreter von Landratsamt, BRK, Polizei sowie des Vereins teilnahmen, und bei dem Höß mal wieder ferngehalten worden sei, wie er sagt, wurde am Ende die Friedenspfeife geraucht. „Es wird alles über die Bühne gehen“, glaubt der Präsident im Hinblick auf die endgültige Abnahme am Freitag.

Na dann ist zu hoffen, dass es in Pipinsried Regionalliga-Fußball geben wird, Höß nicht „verrückt“ geworden ist, wie er zuletzt vermutet hatte, sondern auf seinem Stammplatz – einem Ersatzball – sitzend das erste Heimspiel verfolgt. Nur das ist es, was für den 76-Jährigen zählt.

Das erste Spiel

in der Regionalliga Bayern bestreitet der FC Pipinsried am Dienstag, 25. Juli, im eigenen Stadion. Der Gegner wird offiziell am 2. Juli bekannt gegeben. Seine Heimspiele bestreitet der FCP grundsätzlich an Samstagen. Anpfiff wird jeweils um 14 Uhr sein.

Thomas Zimmerly

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